Zeh – Zeca-Flex

Kategorie Kamera
Bauart zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR)
Epoche Zwischenkriegszeit (1919 - 1939)
Hersteller Zeh
Firma Zeh-Kamera-Fabrik Paul Zeh
Marke Zeca
Modell Zeca-Flex
Filmformat Mittelformat 6 x 6 cm
Objektiv Schneider Kreuznach Xenar 1:3.5 / 7,5 cm + Sucher-Anastigmat 1:2.9
Objektivanschluss fest
Verschluss F. Deckel Compur-Rapid
Verschlusszeiten T, B, 1 - 1/400
Produktionsbeginn 1937 (ca.)
Produktionsende 1938 (ca.)
Beschreibung aufwändig konstruierte Falt-TLR mit kurzer Herstellungsdauer und wahrscheinlich sehr geringer Stückzahl

Die Zeca-Flex gehört zu den ungewöhnlichsten Kamerakonstruktionen der 1930er-Jahre: eine zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR), die sich wie ein klassischer Balgen-Falter kompakt zusammenfalten lässt – gedacht für Fotografen, die das komfortable Arbeiten über Mattscheibe wollten, ohne auf ein transportfreundliches Gehäuse zu verzichten. Entstanden ist dieses seltene Modell bei der Zeh-Camera-Fabrik (Paul Zeh) in Dresden; als Markenzeichen taucht „Zeca“ bereits seit den 1920er-Jahren auf.

Konstruktion: Die Besondere unter den Besonderen

Falt-TLRs im Rollfilm-Format sind insgesamt rar. Bekannt sind unter diesem Konstruktionsprinzip noch die Welta Perfekta bzw. Superfekta aus Freital sowie die „System Pilot“ der Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch (KW). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich hierbei um die einzigen Vertreterinnen dieser interessanten und konstruktiv aufwändigen Kameragattung handelt. Ziel dieses Zwitterwesens war es, die Vorzüge aus zwei damals beliebten und verbreiteten Kameragattungen zu verbinden: die komfortable Bedien- und Arbeitsweise der TLR mit dem kompakten Transportmaß der Rollfilm-Faltkamera. Hierbei hob sich die Zeca-Flex in ihrer konstruktiven Komplexität nochmals von der Mitbewerberin aus dem Welta-Werk ab:

Während sich wie bei den TLR-Kameras bei der Welta Perfekta/Superperfekta das Aufnahme- und Sucherobjektiv auf einer Platine befanden und damit beim Fokussieren gemeinsam bewegt wurden, ging man bei Zeh einen anderen Weg. Bei der Zeca-Flex klappt das Aufnahmeobjektiv samt Balgen nach vorn aus. Das Sucherobjektiv bewegt sich hingegen in einem eigens angesteuerten Tubus, der nicht Teil des Klappmechanismus ist. Diese komplizierte Lösung verfolgt das Ziel, die Sucheroptik mit einer geringeren Brennweite auszustatten als das Aufnahmeobjektiv. Dadurch kann die Sucher-Mattscheibe kleiner ausfallen als das Negativformat – und das Sucher-/Spiegelgehäuse bleibt deutlich kompakter. So entsteht im zusammengefalteten Zustand ein ungewöhnlich schlankes Paket. Gleichzeitig wird durch die geringere Brennweite der Parallaxenfehler verringert. Damit Sucherbild und Film trotz verschiedener Brennweiten gleichzeitig scharf sind, koppelte Zeh beide Optiken mechanisch: Beim Fokussieren bewegt sich das Sucherobjektiv weniger als das Aufnahmeobjektiv – die Bewegungswege sind so übersetzt, dass beide Bildebenen korrespondieren. Diese Lösung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Zeca-Flex in der Kamerageschichte, der allerdings durch einen hohen Konstruktionsaufwand und bauliche Komplexität erkauft wurde.

Objektive, Verschlüsse und Varianten

Die Kamera wurde mit verschiedenen Aufnahmeobjektiven angeboten. Am häufigsten begegnet man der Zeca-Flex mit dem Schneider Xenar 7,5 cm / 3,5 – so auch bei unserem Museumsexemplar, dessen Seriennummer auf eine Fertigung der Optik im Dezember 1937 hinweist. Weiterhin sind Modelle mit dem Schneider Radionar und dem Zeiss Tessar (beide 7,5 cm / 3.5) bekannt. Auch eine Ausführung mit dem lichtstärkeren Xenar 7,5 cm / 2.8 wurde in den vergangenen Jahren gesichtet.

Bei den Verschlüssen sind Ausführungen bot Zeh zwei Ausstattungsvarianten an, die jeweils auf die hochwertigen Compur-Verschlüsse der Firma Friedrich Deckel zurückgriffen. Mit dem Compur wurde Verschlusszeiten bis 1/250 sec. erzielt, während der schnellere (und kostenintensivere) Compur-Rapid eine kürzeste Zeit von 1/400 erzielte. Letzter ist beim hier gezeigten Museumsexemplar verbaut.

Bedienung der Zeca-Flex

Wie bei einem Balgen-Folder klappt bei der Zeca-Flex nur das Aufnahmeobjektiv nach vorn aus; die Streben verriegeln die Frontstandarte. Der Fokus erfolgt über ein seitliches Einstellrad; während unten die Aufnahmeoptik am Balgenweg arbeitet, fährt oben die Sucheroptik in einem Tubus.

Praktisch gelöst ist auch das Arbeiten über Mattscheibe: Die Zeca-Flex besitzt eine schwenkbare Lupe, die in das Suchergehäuse integriert ist – hilfreich für präzises Scharfstellen, gerade bei offener Blende.

Beim Filmtransport trifft man eine Mischung aus „klassischem“ und „modernerem“ Bedienkonzept: Für das erste Bild wird der Film (wie bei vielen Rollfilmkameras) über das Rotfenster positioniert; anschließend unterstützt ein Zählwerk den weiteren Ablauf. Von Varianten ist zudem bekannt, dass das Rotfenster unterschiedlich abgedeckt sein kann (z. B. als Schieber oder Klappe).

Bedeutung des Modells

Die Kameragattung der Falt-TLRs blieb ein kurzlebiges Nischenprodukt, da die Nachfrage nach den Modellen äußerst moderat war. Erklärt werden könnte dies mit dem vergleichsweise hohen Preis, der für diese aufwendigen Modelle aufgerufen werden musste. So blieben diese interessanten Kameras ein Phänomen der späten Dreißiger, die nach geringen Stückzahlen wieder eingestellt wurden.

Während Kadlubek das Herstellungsjahr mit 1935 benennt, deuten die bekannten Objektivnummern daraufhin, dass die Produktion der Zeca-Flex im Jahr 1937 begann und auch nicht wesentlich darüber hinaus reichte. Die Anzahl der hergestellten Exemplare ist nicht bekannt, jedoch aufgrund der heutigen Seltenheit als gering einzuschätzen.