Balda – Baldaxette I

Kategorie Kamera
Bauart Klappkamera, Messsucherkamera, Sucherkamera
Epoche Zwischenkriegszeit (1919 - 1939)
Hersteller Balda (ab 1951 Belca)
Firma Balda-Werk Max Baldeweg
Marke Balda
Modell Baldaxette I
Filmformat Mittelformat 4.5 x 6 cm, Rollfilm 120
Objektiv Meyer-Optik Görlitz Trioplan 1:2.9 / 7,5 cm
Objektivanschluss fest
Verschluss F. Deckel Compur
Verschlusszeiten T, B, 1 - 1/250
Produktionsbeginn 1936
Produktionsende ca. 1940
Beschreibung Messsucherkamera für Mittelformat 4,5 x 6

Die Balda Baldaxette I gehört zu den hochwertigen Rollfilmkameras der Dresdner Kamerafirma Balda-Werk und wurde ab dem Jahr 1936 gefertigt. Die Kamera war für das Rollfilmformat 4,5 × 6 cm auf Film Typ 120 ausgelegt und stellte eine technisch anspruchsvolle Weiterentwicklung der bereits erfolgreichen Baldax-Baureihe dar. Charakteristisch für die Baldaxette I war insbesondere der eingebaute gekuppelte Entfernungsmesser – eine damals moderne und vergleichsweise hochwertige Ausstattung, die vor allem ambitionierte Amateurfotografen ansprach.

Konstruktive Merkmale

Die Balda Baldaxette I ist als Klapp- beziehungsweise Faltkamera konstruiert. Das Objektiv sitzt auf einer ausklappbaren Frontstandarte mit stabilem Scherenauszug. Typisch für Balda waren die kräftig ausgeführten Streben des Balgenmechanismus, die der Kamera eine hohe Stabilität verliehen. Dadurch blieb die Objektivebene auch bei häufigem Gebrauch vergleichsweise präzise ausgerichtet.

Im geschlossenen Zustand kommt die kompakte Bauweise der Baldaxette zur Geltung.

Das Gehäuse bestand aus einem Metallkörper mit Belederung. Auffällig ist das längliche Oberteil der Kamera, in dem Sucher und gekuppelter Entfernungsmesser untergebracht sind. Diese Konstruktion verlieh der Baldaxette I eine für die Zeit elegante und technisch anspruchsvolle Anmutung.

Die Fokussierung erfolgte mithilfe des Entfernungsmessers, der über ein eigenes Fenster verfügte. Durch die Kopplung mit dem Objektiv konnte die Entfernung präzise eingestellt werden, ohne die Distanz schätzen zu müssen. Dies stellte insbesondere bei lichtstarken Objektiven einen erheblichen Vorteil dar. Die Naheinstellgrenze lag je nach Objektivvariante meist bei etwa einem Meter.

Gut zu erkennen sind auf der Kamerarückseite die beiden getrennten Einblicke für Sucher und Entfernungsmesser. Die Ausführung der Schärfetiefentabelle lässt mutmaßen, dass unser Exemplar für den britischen oder nordamerikanischen Exportmarkt bestimmt war.

Die Kamera nutzte das Bildformat 4,5 × 6 cm und ermöglichte damit 16 Aufnahmen auf einem 120er Rollfilm. Dieses Format galt als wirtschaftlicher Kompromiss zwischen Bildqualität und Filmausnutzung und erfreute sich besonders bei ambitionierten Amateurfotografen großer Beliebtheit. Das Schwestermodell Baldaxette II wurde ab 1937 parallel für das Bildformat 6 x 6 cm angeboten.

Objektiv und Verschluss

Wie bei vielen hochwertigen deutschen Kameras der Vorkriegszeit wurde die Baldaxette I mit unterschiedlichen Objektiv- und Verschlusskombinationen angeboten. Balda fertigte selbst keine Objektive, sondern bezog diese von renommierten Herstellern wie Carl Zeiss oder Schneider-Kreuznach. Das hier gezeigte Exemplar ist mit einem Meyer Görlitz Trioplan 1:2.9 / 7,5 cm ausgestattet. Hierbei handelt es sich um eine klassische Tripletlinse, die vor allem durch ihre kompakte Bauweise gut für Faltkameras geeignet ist.

