Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Die Firma Gebrüder Huth gehört zu jenen Dresdner Photounternehmen, die heute weniger bekannt sind als die großen Namen Ernemann, Hüttig oder später Ihagee, die aber dennoch ein wichtiges Kapitel der sächsischen Fotoindustrie mitgeschrieben haben. Nach heutigem Forschungsstand wurde die Photographische Manufaktur Gebrüder Huth 1886 in Dresden von den Brüdern Theodor Hermann Huth und Robert Adolph Walter Huth gegründet. Entsprechend des zugehörigen Handelsregisterauszugs existierte das Unternehmen (zumindest rechtlich) bis 1937.

Die Anfänge des Hauses Huth lagen nicht allein im Kamerabau. Verschiedene Quellen beschreiben die Firma zunächst als Handelshaus für photographische Artikel, das sein Geschäft um eine eigene Produktion erweiterte. Augenscheinlich ist, dass Huth unter seinem Firmennamen neben eigengefertigten Kameras auch Produkte weiterer Hersteller vertrieb. Diese heute als „OEM“ bezeichnete Vorgehensweise war in der Branche zum damaligen Zeitpunkt verbreitet (z.B. Hugo Stöckig Dresden/Bodenbach). Leider sind heute kaum belastbare Informationen verfügbar, die einen Überblick über die Produktpalette der Firma, selbst- und fremdproduzierte Kameras oder gar deren Stückzahlen liefern. Bei Kadlubeck werden lediglich drei Modelle (13×18-Kameras) dem Hersteller Huth zugeschrieben. Allerdings bleibt in Zweifel zu ziehen, dass diese Auflistung als abschließend zu betrachten ist.

Besser dokumentiert ist ein wichtiges Standbein der Firma im Bereich der fotografischen Bedarfsmittel. Bereits ab 1889 ist eine Albuminpapierfertigung nachweisbar; ab 1890 trat diese unter der Bezeichnung „Sächsische Albuminpapierfabrik Gebrüder Huth“ hervor. Damit bewegte sich das Unternehmen in einem Feld, das für die frühe Fotografie von großer Bedeutung war: Nicht nur die Kamera selbst, sondern auch empfindliche Materialien, Papiere und Zubehör entschieden über die Qualität des fertigen Bildes. Dass Gebrüder Huth in diesem Bereich tatsächlich wahrgenommen wurde, belegt auch die zeitgenössische Fachpresse. In der „Photographischen Korrespondenz“ werden von Gebrüder Huth in Dresden präparierte Albuminpapiere ausdrücklich erwähnt; die dazu gezeigten Abzüge hätten, so der Bericht, ein gutes Zeugnis für die ausgestellte Papiersorte abgelegt. Solche Hinweise sind für die Firmengeschichte besonders wertvoll, weil sie zeigen, dass Huth nicht nur im lokalen Handel sichtbar war, sondern auch im fachlichen Umfeld der damaligen Fotobranche Beachtung fand.

Ende der 1890er Jahre trat dann stärker der Kamerabau hervor. In den verfügbaren Firmenübersichten wird beschrieben, dass die Kamerafertigung in der Photographischen Manufaktur Gebrüder Huth in der Saxoniastraße aufgenommen wurde. Daneben blieb das Haus offenbar weiterhin Händler: Mehrere Quellen weisen darauf hin, dass Huth neben eigenen Erzeugnissen ebenso hochwertige Fototechnik und Zubehör anderer Hersteller vertrieb. Das war in der damaligen Fotoindustrie nicht ungewöhnlich. Viele Unternehmen kombinierten Werkstatt, Handel, Reparatur und Zubehörverkauf unter einem Dach. Der Hinweis auf die Fertigung der Albuminpapiere wurde im Jahr 1899 aus dem Firmennamen getilgt, sodass davon ausgegangen werden darf, dass dies zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt war. Dies deckt sich mit der generellen Entwicklung dieses Marktes zur Jahrhundertwende, die von einem Zusammenschluss bzw. Verschwinden kleinerer Fotopapierhersteller geprägt war.

Für die technische Ausrichtung des Unternehmens spricht zudem ein in der Fachzeitschrift „Der Mechaniker“ verzeichneter Patenteintrag auf Gebrüder Huth, Dresden. Dort wird ein pneumatischer Jalousieverschluss für Zeit- und Momentaufnahmen genannt. Auch wenn aus einem einzelnen Patent noch kein vollständiges Bild des Produktionsprogramms entsteht, zeigt dieser Hinweis doch, dass sich die Firma nicht auf reinen Handel beschränkte, sondern an der Weiterentwicklung fotografischer Verschlusstechnik beteiligt war. In derselben Fachpresse erscheinen außerdem Hinweise auf von Huth eingesandte Preislisten, was die aktive Marktpräsenz des Unternehmens zusätzlich unterstreicht.

