Die Zeiss Ikon Ideal 225 ist eine hochwertige Laufboden- und Plattenkamera für das Aufnahmeformat 9 × 12 cm. Das hier vorgestellte Exemplar wurde 1927 gefertigt und stammt damit aus der unmittelbaren Frühzeit der 1926 gegründeten Zeiss Ikon AG. Seine Konstruktion ist allerdings älter: Die Ideal gehörte ursprünglich zum Programm der Dresdner Internationale Camera Actiengesellschaft (ICA), die 1926 gemeinsam mit Ernemann, Contessa-Nettel und C. P. Goerz in der neuen Zeiss Ikon AG aufging. Dort erschien die Kamera als ICA Ideal 225 im Jahr 1923.
Zeiss Ikon übernahm zunächst zahlreiche bewährte Kameramodelle seiner Vorgängerunternehmen. Dazu gehörte auch die Ideal 225, die anfangs noch unter ihrer bisherigen Modellbezeichnung angeboten wurde. Erst bei einer späteren Vereinheitlichung der Typenbezeichnungen wurde die 9×12-Ausführung der Ideal als 250/7 geführt. Das Exponat gehört somit zu den frühen Zeiss-Ikon-Kameras, an denen die konstruktive Kontinuität zwischen den Vorgängerfirmen und dem neuen Großunternehmen besonders deutlich wird.

Mit ihrem doppelten Balgenauszug, den umfangreichen Verstellmöglichkeiten und der Mattscheibeneinstellung war die Ideal 225 deutlich anspruchsvoller ausgestattet als einfache Platten- und Laufbodenkameras ihrer Zeit. Das Exponat besitzt zudem mit dem Carl Zeiss Jena Tessar 1:4,5/15 cm im Compur-Verschluss eine hochwertige Objektiv-Verschluss-Kombination.
Konstruktive Merkmale
Die Ideal 225 ist als klassische Laufbodenkamera konstruiert. Für den Transport lassen sich Objektivstandarte und Balgen vollständig in das kompakte, lederbezogene Metallgehäuse einschieben. Nach dem Öffnen bildet der nach vorn beziehungsweise unten geklappte Gehäusedeckel den Laufboden, auf dessen Führungsschienen die Objektivstandarte ausgezogen wird.
Die Entfernung konnte entweder anhand einer Entfernungsskala eingestellt oder unmittelbar auf der Mattscheibe kontrolliert werden. Letzteres ermöglichte eine besonders präzise Bestimmung von Schärfe und Bildausschnitt. Für schnellere Aufnahmen standen zusätzlich Suchereinrichtungen zur Verfügung.
Ein wesentliches Merkmal der Ideal ist ihr doppelter Balgenauszug. Gegenüber einfacheren Laufbodenkameras lässt sich die Objektivstandarte dadurch erheblich weiter von der Filmebene entfernen. Dies erweitert den nutzbaren Einstellbereich und ermöglicht insbesondere Aufnahmen aus geringer Entfernung. Die zeitgenössische Gebrauchsanweisung verweist außerdem auf die Verwendung optischer Vorsätze wie der Zeiss-Distar-Linsen.
Bemerkenswert sind die für eine zusammenklappbare Reisekamera umfangreichen Verstellmöglichkeiten der Objektivstandarte. Das Objektiv kann gegenüber der Aufnahmeebene vertikal und seitlich verschoben werden. Damit lässt sich der Bildausschnitt verändern, ohne die gesamte Kamera entsprechend neigen zu müssen. Besonders bei Architekturaufnahmen war dies von Vorteil, da beispielsweise ein höher gelegener Bildausschnitt erfasst werden konnte, während die Filmebene senkrecht blieb.
Auch der Laufboden selbst lässt sich absenken beziehungsweise in seiner Stellung verändern. Diese Konstruktion verhindert insbesondere bei stärkerer Verschiebung des Objektivs, dass der Laufboden in den Bildwinkel hineinragt. Zusammengenommen verleihen diese Einrichtungen der Ideal einen für eine Klappkamera ungewöhnlich großen gestalterischen Spielraum und rücken sie funktional in die Nähe kleiner Fachkameras.

