Beier – Lotte II

Kategorie Kamera
Bauart Laufbodenkamera
Epoche Zwischenkriegszeit (1919 - 1939)
Hersteller Beier / Kamerafabrik Freital
Firma Kamera-Fabrik Woldemar Beier
Marke Beier
Modell Lotte II
Filmformat Platte 6.5 x 9 cm
Objektiv Rodenstock Doppel Anastigmat Eurynar 1:4.5 / 10,5 cm
Objektivanschluss fest
Verschluss F. Deckel Compur
Verschlusszeiten Z, D, M 1 - 1/250
Produktionsbeginn 1929
Produktionsende
Beschreibung Plattenkamera mit Aluminiumgehäuse

Die Beier Lotte II ist eine Laufboden-Plattenkamera der Kamera-Fabrik Woldemar Beier. Sie wurde im Rahmen der Modellpflege, die Beier an seinen Plattenkameras in jener Zeit vornahm, auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1929 vorgestellt.

Konstruktive Merkmale

Die Beier Lotte II ist als Klapp- bzw. Laufbodenkamera mit Balgenauszug konstruiert. Charakteristisch ist der doppelte Laufbodenauszug, der eine größere Einstellbarkeit der Bildweite und damit flexiblere Fokussierung erlaubt. Der Grundkörper der Lotte II ist aus Leichtmetall (Aluminium) gefertigt, was sie von den bisherigen Laufbodenkameras der Firma Beier (einschließlich Lotte I) abhebt, deren Korpus traditionell aus Holz bestand. Während Metallgehäuse bei Laufbodenkameras bei einigen Herstellen bereits seit der Jahrhundertwende zum Einsatz kamen, liegt die Innovation Beiers im Einsatz von Leichtmetall.

Das Museumsexemplar nimmt Platten und Planfilm im Format 6,5 x 9 cm (bzw. 6 x 9) auf. Wie bereits das Vorgängermodell wurde die Lotte II jedoch auch für das Format 9 x 12 cm gefertigt.

Diese Bauweise entsprach dem Stand der Technik hochwertiger Amateurkameras der späten 1920er Jahre.

Objektiv und Verschluss

Die Lotte II wurde mit unterschiedlichen Objektiv- und Verschlusskombinationen ausgeliefert, was für die damalige Zeit typisch war. Das Museumsexemplar ist mit dem Rodenstock Doppel Anastigmat Eurynar 1:4.5 / 10,5 cm ausgestattet. Als Verschluss kommt der Compur der Firma F. Deckel aus München zum Einsatz, der Belichtungszeiten zwischen einer und 1/250 Sekunden erlaubt (und natürlich die manuelle Langzeitbelichtung „B“).

Die Front der sächsischen Kamera gibt sich bayerisch: Das Objektiv kam von Rodenstock, der Verschluss von F. Deckel – beide ansässig in München.

Weitere Ausstattungsmerkmale

Bildgestaltung:

  • Mattscheibe zur exakten Bildkontrolle
  • Brillantsucher und Libelle
  • zusätzlicher Rahmensucher

Einstellmöglichkeiten:

  • Zahnstangen-Fokussierung
  • doppelter Laufbodenauszug
  • Verstellung der Frontstandarte sowohl vertikal wie horizontal
Klassisch gelöst ist bei der Lotte II die Arretierung der Unendlichstellung.

Bedeutung und Einordnung des Exponats

Die Lotte II stellt eine Weiterentwicklung der früheren Lotte-Modelle dar und markiert den Übergang in eine Phase technischer Weiterentwicklungen im Hause Beier, insbesondere hin zu moderneren Bauformen und Materialien. Hervorzuheben ist der Einsatz von Aluminium für das Gehäuse, der nicht nur für den Hersteller, sondern für die gesamte Branche innovativ war. Im größeren Kontext steht die Lotte II für eine Phase intensiver Innovation im Kamerabau, der in den 1930er Jahren zu einem stärkeren Fokus auf andere Bauarten führte (u. a. Falkkameras, Kleinbildfotografie). Sie verkörpert damit die Ausentwicklung der Laufbodenkameras, bevor diese sukzessive abgelöst wurden und nachdem 2. Weltkrieg gänzlich an Relevanz verloren.

Häufig ist an den Beier-Kameras jener Zeit keine Herstellermarkierung vorzufinden. So zeigt sich auch das Museumsexemplar, welches dafür an der Gehäuseseite mit dem Händlerschild „Otto Grahl Leipzig“ versehen wurde.