Die Geschichte der Firma war eng mit der Familie Huth verbunden. Nach dem Tod von Theodor Hermann Huth im Jahr 1906 führte sein Bruder Robert Adolph Walter Huth das Unternehmen weiter. Für die folgenden Jahre ist zudem Bertha Huth greifbar: Sie besaß nach vorliegenden Angaben seit November 1908 Prokura und übernahm nach dem Tod ihres Mannes 1914 die Leitung des Betriebs. Damit gehört Gebrüder Huth auch zu den Dresdner Fotounternehmen, in denen eine Unternehmerwitwe die Geschäfte über längere Zeit fortführte – ein in der Industriegeschichte keineswegs seltener, aber oft zu wenig beachteter Umstand. Das Ende der Firma wird auf 1937 datiert; nach dem Tod Bertha Huths sei der Betrieb geschlossen worden. Hierfür spricht auch der Handelsregistereintrag, der die Löschung der Gesellschaft in dem Jahr dokumentiert.

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

Der Name Pentacon steht bis heute für ein bedeutendes Kapitel der Dresdner Kameraindustrie. Seine Wurzeln reichen in die traditionsreiche Feinmechanik- und Optiklandschaft der Stadt zurück, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den wichtigsten Zentren des deutschen Kamerabaus gehörte. Nach 1945 wurden zahlreiche Betriebe der Branche in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und schrittweise in volkseigene Strukturen überführt. Aus Teilen der ehemaligen Zeiss-Ikon-Werke sowie weiteren Dresdner Kamerabetrieben entstand zunächst der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. 1964 erhielt der Betrieb schließlich den Namen VEB Pentacon Dresden. Der Markenname leitete sich von „Pentaprisma“ und „Contax“ ab und verwies damit zugleich auf technische Innovation und Dresdner Tradition.

Pentacon wurde in der DDR zu einem der bekanntesten Hersteller fotografischer Geräte. Besondere Berühmtheit erlangte das Unternehmen mit den Spiegelreflexkameras der Marke Praktica, die auf Entwicklungen der früheren Kamera-Werke Niedersedlitz aufbauten. Hinzu kamen Modelle wie die Pentacon Six, die Penti, die Pentina oder die Pentacon Super. Vor allem die Praktica-Kameras wurden in großen Stückzahlen gefertigt und in viele Länder exportiert. Damit war Pentacon nicht nur ein wichtiger Industriebetrieb in Dresden, sondern auch eines der international sichtbarsten Unternehmen des DDR-Kamerabaus. Im Laufe der Jahre wurde Pentacon zudem in größere Strukturen der DDR-Optikindustrie eingegliedert: 1968 entstand das Kombinat VEB Pentacon Dresden, 1985 ging dieses wiederum im Kombinat Carl Zeiss Jena auf.

Technisch und kulturgeschichtlich ist Pentacon vor allem deshalb bedeutsam, weil sich in seinen Produkten mehrere Linien der Dresdner Kamerageschichte bündelten. Einerseits lebte die Tradition der frühen Spiegelreflexkamera weiter, für die Dresden bereits seit der Vorkriegszeit berühmt war. Andererseits stand Pentacon für die Industrialisierung des Kamerabaus in der DDR: robuste, bezahlbare und oft exportorientierte Modelle prägten das Bild des Unternehmens. Die Praktica wurde über Jahrzehnte zu einem festen Begriff für Amateur- und anspruchsvolle Freizeitfotografie. Nach heutigem Kenntnisstand wurden von 1948 bis 2001 rund neun Millionen Praktica-Kameras gebaut – eine Zahl, die die enorme Reichweite dieser Marke eindrucksvoll verdeutlicht.

Mit der deutschen Einheit begann für Pentacon eine tiefgreifende Umbruchphase. Wie viele ehemalige DDR-Betriebe musste sich auch der Dresdner Kamerahersteller unter marktwirtschaftlichen Bedingungen neu aufstellen. Der volkseigene Betrieb endete zum 1. Juli 1990 und wurde in diePentacon GmbHumgewandelt. Mit der Währungsreform, die am selben Tag in Kraft trat, war Pentacon – wie viele Ostbetriebe – nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produktionskosten überstiegen, die erzielbaren Verkaufserlöse nun spürbar, da der Währungsvorteil im Export über Nacht wegbrach. Bereits zum 02.10.1990 meldete die Treuhand die Liquidation der Pentacon GmbH an, was das Ende des Großbetriebs in seiner bisherigen Form bedeutete. Die Pentacon GmbH i.L. wurde von Heinrich Mandermanns Gruppe Schneider Kreuznach von der Treuhand erworben. Mandermann hatte als Importeur gute Beziehungen zum Dresdner Betrieb. Unter Schneider wurde die Praktica BX20s noch bis 2001 vertreiben (die Fertigung endete vermutlich 2000). Im Jahr 1997 firmierte das Unternehmen in Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik um, was die Verschiebung zu anderen Tätigkeitsfeldern im Bereich der Präzisionstechnik innerhalb einer optischen Unternehmensgruppe symbolisierte. Parallel zur auslaufenden Fertigung der Praktica BX20s fertigte Pentacon u.a. Scantechnik. Auch wurden Kompaktkameras aus fernost importiert und unter der Marke Pentacon vertrieben. Im Jahr 2024 wurde die Pentacon GmbH aus dem Handlesregister gelöscht. Damit endete die lange Traditionslinie des Dresdner Kamerabaus, der über Hüttig und Wünsche erst in der ICA, dann in der Zeiss Ikon und letztlich in Pentacon mündete.