Relativ häufig anzutreffen sind zudem Ausführungen mit:

  • Carl Zeiss Tessar 1:2,8 / 8 cm
  • Schneider-Kreuznach Xenar 1:2,8 / 7,5 cm

Diese hochwertigen Vierlinser gehörten damals zur Spitzenklasse der fotografischen Objektive und ermöglichten eine vergleichsweise gute Bildschärfe sowie hohe Lichtstärke.

Als Verschlüsse kam vor allem der Compur des Münchner Herstellers F. Deckel zum Einsatz, der Zeiten von einer Sekunde bis 1/250 s sowie den Einstellungen „B“ und „T“ bot. Teilweise wurde auch der schnellere Compur-Rapid verbaut.

Das Museumsexemplar ist mit dem Meyer Trioplan 1:2.9 / 7,5 cm im Compur-Verschluss ausgestattet.

Weitere Ausstattungsmerkmale und Besonderheiten

Die Baldaxette I war für ihre Zeit bemerkenswert umfangreich ausgestattet. Besonders hervorzuheben ist der gekuppelte Entfernungsmesser, der in den 1930er Jahren noch keineswegs selbstverständlich war. Viele preisgünstigere Faltkameras arbeiteten lediglich mit Schätzskalen oder ungekuppelten Entfernungsmessern. Der Fernrohsucher der Kamera war mit der Entfernungseinstellung gekoppelt, sodass die Baldaxette über einen automatischen Parallaxenausgleich verfügte, was bei Nahaufnahmen die Einschätzung des korrekten Bildausschnittes vereinfachte. Auch dieses Ausstattungsmerkmal hob das Modell von den meisten Faltkameras der damaligen Zeit ab. Ebenfalls nicht selbstverständlich war der integrierte Gehäuseauslöser.

In die Gehäusekappe integrierte Balda einen Fernrohrsucher mit automatischem Parallaxenausgleich und einen gekoppelten Entfernungsmesser.

Die Kamera war sowohl mit schwarzem als auch mit verchromtem Gehäuse erhältlich (Museumsexemplar). Verschiedene Quellen beschreiben die schwarzen Exemplare als frühere Ausführung. Diese Annahme erscheint insoweit plausibel, als auch bei der Super Baldina eine entsprechende Änderung des äußeren Erscheinungsbilds für das Jahr 1937 dokumentiert ist.

Beim Museumsexemplar handelt es sich um die Version mit verchromtem Gehäuse.

Bedeutung und Einordnung des Exponats

Die Balda Baldaxette I zeigt beispielhaft den hohen technischen Entwicklungsstand des Dresdner Kamerabaus unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Verbindung aus kompakter Faltkonstruktion, Mittelformat, gekuppeltem Entfernungsmesser und hochwertigen Objektiven machte die Kamera zu einem anspruchsvollen Amateurgerät im oberen Qualitätssegment. Jenseits des sächsischen Raums sind vergleichbare Konstruktionen deutscher Hersteller nur seitens Voigtländer (Braunschweig) bekannt.

Für Balda-Werk bedeutete die Baldaxette-Baureihe einen wichtigen Schritt hin zu technisch anspruchsvolleren Kameramodellen. Das Unternehmen entwickelte sich in dieser Zeit von einem Hersteller einfacher Amateurkameras zu einem ernstzunehmenden Anbieter hochwertiger fotografischer Geräte. Die Erfahrungen aus diesen Konstruktionen flossen später auch in Nachkriegsmodelle, die vom niedersächsischen Nachfolgebetrieb in Bünde gefertigt wurden („Mess-Baldax“). Der Dresdner Stammbetrieb hingegen fertigte bis zur Einführung der Belmira keine Messsucherkameras mehr.