Die Exakta II, häufig auch als Kine Exakta II bezeichnet, wurde von der Dresdner Firma Ihagee in den Jahren 1949 bis 1950 produziert. Sie stellt die direkte Weiterentwicklung der berühmten Kine Exakta von 1936 dar – der weltweit ersten in Serie gefertigten einäugigen Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Diese wurde durch die Ihagee seit 1946 wieder produziert.
Die Exakta II gehört damit zu den frühen Nachkriegsmodellen und markiert den Übergang von der Vorkriegskonstruktion hin zu den späteren, weiterentwickelten Exakta-Varianten. Sie ist eine mechanische Kleinbild-Spiegelreflexkamera für das Format 24 × 36 mm und zeichnet sich durch ihre charakteristische Bauweise mit Lichtschachtsucher und frontseitigem Auslöser aus.
Konstruktive Merkmale
Die Exakta II basiert konstruktiv weitgehend auf der Kine Exakta, übernimmt jedoch verschiedene Detailverbesserungen der Nachkriegsfertigung. Typisch sind:
- Einäugige Spiegelreflexkamera (SLR) für Kleinbildfilm (135) im Metallgehäuse
- Wechselobjektivsystem mit Exakata-Bajonett (gleich der Kine Exakta)
- Gekoppelter Filmtransport und Verschlussaufzug
- Schwingspiegel, der mit dem nächsten Filmtransport/Verschlussaufzug in seine Ausgangsposition zurückgeführt wird
- fest eingebauter Lichtschachtsucher mit Mattscheibe (seitenverkehrtes Sucherbild)
- Frontseitig angeordneter Auslöser links neben dem Objektiv – ein markantes Merkmal aller Exakta-Kameras
Objektiv und Verschluss
Die Exakta II verwendet das charakteristische Exakta-Bajonett, das eine große Auswahl an Wechselobjektiven ermöglichte. Diese wurden nicht von Ihagee selbst hergestellt, sondern u. a. von Herstellern wie Carl Zeiss Jena, Meyer-Optik Görlitz oder Schneider Kreuznach geliefert. Das hiergezeigte Ausstellungsstück ist mit einem Carl Zeiss Jena Tessar 1:3.5 / 5 cm ausgestattet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Kamera 1949/50 mit genau diesem Objektiv ausgeliefert wurde, da es sich um eine typische Bestückung handelt und die Seriennummer der Linse auf einen identischen Produktionszeitraum hinweist.
Wie bereits bei der Kine Exakta kommt ein horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss zum Einsatz. Die Exakta zeichnet sich durch eine für damalige Verhältnisse sehr lange Belichtungsreihe von 12 Sekunden bis 1/1.000 Sekunde aus. Die Langzeiten wurden dabei mit einem separaten Zeitenrad auf der linken Gehäuseoberseite gewählt, während die Kurzzeiten (1/25 – 1/1.000) sowie B und Z am originären Zeitenrad auf der rechten Seite eingestellt wurden. Das Langzeitenrad diente gleichzeitig der Einstellung des Vorlaufwerks.
Weitere Ausstattungsmerkmale und Besonderheiten
Neben den genannten konstruktiven Grundeigenschaften weist die Exakta II folgende Merkmale auf:
- Mechanischer Filmtransport mit Bildzählwerk und separaten Bedienelementen für Vor- und Rücklauf
- Blitzanschluss für Vacublitzgerät
- abnehmbarer Kamerarücken (noch nicht klappbar)
- integrierter Filmschneider, mit dem der eingelegte Film hinter der Patrone gekappt und anschließend (in der Dunkelkammer) entnommen werden konnte
Bedeutung und Einordnung des Exponats
Die Exakta II führt das Konzept der Kine Exakta fort, die als Begründerin der modernen Kleinbild-Spiegelreflexkamera gilt. Die Veränderungen zum Vorgängermodell sind überschaubar und stellen eine reine Fortentwicklung dar, ohne nennenswerte konstruktive Neuerungen vorzuweisen. Das bereits 1950 auf den Markt gebrachte Nachfolgemodell Exakta Varex brachte hingegen den technischen Sprung und führte insbesondere das Wechselsuchersystem ein. Die Exakta II nimmt damit innerhalb der Kamerageschichte eher eine Scharnierfunktion ein. Sie gehört zu den ersten Nachkriegsmodellen der Dresdner Kameraindustrie und dokumentiert den Wiederau nach 1945.