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Ein eher kleiner Name – aber ein bemerkenswerter Teil der Dresdner Kameraindustrie:
Die Firma Paul Zeh fertigte in Dresden-Löbtau über mehrere Jahrzehnte Kameras und fotografisches Zubehör. Unter dem Markennamen Zeca entstanden Modelle, die heute vor allem unter Sammlern geschätzt werden – nicht zuletzt wegen ihrer eigenständigen Konstruktionen.

Die Firma wurde 1902 gegründet und begann zunächst mit der Herstellung fotografischer Bedarfsartikel und Verschlüsse. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus eine eigene Kameraproduktion.

Spätestens in den 1920er Jahren trat der Betrieb als „Zeh-Camera-Fabrik Paul Zeh“ auf. Der Firmensitz befand sich in Dresden-Löbtau, Deubener Straße 29 – einem Stadtteil, der damals Teil des bedeutenden Dresdner Industrieumfeldes war.

Markenname „Zeca“ und Modellvielfalt

Die Kameras wurden überwiegend unter dem Namen Zeca vertrieben. Die ersten Jahre waren geprägt von einfachen bis besser ausgestatteten Laufbodenkameras, die sich nicht wesentlich von den Amateurprodukten der Mitbewerber unterschieden (z.B. Zeca, Zeca Junior, Zeca Sport). Mit der Zeit erweiterte und differenziert Zeh die Produktpalette. Hinzu kamen u. a. Mittelformat-Faltkameras wie die Bettax.

Ein besonders bekanntes Modell ist die Goldi, eine kompakte Faltkamera im Format 3×4 cm. Bemerkenswert ist, dass baugleiche oder sehr ähnliche Kameras auch unter anderen Namen verkauft wurden. Das deutet darauf hin, dass Paul Zeh teilweise auch für andere Anbieter produzierte.

Zu den interessantesten Kameras des Herstellers zählt die Zeca-Flex (um 1937). Dabei handelt es sich um eine ungewöhnliche Kombination aus zweiäugiger Spiegelreflexkamera (TLR) und Mittelformat-Faltkamera für den Filmtyp 120. Diese Verbindung war zur damaligen Zeit technisch anspruchsvoll und selten. Ziel war es, die Vorteile einer Spiegelreflexkamera mit der Kompaktheit einer Klappkamera zu vereinen. Als Konstrukteur gilt Ernst Zeh, ein Angehöriger der Familie. Für die Bauweise wurde Mitte der 1930er Jahre ein Patent erteilt. Heute gehört die Zeca-Flex zu den seltenen und gesuchten Sammlerstücken.

Wie für die meisten Hersteller endete auch für Zeh die Kameraproduktion 1940 aufgrund der Umstellung auf Kriegswirtschaft. Eine erneute Aufnahme der Kameraproduktion nach dem Krieg ist nicht bekannt. Die Firma erlosch 1948.

Zeh im Sächsischen Kameramuseum

Das Sächsische Kameramuseum kann einige Exponate des Herstellers Paul Zeh sein Eigentum nennen. Neben der einfachen Plattenkamera Zeca Junior und weiteren Laufbodenkameras, wie der Zeca Sport, sind wir besonders stolz auf ein gut erhaltenes Exemplar der seltenen und technisch interessanten Zeca-Flex.

Die Geschichte der Firma ist eher lückenhaft dokumentiert. Sollten Sie eine Zeh-Kamera besitzen oder Hinweise zur Firmengeschichte geben können, freut sich das Museum über Ihre Nachricht.

ICA Icarette I (Typ 495)

ICA Icarette I (Typ 495)

Die Icarette I (495) wurde 1912 von der Internationalen Camera Actiengesellschaft (ICA) in Dresden als besonders kompakte 6×6-Rollfilmkamera vorgestellt. Sie gehört zu den frühen Laufboden-Faltkameras im Westentaschenformat und war gezielt für den mobilen Einsatz gedacht. Der ICA-Katalog des Jahres 1912 beschreibt sie als handliche Kamera mit einem Gewicht von nur etwa 350 Gramm und kompakten Maßen von 12,5 x 2,5 x 7,5 cm, die aufgrund ihrer „gefällige[n] Bauart, die sich besonders durch ihre abgerundeten Formen hervorhebt“, bequem bedient und unauffällig bei sich getragen werden könne.

Kennzeichnend für die Konstruktion sind der klappbare Laufboden, der ausziehbare Lederbalgen und die Hebelfokussierung der Frontstandarte. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und mit einer schwarzen Rindslederimitation bezogen.

Im Unterschied zu späteren Rollfilm-Faltkameras setze die Icarette I noch auf das von Plattenkameras bekannte Prinzip des Laufbodens. Zum Fokussieren wurde die Frontstandarte auf Schienen vor und zurück bewegt.

Die Icarette I wurde mit unterschiedlichen Objektiv- und Verschlusskombinationen angeboten. Das hier gezeigte Museumexemplar ist mit dem hauseigenen Doppel-Anastigmat „Hekla“ 1:6.8 / 7,5 cm ausgestattet. Nachweisbar sind diverse weitere Linsen mit einer Brennweite von 75mm, unter anderem das Helios 1:8, Novar 1:6.8 und Maximar 1:6.8 aus dem Hause ICA. Carl Zeiss Jena lieferte u.a. Tessare in selbiger Brennweite mit den Öffnungsverhältnissen 1:6.3, 1:4.7 und 1:4.5.

