Das hier gezeigte Exponat ist eine einfach gehaltene Laufbettkamera für Platten bzw. Planfilm im Format 9 x 12 cm. Ausweislich des Herstellerschildes ist die Kamera auf die Firma Gebrüder Huth – Fabrik photographischer Apparate zurückzuführen, die von 1886 bis 1937 in Dresden ansässig war. Wie in der damaligen Zeit nicht unüblich, handelte es sich bei Huth nicht ausschließlich um einen Hersteller sondern gleichzeitig um einen Händler. Daher kann nicht mit abschießender Gewissheit gesagt werden, ob es sich bei dieser Kamera um ein Eigenprodukt der Gebrüder Huth handelt oder um einen Zukauf eines Drittherstellers, die für den Vertrieb mit besagtem Firmenschild versehen wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die Produkte der Firma nur sehr lückenhaft dokumentiert sind. Allerdings ist uns kein identisches Produkt eines anderen Herstellers bekannt.
Aufgrund der angesprochenen Quellenlage kann zu diesem Exponat keine genauere Modellbezeichnung erfolgen. Die Kamera basiert auf einem Holzkorpus und verfügt über einen zweifachen Laufbodenauszug. Als Objektiv kommt eine als Huths-Extra-Rapid-Aplanat 1:7.2 / 135 mm bezeichnete Linse zum Einsatz, mithin eine Standardbrennweite für das Abbildungsformat. Inwiefern dieses Objektiv von Huth selbst gefertigt wurde ist nicht bekannt. Wahrscheinlicher ist ein Bezug über einen Drittanbieter. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht zum Rodenstock Extra-Rapid-Aplanat 1:8 / 135 mm, dass ebenfalls trotz der nominell niedrigeren Offenblende bereits mit Blendenskalen ab 1:7.2 gesichtet wurde.
Als Verschluss kommt der Selbstspanner Vario des Herstellers Gauthier Calmbach zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um die erste Version, die 1929 abgelöst wurde. Neben B und T wird die Zeitenreihe 1/25, 1/50 und 1/100 angeboten.
Neben der Mattscheibe als klassische Einstell- und Fokussierhilfe der Plattenkamera, steht ein mittig angebrachter, kastenförmiger Brillantsucher für die Motivgestaltung zur Verfügung. Die Kamera ermöglicht durch den doppelten Auszug mit Zahntrieb Nahaufnahmen. Zudem bietet sie zum perspektivischen Ausgleich eine vertikale Verstellmöglichkeit der Frontstandarte. Mit diesen Merkmalen hebt sich die Kamera von den einfachsten Modellen ab.
Anhand der Kameramerkmale lässt sich der Herstellungszeitraum grob abschätzen. Den validesten Hinweis liefert der verwendete Vario-Verschluss, der in dieser Form von Gauthier zwischen 1912 und 1929 hergestellt wurde. Hiermit lässt sich er der Herstellungszeitraum unseres Exponats auf diesen Zeitraum eingrenzen. Die weiteren Merkmale der Kamera sprechen dafür, dass das Modell eher der ersten Hälfte dieser Fertigungsperiode zuzurechnen ist. Die Holzbauweise des Korpus, die Form und Gestaltung der U-Standarte und der Platine deuten auf die 1910er Jahre hin. Ebenso spricht die Form des Brillantsuchers für eine Fertigung in dieser Zeit. Grob lässt sich der Kamera daher aus unserer Sicht auf den Zeitraum von 1912 bis ca. 1920 eingrenzen.