Die Revue ML entspricht der Praktica MTL 5 des VEB Pentacon Dresden und entspringt damit den letzten Reihen der Praktica L-Serie, die parallel zur B-Serie gefertigt wurden. Die MTL 5 wurde von 1984 bis 1986 in Stückzahlen weit über einer halben Million gefertigt. Vertrieben wurde die Revue ML über das Versandhaus Quelle, das unter der Marke „Revue“ eine Vielzahl fotografischer Geräte anbot, die von verschiedenen Herstellern gefertigt wurden. Hierzu gehörten auch Kameras aus verschiedenen Reihen der Praktica L-Serie. Die hier gezeigte Kamera steht für die Spätphase der Westexporte Dresdner Kameras, die bis zur politischen Wende anhielten, obwohl der ostdeutsche Kamerabau zu dieser Zeit technisch im internationalen Vergleich seine Konkurrenzfähigkeit eingebüßt hatte. Gleichwohl konnten die DDR-Kameras durch ihren Preisvorteil auf dem westlichen Markt weiterhin platziert werden – bei ständig steigendem Druck durch fernöstliche Mitbewerber.

Die Revue ML ist eine Namens- und Farbvariante der Praktica MTL 5. Als einäugige Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat von 24 × 36 mm nutzt sie den weit verbreiteten 35-mm-Film und verfügt über M42-Schraubgewinde, das den Einsatz einer großen Bandbreite an Wechselobjektiven ermöglicht. In den 1980er Jahren hatten sich allerdings weitestgehend Bajonett-Anschlüsse als komfortablere Lösung durchgesetzt. Das mitgelieferte Objektiv mit der Markenbezeichnung „Auto Revuenon“ entspricht dem Pentacon auto 1.8/50 Multi Coating, das zur damaligen Zeit das Standardobjektiv zur Praktica darstellte und seine konstruktiven Wurzeln im Meyer Oreston hat.
Im Inneren der MTL 5 arbeitet ein mechanischer Schlitzverschluss mit vertikal ablaufenden Metalllamellen, der Belichtungszeiten von einer Sekunde bis zu 1/1000 Sekunde sowie Langzeitbelichtungen im B-Modus erlaubt. Die Blitzsynchronisation erfolgt bis zu einer Zeit von 1/125 Sekunde.

Die Belichtungsmessung ist als TTL-Innenmessung ausgeführt und erfolgt bei Arbeitsblende. Im Sucher wird das Messergebnis über ein klassisches Nachführsystem angezeigt, das den Fotografen beim Einstellen der korrekten Belichtung unterstützt. Der Blick durch den Pentaprisma-Sucher wird durch eine Mattscheibe mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring ergänzt, wodurch eine präzise manuelle Scharfstellung möglich ist.
Der Filmtransport erfolgt vollständig manuell über den Schnellspannhebel, während der belichtete Film über eine Rückspulkurbel wieder in die Patrone zurückgeführt wird. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen mechanischen Selbstauslöser mit kurzer Verzögerungszeit.

Charakteristisch für die Kameras der L-Serie ist die konsequent mechanische Auslegung: Eine Batterie wird lediglich für den Belichtungsmesser benötigt, während die Verschlusssteuerung mechanische erfolgt.