Das Museumsexemplar ist mit dem ICA Doppel-Anastigmat „Hekla“ im „Automat X“-Verschluss bestückt.

Das Exponat ist mit einem ICA Automat X“-Verschluss versehen. Der Selbstspanner deckt die Zeiten 1/25, 1/50 und 1/100 (zzgl. Z, B) ab und kam in verschiedensten ICA-Kameras der Epoche als günstige und zweckmäßige Einstiegsausstattung zum Einsatz. Die Auslösung erfolgte mittels des Hebels direkt am Verschluss oder mit einem daneben anbringbaren Drahtauslöser. Im Erscheinungsjahr 1912 wurde die Icarette (495) alternativ mit dem hochwertigeren und 20 Mark teureren Kompound-Sektorenverschluss der Firma F. Deckel München angeboten, der Zeiten von einer bis 1/250 Sekunden ermöglichte. Später kamen der Compur des gleichen Herstellers und der Selbstspannverschluss Derval (Gauthier Calmbach) hinzu.

Zur Bildkontrolle besitzt die Kamera zwei Suchersysteme: einen Brillantsucher und einen Iconometer-Rahmensucher. Die Rückwand ist abnehmbar; der Filmtransport wird über ein rotes Sichtfenster kontrolliert. Eine herausziehbare Lasche auf der Rückseite übernimmt dabei je nach Stellung mehrere Funktionen und gehört zu den pfiffigen konstruktiven Details dieses Modells: Halb ausgezogen gab sie den Blick auf das Filmfenster frei. Hingegen vollständig herausgezogen bildet das Loch im oberen Riegel das passende Diopter zum Rahmensucher.

In mittlerer Stellung gibt die ausziehbare Lasche auf der Rückseite den Blick auf das rote Filmkontrollfenster der Icarette I frei.
Aufgeräumt sieht die Icarette von innen aus. Das vorliegende Exemplar ist mit einer Spule für 120er Rollfilm ausgestattet. Baugleiche Kameras wurden auch mit Spulen für den ähnlichen 117er Film ausgestattet. Die Rückwand ist nicht klappbar, sondern wird vollständig abgenommen.

Gebaut wurde die ICA Icarette I (495) bis 1925; auch nach der Zeiss-Ikon-Gründung lebte die Grundkonstruktion in Nachfolgemodellen weiter, die bis 1934 vom Band liefen. Das hier gezeigte Exponat ist ausweislich der Seriennummer (E 34219) in etwa auf den Zeitraum 1916 bis 1918 zu datieren. Für die Ausstattungsvariante wurden 65 Mark (laut Katalog von 1916) fällig. (Der durchschnittliche Monatslohn lag in der damaligen Zeit bei etwa 100 Mark.)

Balda / Belca – Kameras für ein breites Publikum

Balda / Belca – Kameras für ein breites Publikum

Die Firma Balda gehörte über viele Jahrzehnte zur vielfältigen Dresdner Kameraindustrie. Vor allem war das Unternehmen für erschwingliche Kameras für den Amateurmarkt bekannt. Die Geschichte des Herstellers spiegelt zugleich die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider – von der privaten Manufaktur über Enteignung und Volkseigentum bis hin zur späteren Neugründung des Unternehmens in Westdeutschland.

Das Deckblatt zum Sonderprospekt anlässlich des 30-jährigen Firmenbestehens 1938 zeigt die Super Baldina in ihrer 2. Ausführung.

Gründung und frühe Entwicklung

Gegründet wurde das Unternehmen im November 1908 in Laubegast bei Dresden (seit 1921 nach Dresden eingemeindet) durch den Mechaniker Max Baldeweg. Zunächst firmierte der Betrieb als „Fabrik photographischer Artikel Max Baldeweg“. Die Produktion konzentrierte sich anfangs noch nicht auf komplette Kameras, sondern auf fotografisches Zubehör. Unter den frühen Produkten Baldewegs ist der „Triumph“-Jalousieverschluss hervorzuheben, mit dem Reise- und andere Kameras nachgerüstet werden konnten. Auch Filmhalter bzw. -kassetten und Zeitauslöser wurden durch das Unternehmen gefertigt.

Der Markenname „Balda“ wurde 1913 eingetragen und entwickelte sich bald zum eigentlichen Firmenkennzeichen. Mit wachsender Nachfrage expandierte der Betrieb in den folgenden Jahren. Die Serienproduktion eigener Kameras wurde jedoch erst 1925 aufgenommen und richtete sich gezielt an eine wachsende Zielgruppe: den fotografierenden Amateur. Besonders einfache Boxkameras und kompakte Faltkameras sollten vor allem junge Menschen für die Fotografie begeistern.

Kameras für ein breites Publikum

Die Produkte aus dem Hause Balda zeichneten sich in der Regel durch zwei Merkmale aus: eine vergleichsweise einfache Bedienung und einen moderaten Preis. Damit unterschieden sie sich von vielen technisch aufwendigeren Modellen anderer Dresdner Hersteller. Das Portfolio der Balda-Werke ähnelt in vielen Punkten dem lokalen Mitbewerbern Certo und Welta, mit der Einschränkung, dass bei Balda das Segment der Boxkameras stärker ausgeprägt war. Hier wurden ab Mitte der 1920er Jahre mehrere Modellreihen auf den Markt gebracht, die parallel gefertigt und vertrieben wurden. Einige bekannte Beispiele sind Poka, Rollbox und Frontbox (alle im Format 6 x 9 cm) sowie Micky (4 x 6,5 cm auf 127er-Film).

