Certo – Super Dollina (Compur-Rapid/Tessar)

Kategorie Kamera
Bauart Messsucherkamera, Sucherkamera
Epoche Nachkriegszeit / DDR (1945 - 1990), Zwischenkriegszeit (1919 - 1939)
Hersteller Certo
Firma Certo-Kamera-Werk von der Gönna und Söhne
Marke Certo
Modell Super Dollina
Filmformat Kleinbild 24 x 36 mm
Objektiv Carl Zeiss Jena Tessar 1:3.5 / 5 cm T
Objektivanschluss fest
Verschluss F. Deckel Compur-Rapid
Verschlusszeiten B, 1 - 1/500
Produktionsbeginn 1938
Produktionsende 1950
Beschreibung Super Dollina aus früher Nachkriegsproduktion (ca. 1947/48 lt. Seriennummer des Objektivs)

Die Super Dollina wurde vom Certo Camera Werk in Dresden zwischen etwa 1938 und 1950 gefertigt. Sie gehört zur Familie der Dollina-Kleinbildkameras und stellt deren technisch anspruchsvollste Ausführung dar. Die Super Dollina entstand kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als Weiterentwicklung der seit 1935 produzierten Dollina-Reihe und wurde nach Kriegsende ab 1947 weitergeführt 1950/51 wurde sie durch die konstruktiv nicht wesentlich veränderte Super Dollina II abgelöst. Das hier gezeigte Exemplar der Super Dollina ist ausweislich ihrer Ausstattungsmerkmale aus einer recht frühen Nachkriegsproduktion.

Konstruktion

Prinzipiell folgte Certo mit seiner Dollina-Reihe einen Trend, der durch die Kodak Retina 1934 begründet wurde. Klappkameras im Kleinbildformat waren neu und erfreuten sich wachsender Beliebtheit – lagen sie doch deutlich unter der Preismarke der Leica oder Contax.

Die Kamera ist als Klappkamera mit Spreizenmechanik und Balgenauszug konstruiert. Das Objektiv sitzt auf einer Frontstandarte, die beim Öffnen aus dem Gehäuse herausklappt. Dieses Bauprinzip vereint kompakte Transportmaße mit der Möglichkeit präziser Fokussierung. Hierfür sorgt der gekoppelte Entfernungsmesser, der die Super Dollina zum Spitzenprodukt der Certo-Kleinbildmodelle machte.

Objektiv und Verschluss

Das vorliegende Exponat ist mit einem Carl Zeiss Jena Tessar 1:3.5/5 cm T ausgestattet. Die Seriennummer deutet auf eine Herstellung zwischen 1947 und 1948.

Als Verschluss kommt ein Compur-Rapid-Zentralverschluss zum Einsatz, der in der Vorkriegszeit als besonders hochwertig galt. Er bot Belichtungszeiten von 1 s bis 1/500 s sowie die Langzeitbelichtung B.

Das Museumsexemplar ist mit dem Tessar 1:3.5 / 5 cm und einem schnellen Compur-Rapid-Verschluss (F. Deckel München) ausgestattet.

Die Super Dollina war in verschiedenen weiteren Objektiv-/Verschlusskombinationen erhältlich. Objektive wurden von Meyer, Zeiss, Schneider, Steinheil und Friedrich geliefert.

Weitere Ausstattungsmerkmale und Varianten

Wichtigstes Ausstattungsmerkmal der Super Dollina ist der gekoppelte Entfernungsmesser. Welcher über ein weiteres Fenster auf der Rückseite abgelesen wurde.

Die Bedienelemente der Super Dollina waren vergleichsweise ergonomisch angeordnet und erlaubten eine zügige Handhabung – hervorzuheben sind der Gehäuseauslöser mit Doppelbelichtungssperre und das Fokussierrad an der Kameraseite.

Die Frontplatte zeigt die typischen Öffnungen für den Mischbildentfernungsmesser.

Bedeutung und Einordnung

Die Super Dollina markiert das Spitzenprodukt des Certo-Werks vor dem 2. Weltkrieg und verkörpert gleichzeitig den schrittweisen Bedeutungsgewinn des Kleinbildformats für die Amateurfotografie, denn auch die gut ausgestattete Super Dollina schlug an der Ladenkasse nur mit ca. ¼ des Preises für eine Leica oder Contax zu Buche.

Das hier gezeigte Modell ist auch in seinem konkreten Entstehungskontext interessant. Ausweislich des verwendeten Objektivs ist das Exemplar einer frühen Nachkriegsproduktion zuzuschreiben, die ab 1947 bei Certo mühsam wieder aufgenommen wurde. Der größte Teil dieser frühen Produktion floss als Reparationsleistung in die Sowjetunion.

Die Super Dollina wurde von Certo noch bis ca. 1950 gefertigt und anschließend von der Super Dollina II abgelöst, welche neben einigen Detailänderungen jedoch keine wesentliche konstruktive Neuerung darstellte.