
Die Icarette I (495) wurde ab 1912 von der Internationale Camera Actiengesellschaft in Dresden als besonders kompakte 6×6-Rollfilmkamera vorgestellt. Sie gehört zu den frühen Laufboden-Faltkameras im Westenformat und war gezielt für den mobilen Einsatz gedacht. Der ICA-Katalog des Jahres 1912 beschreibt sie als handliche Kamera mit einem Gewicht von nur etwa 350 Gramm und kompakten Maßen von 12,5 x 2,5 x 7,5 cm, die aufgrund ihrer „gefällige[n] Bauart, die sich besonders durch ihre abgerundeten Formen hervorhebt“, bequem bedient und unauffällig bei sich getragen werden könne.
Kennzeichnend für die Konstruktion sind der klappbare Laufboden, der ausziehbare Lederbalgen und die Hebelfokussierung der Frontstandarte. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und mit einer schwarzen Rindslederimitation bezogen.
Die Icarette I wurde mit unterschiedlichen Objektiv- und Verschlusskombinationen angeboten. Das hier gezeigte Museumexemplar ist mit dem hauseigenen Doppel-Anastigmat „Hekla“ 1:6.8 / 7,5 cm ausgestattet. Nachweisbar sind diverse weitere Linsen mit einer Brennweite von 75mm, unter anderem das Helios 1:8, Novar 1:6.8 und Maximar 1:6.8 aus dem Hause ICA. Carl Zeiss Jena lieferte u.a. Tessare in selbiger Brennweite mit den Öffnungsverhältnissen 1:6.3, 1:4.7 und 1:4.5.
Das Exponat ist mit einem „ICA Automat X“-Verschluss versehen. Der Selbstspanner deckt die Zeiten 1/25, 1750 und 1/100 (zzgl. Z, B) ab und kam in verschiedensten ICA-Kameras der Epoche als günstige und zweckmäßige Einstiegsausstattung zum Einsatz. Im Erscheinungsjahr 1912 wurde die Icarette (495) alternativ mit dem hochwertigeren und 20 Mark teureren Kompound-Sektorenverschluss der Firma F. Deckel München angeboten, der Zeiten von einer bis 1/250 Sekunden ermöglichte. Später kam der Compur des gleichen Herstellers und der Selbstspannverschluss Derval (Gauthier Calmbach) hinzu.
Zur Bildkontrolle besitzt die Kamera zwei Suchersysteme: einen Brillantsucher und einen Iconometer-Rahmensucher. Die Rückwand ist abnehmbar; der Filmtransport wird über ein rotes Sichtfenster kontrolliert. Eine herausziehbare Lasche auf der Rückseite übernimmt dabei je nach Stellung mehrere Funktionen und gehört zu den pfiffigen konstruktiven Details dieses Modells: Halb ausgezogen gab sie den Blick auf das Filmfenster frei. Hingegen vollständig herausgezogen bildet das Loch im oberen Riegel das passende Diopter zum Rahmensucher. Gebaut wurde die ICA Icarette I (495) bis 1925; auch nach der Zeiss-Ikon-Gründung lebte die Grundkonstruktion in Nachfolgemodellen weiter, die bis 1934 vom Band liefen. Das hier gezeigte Exponat ist ausweislich der Seriennummer (E 34219) in etwas auf den Zeitraum 1916 bis 1918 zu datieren. Für die Ausstattungsvariante wurden 65 Mark (laut Katalog von 1916) fällig. (Der durchschnittliche Monatslohn lag in der damaligen Zeit bei etwa 100 Mark.)