Einen wichtigen Schritt stellte die Einführung der Kleinbildkamera Baldina im Jahr 1935 dar. Sie nutzte das heute klassische Aufnahmeformat von 24 × 36 mm und war mit Objektiven renommierter Hersteller wie Zeiss und Schneider-Kreuznach ausgestattet. Mit der kompakten Kleinbild-Sucherkamera mit Balgenkonstruktion griff Balda ein Prinzip auf, dass auch bei anderen Herstellern erfolgreich umgesetzt wurde. Die wohl bekannteste Vertreterin dieser Bauart war die Kodak Retina aus dem vormaligen Nagel-Werk (Stuttgart). 1936 folgte die Super Baldina, die technisch weiterentwickelt war und einen gekuppelten Entfernungsmesser aufwies. Zum 30-jährigen Firmenjubiläum erschien 1938 außerdem die Balda Jubilette – im Grunde eine etwas vereinfachte und preisgünstigere Version der Baldina.

Diese Kameras zeigen deutlich die Position des Unternehmens im Markt: Balda produzierte keine luxuriösen Spezialkameras, sondern solide Geräte für eine breite Käuferschicht.

Kriegszeit und Zerstörung

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste auch das Balda-Werk seine Produktion umstellen. Die Herstellung ziviler Kameras wurde eingestellt und durch Rüstungsfertigung ersetzt, in erster Linie Messtechnik für die Luftwaffe.

Während der Luftangriffe auf Dresden wurde das Werk schwer beschädigt. Nach Kriegsende begann zwar ein Wiederaufbau, doch zunächst konnten keine Kameras produziert werden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit fertigte der Betrieb daher einfache Alltagsgegenstände.

Enteignung und Neuanfang nach 1945

Die politischen Veränderungen nach dem Krieg führten zu einem tiefen Einschnitt. Der Firmengründer Max Baldeweg und der Direktor Willibald Lauterbach verließen Dresden und gründeten das Unternehmen später im westfälischen Bünde neu.

Der Dresdner Betrieb dagegen wurde im Juni 1946 enteignet und in die volkseigene Industrie der DDR überführt und der Industrieverwaltung 24 OPTIK unterstellt. In den folgenden Jahren wechselte der Betrieb mehrfach seine Bezeichnung, unter anderem als „MECHANIK Balda-Werk VEB Dresden“. Der Name Balda wurde, um Namensstreitigkeiten mit dem in Bünde (BRD) gegründeten Unternehmen zu vermeiden 1951 aufgegeben. Fortan führte der Betrieb die Bezeichnung OPTIK Belca-Werk VEB Dresden. Der Erzeugnisse wurden unter der Marke Belca vertrieben. Weite Verbreitung fand die aus der Baldina entwickelte Klappkamera Beltica für den Kleinbildfilm. Ebenfalls in großen Stückzahlen wurde die Belfoca als klassische Mittelformat-Faltkamera hergestellt. Sie hat ihre unverkennbaren Wurzeln in der Balda Juwella hat.

Durchaus gefragt waren in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre Faltkameras für das Mittelformat. Der VEB Belca bespielte dieses Segment mit dem Modell Belfoca, das in verschiedenen Ausführungen angeboten wurde [Abb.: Belfoca 1 aus dem Museumsbestand].

Besonders hervorzuheben ist die Belplasca aus dem Jahr 1953. Diese Kamera war eine Stereokamera, die gleichzeitig zwei leicht versetzte Bilder im Format 24 x 24 mm aufnahm. Beim Betrachten mit einem Stereobetrachter entstand dadurch ein räumlicher Bildeindruck. Passend zur Kamera wurde auch der Diaprojektor Belpascus angeboten. Das System erregte in den 1950er-Jahren große Aufmerksamkeit, blieb aber ein interessantes Nischenprodukt.

Im Jahr 1956 ging das Belca-Werk vollständig im VEB Kamera-Werke Niedersedlitz auf.

Bedeutung innerhalb der Dresdner Kameraindustrie

Balda war nie der größte Kamerahersteller Dresdens, spielte jedoch eine wichtige Rolle im breiten Geflecht der sächsischen Fotoindustrie. Die Firma trug dazu bei, Fotografie auch für Einsteiger und Amateurfotografen erschwinglich zu machen. Besonders die einfachen Rollfilm- und Kleinbildkameras fanden über viele Jahre ein großes Publikum.

Darüber hinaus zeigt die Geschichte des Unternehmens exemplarisch, wie eng technische Entwicklung und politische Rahmenbedingungen miteinander verbunden waren. Der Übergang von der privaten Firma zum volkseigenen Betrieb und schließlich die Fortführung des Namens in Westdeutschland spiegeln die Teilung Deutschlands nach 1945 wider.

Auch das Ende der Eigenständigkeit im Jahr 1956 durch Eingliederung in die Kamera-Werke (KW) steht exemplarisch für einen Prozess, der sich in den folgenden Jahren in der Branche fortsetzen sollte und zu einer Konzentration  der sächsischen Fotoindustrie im VEB Pentacon und letztlich der mitteldeutschen Foto- und Optikindustrie im VEB Carl Zeiss Jena führte.

