Beier – Precisa IIa

Kategorie Kamera
Bauart Klappkamera, Messsucherkamera
Epoche Nachkriegszeit / DDR (1945 - 1990)
Hersteller Beier / Kamerafabrik Freital
Firma Kamera-Fabrik Woldemar Beier
Marke Beier
Modell Precisa IIa
Filmformat Mittelformat 4.5 x 6 cm, Mittelformat 6 x 6 cm, Zweiformat-Kamera
Objektiv E. Ludwig Meritar V 1:3.5 / 75 mm
Objektivanschluss fest
Verschluss Werner Junior
Verschlusszeiten B, 1/25, 1/50, 1/100
Produktionsbeginn 1956
Produktionsende 1959 (ca.)
Beschreibung Beier Precisa II mit ungekoppeltem Entfernungsmesser

Die Precisa IIa wurde ab dem Jahr 1956 von der Kamera-Fabrik Woldemar Beier in Freital bei Dresden gefertigt. Sie gehört zur langen „Precisa“-Baureihe, deren Ursprünge bis in die späten 1930er Jahre zurückreichen. Bei der Precisa IIa handelt es sich um eine klassische Rollfilm-Klappkamera für den Filmtyp 120, die Negative im Format 6×6 cm sowie – mittels Einlegemaske – 4,5×6 cm erzeugen kann.

Als Weiterentwicklung der Precisa II stellt die IIa die technisch anspruchsvollste Ausführung dieser Modellreihe dar. Charakteristisch ist ihre Kombination aus kompaktem Klappmechanismus und zusätzlichem Entfernungsmesser, wodurch sie sich von den einfacheren Amateurkameras der Zeit abhebt.

Konstruktive Merkmale

Die Precisa IIa ist als selbstaufrichtende Balgenkamera konstruiert. Nach dem Öffnen der Frontklappe entfaltet sich der Balgen automatisch und bringt Objektiv sowie Verschluss in Aufnahmeposition. Dieses Konstruktionsprinzip ermöglichte eine kompakte Bauweise bei gleichzeitig großem Negativformat.

Typisch für die Kamera sind folgende Merkmale:

  • Verwendung von Rollfilm 120 mit zwei Aufnahmeformaten (6×6 und 4,5×6 cm)
  • Umschaltbarer Sucherrahmen für beide Bildformate
  • Zwei rote Sichtfenster auf der Rückwand zur Bildzählung für beide Formate
  • Klappbare Filmspulenhalter zur Erleichterung des Filmwechsels

Eine Besonderheit ist der integrierte optische Sucher mit ungekuppeltem Entfernungsmesser. Die gemessene Entfernung wird über ein kleines Fenster abgelesen und anschließend manuell auf das Objektiv übertragen. Neben der deutlich anspruchsvolleren Certo Six, war die Beier Precisa IIa die einzige ostdeutsche Mittelformat-Faltkamera mit integriertem Entfernungsmesser.

Objektiv und Verschluss

Die Precisa IIa ist in der Regel mit einem E. Ludwig Meritar 1:3,5 / 75 mm ausgestattet, einem vergüteten Dreilinser-Objektiv (Triplet), das für solide Abbildungsleistungen im Amateurbereich konzipiert war. Alternative Objektivausstattungen sind uns für die Precisa IIa nicht bekannt.

Als Verschluss dient bei Museumsexemplar der Selbstspanner „Junior“ des Tharandter Herstellers Gebrüder Werner, der neben der Langzeitbelichtung B, die Zeiten 1/25, 1/50 und 1/100 anbot. Die Precisa IIa war auch mit dem schnelleren Tempor-Verschluss (bis 1/250) des VEB Zeiss Ikon erhältlich.

Weitere Ausstattungsmerkmale und Besonderheiten

Die Precisa IIa weist mehrere für ihre Zeit typische, aber dennoch bemerkenswerte Details auf:

  • Kombinierter Sucher mit integriertem Entfernungsmesser („Mess-Precisa“)
  • Umschaltbarer Bildrahmen im Sucher für zwei Formate
  • Blitzsynchronisation am Verschluss
  • Gehäuseauslöser auf der Kameradeckplatte
  • Robuste Metallkonstruktion mit Belederung

Es existieren zudem zwei Varianten der Precisa IIa: Die frühe Version ohne explizite „IIa“-Bezeichnung und mit rundem Entfernungsmesserfenster, wie sie hier zu sehen ist. Eine spätere Version ist mit eckigem Fenster und entsprechender Frontbeschriftung auf einer ovalen Metallplatte versehen.

Bedeutung und Einordnung

Die Precisa IIa markiert einen späten Entwicklungsschritt der klassischen Rollfilm-Balgenkamera im Hause Beier. Sie vereint traditionelle Bauweise mit funktionalen Verbesserungen wie dem Entfernungsmesser und steht damit am Übergang von der Vorkriegskonstruktion zur Nachkriegsproduktion in der DDR.

Für den Hersteller ist sie insofern bedeutsam, als sie zu den technisch anspruchsvolleren Modellen der Precisa-Reihe zählt und die Bemühungen widerspiegelt, im Wettbewerb mit moderneren Kameratypen zu bestehen. Gleichzeitig zeigt sie die typische Struktur der ostdeutschen Kameraindustrie jener Zeit, in der Objektive, Verschlüsse und Komponenten oft von spezialisierten Zulieferbetrieben stammten. Im größeren Kontext der Kamerageschichte steht die Precisa IIa am Endpunkt der Ära der Rollfilm-Klappkameras, die in den 1960er Jahren zunehmend von Kleinbildkameras verdrängt wurden. Sie war die letzte neue Kamera dieser Bauart, die Beier auf den Markt brachte. Dünn ist die Quellenlage zum Ende der Produktion. Anhand der Seriennummern der verbauten Meritar-Objektive kann angenommen werden, dass die letzten Exemplare ca. 1959 das Werk verließen.