Altissa (VEB) – Altix V (Tempor/Tessar)

Kategorie Kamera
Bauart Sucherkamera
Epoche Nachkriegszeit / DDR (1945 - 1990)
Hersteller EHO / Altissa
Firma VEB Altissa-Camera-Werk
Marke Altissa
Modell Altix V
Filmformat Kleinbild 24 x 36 mm
Objektiv Carl Zeiss Jena Tessar 1:2.8 / 50 mm
Objektivanschluss Altix-Bajonett
Verschluss Zeiss Ikon Tempor
Verschlusszeiten B, 1 - 1/250
Produktionsbeginn 1956
Produktionsende 1957
Beschreibung

Die Altix V ist eine Kleinbild-Sucherkamera des Dresdner Herstellers VEB Altissa-Camera-Werk. Sie wurde ab 1954 bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts, produziert und gehört zu den späten Modellen der Altix-Reihe.

Als Weiterentwicklung früherer Altix-Kameras markiert sie den Übergang von einfachen Amateurkameras hin zu einem vielseitiger nutzbaren System. Es handelt sich um eine robuste Kleinbildkamera (Format 24 × 36 mm) mit optischem Durchsichtsucher und – für diese Kameraklasse bemerkenswert – Wechselobjektiven.

Konstruktive Merkmale

Die Altix V ist als kompakte, vollständig mechanische Sucherkamera ausgeführt. Ihr Gehäuse besteht überwiegend aus Metall. Wie alle Modelle der Altix-Reihe verwendet die Kamera Kleinbildfilm des Typs 135. Bereits seit der Altix IIIa kam das klassische Format 24 x 36 mm zum Einsatz. Es handelt sich im Grundaufbau um eine klassische Sucherkamera ohne Fokussierhilfen. Auf einen Parallaxenausgleich muss der Nutzer ebenfalls verzichten. Filmtransport und Verschlussspannung sind getrennt zu bedienen, jedoch verfügt die Altix V über eine Doppelbelichtungssperre. Die Filmladung erfolgt über eine abnehmbare Bodenplatte (nach dem Leica-Prinzip).

Eine konstruktive Besonderheit stellt der Wechselobjektivanschluss (Altix-Bajonett) dar, der die Kamera deutlich von einfacheren Sucherkameras abhebt.

Die Gehäuseform wurde im Wesentlichen von der Altix IV übernommen.

Objektiv und Verschluss

Die Altix V wurde mit verschiedenen Normalobjektiven ausgeliefert, darunter:

  • Carl Zeiss Jena Tessar 1:2,8/50 mm (wie beim Museumsexemplar)
  • Meyer-Optik Görlitz Trioplan 1:2,9/50 mm
  • E. Ludwig Meritar 1:2,9/50 mm

Darüber hinaus standen Wechselobjektive unterschiedlicher Brennweiten (35 mm und 90 mm) zur Verfügung, was die Kamera zu einem frühen, einfachen System machte.

Das Museumsexemplar ist mit dem Tempor-Verschluss ausgestattet, der Belichtungszeiten bis 1/250 zulässt. Alternativ war die Kamera auch mit dem etwas schnelleren und vollsynchronisierten Prontor SVS erhältlich. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Modelle primär für den Export gefertigt wurden.

Weitere Ausstattungsmerkmale und Besonderheiten

Die Ausstattung der Altix V blieb bewusst einfach, bot jedoch sinnvolle Erweiterungsmöglichkeiten:

  • Zubehörschuh für Zusatzsucher oder Entfernungsmesser
  • austauschbare Suchermasken für verschiedene Brennweiten
  • Selbstauslöser
  • Blitzanschluss (PC-Synchronisation)
  • Stativgewinde (größeres 3/8″-Format)

Variantenunterschiede zeigen sich vor allem in Details wie Beschriftung, Farbgebung des Gehäusebezugs oder kleineren konstruktiven Anpassungen während der Produktionszeit.

Mit der Altix V erhielt die Modellreihe die Möglichkeit des Objektivwechsels. Hierzu wurde das Altix-Bajonett eingeführt, dass ähnlich wie bei Praktina und Praktisix konzipiert ist (aber nicht identisch).

Bedeutung und Einordnung des Exponats

Die Altix V nimmt innerhalb der Altix-Reihe und der DDR-Kameraindustrie eine besondere Stellung ein. Mit der Einführung von Wechselobjektiven stellt sie einen erheblichen Schritt der technischen Entwicklung dieser Modellfamilie dar und verfolgt konsequent die Idee einer preisgünstigen Systemkamera für ambitionierte Amateurfotografen. Die Altix spielte eine erhebliche Rolle für den DDR-Binnenmarkt, der für die politische Führung der DDR nach dem Aufstand des Jahres 1953 merklich an Relevanz gewonnen hatte.

Gleichzeitig zeigt sie die Grenzen dieses Kameratyps: In den 1950er Jahren gerieten Sucherkameras ohne Entfernungsmesser zunehmend gegenüber modernen Spiegelreflexkameras ins Hintertreffen.

Für den Hersteller markiert die Altix V eine Phase intensiver Weiterentwicklung kurz vor dem strukturellen Wandel der Dresdner Kameraindustrie. 1958 und 1959 folgten weitere Entwicklungsschritte mit der Altix n und Altix nb, die neben einer neuen, moderneren Gehäuseform auch über einen Schnellspannhebel und im Falle der nb einen Belichtungsmesser verfügten. Mit der Eingliederung von Altissa in den Großbetrieb VEB Kamera- und Kinowerke Dresden endete jedoch wenig später die eigenständige Produktion.

Heute gilt die Altix V als typisches Beispiel für die solide, funktional orientierte Kamerakonstruktion der DDR der 1950er Jahre – technisch interessant, robust gebaut und ein wichtiger Baustein in der Entwicklung hin zu modulareren Kamerasystemen.