Balda / Belca im Sächsischen Kameramuseum

Im Bestand des SKM finden sich zahlreiche Exponate aus den verschiedenen Phasen der Unternehmensgeschichte. Für die Anfangsjahre steht der Jalousieverschluss „Triumpf“. Verschiedene Ausführungen der Mittelformatkamera „Juwella“ sowie der Kleinbildkamera „Baldina“ spiegeln die Tätigkeit Baldas vor dem 2. Weltkrieg wider. Die Bandbreite der Exponate reicht von simplen Boxkameras (z.B. „Frontbox“) bis zur anspruchsvollen Super Baldina von 1936.

Die Unternehmensgeschichte der Nachkriegszeit dokumentieren Massenkameras wie die Beltica, Belfoca 1 und Belfoca 2 gleichermaßen wie die recht seltene Stereokamera Belplasca einschließlich des noch selteneren Projektors Belpascus.

Auch einige Kameras der im westfälischen Bünde ansässigen Balda AG befinden sich im Fundus, so z.B. die Mess-Baldix als Porst HAPO 66E. Diese Kameras dokumentieren die Entwicklung, die das vormals mitteldeutsche Unternehmen nach Neugründung in der BRD nahm, sind aber nicht mehr dem Kamerabau an der Elbe zuzurechnen.

Belca-Werk Dresden (VEB) – Belfoca I mit Bonotar / Priomat

Belca-Werk Dresden (VEB) – Belfoca I mit Bonotar / Priomat

Mit der Belfoca I brachte das Dresdner Belca-Werk 1952 eine einfache und zugleich vielseitige Rollfilmkamera für Amateurfotografen auf den Markt. Die Belfoca I entstand in einer Zeit des Wiederaufbaus der Fotoindustrie in Dresden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das frühere Balda-Werk verstaatlicht und als VEB Belca-Werk Dresden weitergeführt. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich eine Reihe preisgünstiger Kameras für den breiten Amateurmarkt – darunter auch die Belfoca-Modelle.

Konstruktion

Die Kamera gehört zu den klassischen Klapp- beziehungsweise Spreizenkameras jener Zeit: Im zusammengeklappten Zustand ist sie kompakt und geschützt, für die Aufnahme wird die Frontklappe geöffnet und der Balgen entfaltet sich.

Die Belfoca I arbeitet mit 120er Rollfilm und ermöglicht zwei Aufnahmeformate:

  • 6 × 9 cm für acht Aufnahmen pro Film
  • 6 × 6 cm für zwölf Aufnahmen, wenn eine entsprechende Bildmaske eingesetzt wird.

Damit bot die Kamera eine gewisse Flexibilität, ohne dass der Fotograf auf eine andere Kamera wechseln musste.

Technik und Ausstattung

Die Belfoca I ist schlicht und zweckmäßig konstruiert. Ausgelegt auf das 6×9-Format ist die Kamera mit einem dreilinsigen 105mm-Objektiv versehen. Das hier gezeigte Exemplar ist mit dem Bonotar 105 mm / 1:4.5 des Herstellers Feinmess Dresden ausgestattet. Alternativ kam bei der Belfoca auch das Meritar 105 mm / 1.4.5 der Firma Ernst Ludwig aus Weixdorf bei Dresden zum Einsatz. Auch das lichtschwächere Feinmess Bonar 105 mm / 1:6.3 kam in der Belfoca zum Einsatz.

Das Museumsexemplar verfügt über einen Zentralverschluss „Priomat“ des VEB Zeiss Ikon. Der selbstspannende Verschluss bietet drei Zeiten (1/25, 1/50, 1/100) und die Langzeitbelichtung (B) an. Die Belfoca wurde auch mit weiteren Verschlussmodellen der Baugröße 0 ausgestattet, die sich im Leistungsspektrum ähnelten (i.d.R. Selbstspanner mit 3 Zeiten + B), z.B. Junior oder Binor (beide Gebr. Werner Tharandt). Als höherwertige Ausstattung wurde die Belfoca I auch mit dem Spannverschluss „Tempor“ (VEB Zeiss Ikon) angeboten, der eine erweiterte Zeitenreihe bis 1/250 sec. anbot.

Das Museumsexemplar ist mit dem Bonotar 105 mm / 4.5 und dem Priomat-Verschluss ausgestattet.

Für die Nutzung eines Stativs besitzt die Kamera ein 3/8-Zoll-Stativgewinde, sodass auch längere Belichtungszeiten möglich waren.

Bedienung

Der Filmtransport der Belfoca I erfolgt über ein Metallrad auf der linken Oberseite des Kameragehäuses. Die Kontrolle erfolgt über zwei Rotfenster entsprechend des gewählten Filmformats 6×6 oder 6×9 auf der Kamerarückseite. Die Fenster werden vor Lichteinfall durch Schiebeklappen gesichert.

Das doppelte Positionsfenster für den manuellen Filmtransport trägt den beiden wählbaren Formaten Rechnung. Die hier zu sehende Kennzeichnung „6×9“ am unteren Fenster wurde nachträglich eingeritzt.