Objektiv und Verschluss
Das Exponat ist mit einem Carl Zeiss Jena Tessar 1:4,5/15 cm ausgestattet. Das Tessar war bereits in den 1920er Jahren eines der bekanntesten Qualitätsobjektive von Carl Zeiss. Die Brennweite von 15 cm ist für das Aufnahmeformat 9 × 12 cm etwas länger als die typische Normalbrennweite von 13,5 cm. Zusammen mit der für eine großformatige Kamera der Zeit beachtlichen Anfangsöffnung von 1:4,5 bildete das Tessar eine hochwertige und vielseitig einsetzbare Ausstattung.
Das Objektiv sitzt in einem Compur-Zentralverschluss. Der von der Münchner Firma Friedrich Deckel gefertigte Compur bot in der hier zum Einsatzkommenden Ausführung Verschlusszeiten zwischen einer und 1/200 Sekunde sowie die Langzeitzmodi B und T.
Die gezeigte Objektiv-Verschluss-Kombination war die hochwertigste Ausstattungsvariante der Ideal 225. Die Kamera wurde mit verschiedenen Objektiven und Verschlüssen angeboten. Dies entsprach der damaligen Praxis bei höherwertigen Plattenkameras: Der Käufer konnte die Kamerakonstruktion mit einer seinem Anspruch und Budget entsprechenden optischen Ausstattung kombinieren. Bei Zeiss Ikon beschränkte sich aufgrund der vertraglichen Vorgaben des Mutterkonzerns die Auswahl in aller Regel auf Optiken von Carl Zeiss Jena und Verschlüsse von Deckel und Gauthier.
Eine Besonderheit der Ideal ist zudem die auswechselbare Objektiv-Verschluss-Einheit. Die komplette Einheit kann von der Objektivstandarte gelöst werden. Damit war die Kamera grundsätzlich für die Verwendung unterschiedlicher Objektive geeignet und bot eine Flexibilität, die bei einfacheren Amateurkameras keineswegs selbstverständlich war.

Weitere Ausstattungsmerkmale und Besonderheiten
Für die sorgfältige Bildgestaltung dient die Mattscheibe an der Kamerarückseite. Vor der Aufnahme wurde dort das vom Objektiv erzeugte Bild betrachtet und scharfgestellt; anschließend trat an ihre Stelle die mit Platte beziehungsweise Planfilm bestückte Kassette.
Für Aufnahmen ohne Mattscheibenkontrolle besitzt die Ideal zusätzlich einen Brillantsucher. Daneben gehörte ein ausklappbarer Rahmensucher zur Ausstattung. Damit konnte die Kamera auch wesentlich schneller eingesetzt werden, als es die klassische Arbeitsweise mit Einstelltuch, Mattscheibe und Einzelkassette vermuten lässt.
Charakteristisch ist außerdem das rückwärtige Kassetten-Anlegesystem. Die Plattenkassette wird nicht lediglich in einen einfachen Falz eingeschoben, sondern an der Kamerarückseite angesetzt und dort fixiert. Für die Ideal existierten entsprechende Kassetten für Glasplatten; mit geeigneten Einsätzen beziehungsweise Kassetten konnten auch andere zeitgenössische Aufnahmematerialien verwendet werden.
Die zeitgenössische Gebrauchsanweisung berücksichtigt sogar Unterschiede zwischen verschiedenen Aufnahmematerialien. Da sich die Lage der lichtempfindlichen Schicht bei Platte und Filmpack geringfügig unterscheiden konnte, ließ sich die Entfernungsskala entsprechend anpassen. Solche Details verdeutlichen den Anspruch der Ideal als vielseitiges Präzisionsgerät.
Die Ideal wurde nicht nur im Format 9 × 12 cm angeboten. Innerhalb der Baureihe existierten verschiedene Formate und Ausstattungsvarianten. Auch nach der Übernahme durch Zeiss Ikon blieb das Grundkonzept erhalten und wurde unter veränderten Typenbezeichnungen noch mehrere Jahre weitergeführt.
Bedeutung und Einordnung des Exponats
Die Ideal 225 ist ein besonders anschauliches Beispiel für die Kontinuität des Dresdner Kamerabaus während der Gründung von Zeiss Ikon. Die 1926 entstandene Zeiss Ikon AG war kein Unternehmen, das mit einem völlig neuen Kameraprogramm begann. Vielmehr führte sie zunächst zahlreiche Konstruktionen ihrer vier Vorgängerfirmen fort. Erst schrittweise wurden deren Programme bereinigt, vereinheitlicht und durch neue Modellreihen ersetzt. Das 1927 gefertigte Museumsexemplar dokumentiert diese Übergangsphase unmittelbar. Obwohl bereits der Name Zeiss Ikon auf der Kamera steht, stammt ihre technische Konzeption noch aus der ICA-Tradition.
Zugleich gehört die Ideal zu den besonders ausgereiften Vertretern der klassischen Plattenkamera. Doppelauszug, verschiebbare Objektivstandarte, verstellbarer Laufboden und Wechselobjektivaufnahme boten dem Fotografen Möglichkeiten, die weit über die Ausstattung einfacher Amateurkameras hinausgingen. In Verbindung mit den hochwertigen Objektiv- und Verschlussbestückungen entstand ein vielseitiges und hochwertiges fotografisches Werkzeug.
Aus heutiger Sicht steht die Ideal zugleich an einer technologischen Schwelle. Noch beruhte ihr Arbeitsprinzip auf der Tradition der großformatigen Plattenkamera des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bereits wenige Jahre später gewannen jedoch kompaktere Rollfilm- und Kleinbildkameras stark an Bedeutung. Gerade Zeiss Ikon gehörte mit Modellen wie Ikonta, Super Ikonta und Contax zu den Unternehmen, die diesen Wandel maßgeblich mitgestalteten.
Die Ideal 225 von 1927 verkörpert daher sowohl einen Höhepunkt der klassischen Plattenkamera als auch die Frühphase eines Unternehmens, das den deutschen Kamerabau der folgenden Jahrzehnte entscheidend prägen sollte.