Zeiss Ikon – Contax II

Kategorie Fotokamera
Bauart Messsucherkamera
Epoche Zwischenkriegszeit (1919 - 1939)
Hersteller Zeiss Ikon
Firma Zeiss Ikon AG
Marke Zeiss Ikon
Modell Contax II
Filmformat Kleinbild 24 x 36 mm
Objektiv Carl Zeiss Jena Sonnar 1:2.0 / 50 mm
Objektivanschluss Contax-Bajonett
Verschluss Metalllamellen-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten T, B, 1 - 1/1.1250
Produktionsbeginn 1936
Produktionsende ca. 1940 (nach dem Krieg kurzzeitig bei Carl Zeiss Jena hergestellt sowie von Zeiss Ikon Stuttgart als Contax IIa weitergeführt)
Beschreibung —

Die Contax II wurde 1936 von der Zeiss Ikon AG, Dresden, als grundlegend überarbeitete Nachfolgerin der seit 1932 gebauten ersten Contax vorgestellt. Innerhalb des umfangreichen Zeiss-Ikon-Programms nahm sie die Rolle einer technisch aufwendigen Kleinbild-Systemkamera für gehobene Ansprüche und den professionellen Einsatz ein. Herstellerintern trug sie die Modellnummer 543/24. Sie verwendete Kleinbildfilm 35 mm für das Aufnahmeformat 24 × 36 mm und besaß Wechselobjektive mit Contax-Bajonett.

Die Markteinführung erfolgte zur Leipziger Frühjahrsmesse 1936. Als maßgeblicher Konstrukteur der neuen Generation gilt Hubert Nerwin. Während die erste Contax technisch ehrgeizig, konstruktiv jedoch kompliziert und während ihrer Produktionszeit mehrfach verändert worden war, stellte die Contax II eine wesentlich ausgereiftere Neukonstruktion dar. Sie wurde zusammen mit der Contax III vorgestellt, die konstruktiv weitgehend der Contax II entsprach, zusätzlich aber einen eingebauten photoelektrischen Belichtungsmesser besaß.

Die reguläre Fertigung begann 1936. Für ihr Ende finden sich unterschiedliche Angaben: Häufig wird 1942, in der Contax-Spezialliteratur und anhand später Seriennummernblöcke auch 1943 genannt. Späte Kameras mit dem Kennbuchstaben „O“ werden dem Jahr 1943 zugerechnet.

Konstruktive Merkmale

Die herausragende Neuerung der Contax II war die Zusammenfassung von Sucher und gekuppeltem Entfernungsmesser in einem gemeinsamen Einblick. Bei der ersten Contax und auch bei den damaligen Schraubleicas musste zum Scharfstellen und zur Bildgestaltung noch zwischen getrennten Einblicken gewechselt werden. Bei der Contax II konnte der Fotograf dagegen gleichzeitig das Motiv betrachten und im selben Sucherbild die Entfernung einstellen. Damit gehört sie zu den entscheidenden Wegbereitern der modernen Messsucherkamera; insbesondere als hochwertige Kleinbild-Systemkamera war diese Lösung 1936 ein erheblicher ergonomischer Fortschritt.

Der Entfernungsmesser verfügte über eine ungewöhnlich große Messbasis, was insbesondere bei lichtstarken Objektiven und längeren Brennweiten eine präzise Fokussierung ermöglichte. Die Entfernung wurde entweder am Objektiv oder über das charakteristische Fokussierrad auf der Kameraoberseite eingestellt. Diese Konstruktion war eng mit dem inneren Bajonett der Normalobjektive gekoppelt.

Kennzeichnend war außerdem das Contax-Doppelbajonett. Normalobjektive wurden im inneren Bajonett befestigt; für größere und schwerere Wechselobjektive stand ein äußeres Bajonett zur Verfügung. Anders als der Schraubanschluss zeitgenössischer Leica-Kameras erlaubte das Bajonett einen besonders schnellen Objektivwechsel. Das System war bereits mit der ersten Contax eingeführt worden und wurde bei der Contax II weiterverwendet.

Das robuste Metallgehäuse besaß eine abnehmbare Kombination aus Rückwand und Bodenplatte. Zum Filmeinlegen wurde somit ein großer Teil der Gehäuserückseite entfernt, wodurch Filmführung und Spulen gut zugänglich waren. Ein automatisches Bildzählwerk, Zubehörschuh und Selbstauslöser gehörten ebenfalls zur Ausstattung.

Objektiv und Verschluss

Die Contax II war von Beginn an nicht als Kamera mit einem bestimmten Objektiv, sondern als umfangreiches fotografisches System konzipiert. Zum Angebot gehörten verschiedene Carl-Zeiss-Jena-Objektive, darunter als Normalbrennweiten Tessare und vor allem die von Ludwig Bertele entwickelten Sonnare. Besonders bedeutend waren das Sonnar 1:2 f=5 cm, mit welchem auch das hiergezeigte Museumsexemplar ausgestattet ist, und das außergewöhnlich lichtstarke Sonnar 1:1,5 f=5 cm. Hinzu kamen einige Weitwinkel- und Teleobjektive; 1936 stand beispielsweise bereits das neu gerechnete Biogon 1:2,8 f=3,5 cm zur Verfügung, das als modernes Weitwinkelobjektiv selbst einen Meilenstein der Fotografiegeschichte verkörpert. Das Objektivprogramm erstreckte sich darüber hinaus bis zu ausgeprägten Telebrennweiten und machte die Contax zu einer echten Systemkamera.