Die Motivauswahl erfolgt durch einen einfachen Rahmen-Klappsucher ohne optische Elemente. Der Sucherausschnitt kann durch einen kleinen Hebel am Sucher auf das quadratische 6×6-Format beschränkt werden.

Der einfache Rahmensucher kann mit einem kleinen Hebel (links am Sucherrahmen erkennbar) von 6×9 auf 6×6 umgestellt werden. Im Beispielbild ist die 6×6-Sucherbegrenzung aktiviert.

Die Belfoca I verfügt nicht über eine Doppelbelichtungssperre. Der Auslöseknopf mit integriertem Drahtauslöseranschluss ist auf der Gehäuseoberseite (rechts) positioniert. Die Scharfstellung erfolgt durch einen Drehring direkt am Objektiv, ebenso die Auswahl der Blende.

Die wesentlichen Bedienelemente wurden auf der Gehäuseoberseite angeordnet, v.l.n.r.: Auslöser, Klapprahmensucher, Entriegelung des Faltmechanismus und Transportrad.

Einordung des Modells

Mit der Belfoca brachte Belca (vormals Balda) 1952 eine einfache Rollfilmkamera auf den Markt, die an die Konstruktionen der Vorkriegsjahre anknüpfte. Mit ähnlichen konstruktiven Merkmalen bot Balda bereits in den 1930er Jahren die Juwella (ebenfalls 6×9 und 6×6), die allerding noch nicht über einen Gehäuseauslöser verfügte.

In den 1950er-Jahren kam den Mittelformat-Faltkameras noch eine erhebliche Marktbedeutung zu, die allerdings in der 2. Hälfte des Jahrzehnts erheblich nachließ – insbesondere zugunsten der Kleinbildfotografie. 1955 legte Belca mit der Belfoca II ein Nachfolgemodell auf, dass sich im Wesentlich durch den in der Gehäusekappe integrierten optischen Sucher von der Belfoca I abhob.

Kochmann Enolde – Plattenkamera im Format 9×12

Kochmann Enolde – Plattenkamera im Format 9×12

Der Dresdener Hersteller Franz Kochmann ist in erster Linie für seine Kameras mit der Bezeichnung „Korelle“ bekannt. Insbesondere die Reflex-Korelle, aber auch verschiedene wertige Klappkameras haben zur Popularität des Namens „Korelle“ beigetragen. Darüber gerät ein wenig in Vergessenheit, dass der Hersteller in den ersten 10 Jahren seines Bestehens ebenfalls qualitativ wertige Platten- und Rollfilmkameras hergestellt hat. Diese trugen aber die Bezeichnung „Enolde“.

Ein typisches Beispiel für diese Produktionslinie ist die hier gezeigte Enolde, eine Laufbodenkamera für das verbreitete Plattenformat 9 × 12 cm. Leider ist die Quellenlage zu den Plattenkameras der Firma Kochmann dürftig. Zeitlich einordnen lassen sich diese Produkte in die ersten 10 Jahre des Bestehens der Firma ab 1921 bis Anfang der 1930er Jahre. Das hier gezeigte Exemplar lässt sich anhand der Objektivnummer mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Jahre 1928/1929 bestimmen. [Hinweis hierzu: Das Objektiv wurde laut Schneider Kreuznach im Jahr 1928 gefertigt. Der Zeitraum der Auslieferung und Verwendung bei Kochmann ist uns jedoch nicht bekannt.]

Der Klassifikation nach Kadlubek folgend handelt es sich beim dargestellten Modell mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Enolde A [Kadlubek: KOC0075]. Hierzu ist jedoch anzumerken, dass die Einordnung nach Sammlerliteratur nicht zwingend einer zeitgenössischen Klassifikation der Modelle entsprechen muss.

Konstruktion und Gehäuse

Die hier gezeigte Enolde 9×12 ist als klassische Laufbodenkamera konstruiert. Das Gehäuse besteht bereits aus einem Metallkorpus, der mit Leder bezogen ist. Die ersten Plattenkameras der Firma waren hingegen noch mit einem Holzgehäuse versehen.

Einfache Spreizen halten den Laufboden am Metallkorpus des Enolde.

Der klappbare Laufboden bildet nach dem Öffnen eine stabile Führung für die Frontstandarte. Diese wird über eine Zahnstange präzise vor- und zurückbewegt, wodurch sich der Fokus einstellen lässt. Die Konstruktion entspricht damit dem etablierten Standard der Zeit, wie er auch bei vielen zeitgenössischen Plattenkameras anderer Dresdner Hersteller zu finden ist. Die Enolde 9×12 in der vorliegenden Ausführung verfügt über einen doppelten Auszug, was Nahaufnahmen ermöglichte. Es sind auch Enolde-Modelle bekannt, die nur einen einfachen Auszug anboten.

Die Standarte ermöglicht dem Nutzer eine vertikale und horizontale Verschiebung der Optik zur Aufnahmeebene, was insbesondere für Architekturaufnahmen hilfreich war.

Rechts erkennbar: Das Rad für das Ausfahren des zweiten Balgenauszugs.