Besonders eigenständig war der vertikal ablaufende Schlitzverschluss aus Metalllamellen. Statt der bei Leica verwendeten horizontal laufenden Tuchvorhänge besaß die Contax zwei aus gelenkig miteinander verbundenen Metallleisten aufgebaute Verschlussvorhänge. Die Konstruktion erinnerte in ihrem Aufbau an einen kleinen Rolladen. Die vertikale Bewegung verkürzte den vom Verschluss zurückzulegenden Weg über das Bildfenster und ermöglichte eine für die Zeit außergewöhnlich kurze nominelle Belichtungszeit von 1/1.250 Sekunde.

Bei der Contax II standen je nach Ausführung Belichtungszeiten von 1/2 bis 1/1.250 Sekunde sowie B und T zur Verfügung. Die Einstellung erfolgte zentral über das Verschlusszeitenrad. Die Metallkonstruktion bot gegenüber Tuchvorhängen unter anderem eine größere Unempfindlichkeit gegen Beschädigungen durch konzentriertes Sonnenlicht, war mechanisch jedoch erheblich aufwendiger. Gerade der Verschluss gehört deshalb bis heute zu den technisch charakteristischsten Bauteilen der frühen Contax-Kameras.

Ausstattungsmerkmale und Varianten

Im Gegensatz zur ersten Contax, die während ihrer kurzen Bauzeit in zahlreichen konstruktiv abweichenden Ausführungen erschien, blieb die Grundkonstruktion der Contax II über ihre Fertigungszeit vergleichsweise konstant. Änderungen betreffen vor allem kleinere konstruktive Details und die laufende Fertigung. Eine klare Folge eigenständig vermarkteter Modellvarianten existiert deshalb bei der Contax II nicht.

Die wichtigste Parallelversion war die Contax III, Modell 544/24. Sie basierte auf derselben Kamera, erhielt jedoch oberhalb des Gehäuses einen integrierten Selen-Belichtungsmesser. Dadurch fiel sie deutlich höher aus. Der Belichtungsmesser war nicht automatisch mit Verschlusszeit und Blende gekoppelt; seine Messung musste vom Fotografen auf die Kameraeinstellungen übertragen werden.

Ein umfangreiches Zubehörprogramm unterstrich den Systemgedanken. Neben Wechselobjektiven wurden unter anderem Zusatzsucher, Filter, Gegenlichtblenden, Nahaufnahme- und Reproduktionszubehör sowie Einrichtungen für wissenschaftliche und technische Aufnahmen angeboten.

Bedeutung und Einordnung des Exponats

Die Contax II gehört zu den bedeutendsten deutschen Kleinbildkameras der 1930er Jahre. Zeiss Ikon hatte sich mit der ersten Contax 1932 bewusst als Konkurrent zu Leitz und dessen Leica im schnell wachsenden Kleinbildmarkt positioniert. Mit der Contax II gelang es dem Dresdner Unternehmen, zahlreiche technisch ambitionierte Ansätze der Vorgängerin in einer wesentlich ausgereifteren Kamera zusammenzuführen. Das gemeinsame Sucher- und Entfernungsmesserbild, die große Messbasis, das Wechselobjektiv-Bajonett, der Metalllamellenverschluss mit 1/1.250 Sekunde und das außergewöhnlich umfangreiche Objektivprogramm machten sie zu einer der technisch fortschrittlichsten Kleinbild-Systemkameras ihrer Zeit.

Sie war zugleich ein Spitzenprodukt der Zeiss Ikon AG. Das Unternehmen, das erst 1926 aus dem Zusammenschluss von ICA, Contessa-Nettel, Ernemann und Goerz hervorgegangen war, konnte mit der Contax demonstrieren, welche konstruktiven Möglichkeiten sich aus der Verbindung des Dresdner Kamerabaus mit der optischen Kompetenz von Carl Zeiss Jena ergaben. Die Kamera stand damit weniger für hohe Stückzahlen als für technische Leistungsfähigkeit, Präzisionsfertigung und den Anspruch, im professionellen Kleinbildsegment international an der Spitze zu stehen.

Ihre Bedeutung reicht weit über die eigentliche Produktionszeit hinaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Konstruktion, Fertigungsmittel und Know-how der Dresdner Contax-Produktion im Rahmen der sowjetischen Reparationsleistungen genutzt, um in der Sowjetunion die Kiev-Messsucherkameras aufzubauen. Die frühen Kiev II und III stehen konstruktiv unmittelbar in der Tradition der Contax II und III; das Grundprinzip wurde dort über Jahrzehnte weiterproduziert.

In Westdeutschland griff die neu aufgebaute Zeiss Ikon AG Stuttgart die Tradition 1950 mit der Contax IIa wieder auf. Diese sah ihrer Vorgängerin ähnlich und behielt unter anderem das Objektivbajonett bei, war konstruktiv jedoch eine weitgehend neue, kompaktere Kamera. Die Bezeichnung „IIa“ darf deshalb nicht als bloße Modellpflege der Dresdner Contax II verstanden werden.

Für die Geschichte des sächsischen Kamerabaus stellt die Contax II ein besonders aussagekräftiges Exponat dar: Sie verkörpert den Höhepunkt des Dresdner Präzisions-Kleinbildkamerabaus unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg und verbindet die Geschichte von Zeiss Ikon mit Entwicklungen, deren konstruktive Spuren nach 1945 sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland und in der sowjetischen Kameraindustrie weiterwirkten.