Objektiv und Verschluss

Die Enolde wurde in verschiedenen Ausstattungsvarianten angeboten. Objektive und Verschlüsse kaufte Kochmann (wie die meisten kleineren Kamerahersteller) von Fremdfirmen zu. Beim Museumsexemplar wurde ein Schneider Kreuznach Xenar mit der Brennweite von 13,5 cm und einer Offenblende von 1:4.5 verbaut, was in der damaligen Zeit als höherwertige Bestückung einzustufen war. In unserem Modell ist ein IBSOR-Verschluss der Firma Gauthier verbaut. Dieser bildete neben Langzeitbelichtung (B und T) die Zeitenreihe von 1 bis 1/100 Sekunde ab.

Das Museumsexemplar ist mit dem IBSOR-Verschluss von Gauthier und dem Xenar-Objektiv (13,5 cm/ 1:4.5) von Schneider Kreuznach ausgestattet.

Sucher- und Fokussiersystem

Die Enolde verfügt über einen optischen Rahmensucher beziehungsweise und einen Brillantsucher mit Libelle, der sowohl Hoch- als auch Querformat unterstützt. Durch eine einfache Drehbewegung lässt sich der Sucher entsprechend ausrichten.

Die eigentliche Scharfstellung erfolgt über die bauarttypische Skalenfokussierung: Der Fotograf stellt die Entfernung am Laufboden ein, wobei eine Skala auf dem Laufboden als Orientierung dient.

Für präzisere Einstellungen – etwa bei Nahaufnahmen – wurde natürlich das Mattscheibenrückteil verwendet.

Die Standarte dieser Version der Enolde kann vertikal und horizontal verstellt werden. Für „Schnellschüsse“ stehen dem Nutzer ein Sucherrahmen und ein Brillantsucher zur Verfügung.

Einordnung des Modells

Die Modellbezeichnung „Enolde“ findet sich bei Kochmann für alle bekannten Kameras bis zur Einführung der Bezeichung „Korelle“ im Jahr 1931. In dieser Zeit scheint auch die Fertigung von Plattenkameras bei Kochmann ausgelaufen zu sein. Neben den Plattenkameras im Format 9 x 12 cm wurden auch Modelle für das kleinere Format 6,5 x 9 cm angeboten.

Die Dresdner Kameraindustrie war in dieser Zeit stark exportorientiert. Auch Kochmann lieferte seine Kameras in zahlreiche europäische Länder sowie nach Übersee. Die vergleichsweise solide Verarbeitung bei moderaten Preisen machte Modelle wie die Enolde besonders für ambitionierte Amateurfotografen attraktiv. Darüber hinaus produzierte Kochmann nicht nur im eigenen Namen, sondern belieferte auch große Handelsfirmen, die diese Kameras ohne Herstellerbezeichnung oder unter eigenem Namen anboten. Dokumentiert ist dies im Falle der 9×12-Enolde insbesondere für Photo Porst. Auch unser Exponat weist keinerlei Hinweise auf den Hersteller auf.

VEB Kamerafabrik Freital – Beirette VSN

VEB Kamerafabrik Freital – Beirette VSN

Die Beirette VSN wurde 1974 durch den VEB Kamerafabrik Freital eingeführt und kann zur 2. Generation der Nachkriegs-Beirette gezählt werden. Wie es für die Kameraserie der Beirette charakteristisch war, konzentriert sich die einfache Kleinbild-Sucherkamera auf das fotografisch Notwendige. Ihre Steuerung erfolgt rein mechanisch. Die VSN ist eine vollmechanische 35-mm-Sucherkamera ohne Belichtungsmesser und ohne elektrische Komponenten. Design und Ausstattung waren darauf ausgelegten, dem fotografischen Laien mit einfacher Bedienung brauchbare Ergebnisse für die private Alltagsfotografie zu ermöglichen. Diese Ausrichtung auf den Massenmarkt spiegelt sich auch in der Produktionszahl von rund 1,8 Mio. Exemplaren wider.

Konstruktion und Gehäuse

Das Gehäuse misst rund 11 x 8 x 7 cm und wiegt etwa 260 Gramm. Das geringe Gewicht resultiert aus dem maßgeblichen Einsatz von Kunststoff in Verbindung mit Aluminium und einigen Metallelementen. Die Formgebung ist sachlich, nahezu kubisch, mit klar strukturierten Bedienelementen. Der gesamte Kameraaufbau ist – wie für die Beirette typisch – auf einfache Bedienbarkeit ausgerichtet.

Die Front wird vom fest verbauten Objektiv und dem verhältnismäßig großen Auslöser dominiert, flankiert von einem schlichten, aber großen und hellen Leuchtrahmensucher. Auf der Oberseite befinden sich Filmtransporthebel, Rückspulkurbel und Zubehörschuh. Die Unterseite trägt das genormte 1/4-Zoll-Stativgewinde. Das Filmzählwerk ist auf der Kamerarückseite in einem kleinen Fenster links neben dem Suchereinblick positioniert.

Der Filmtransport erfolgt über einen Schnellspannhebel mit integrierter Doppelbelichtungssperre. Das Rückspulen geschieht klassisch über eine Kurbel auf der Kameraschulter. Der Aufbau des Innenraums ist übersichtlich. Der Filmeinlegevorgang unkompliziert über einen Filmmitnehmer.

Objektiv und Verschluss

Die Beirette VSN ist mit einem fest verbauten Meritar 1:2,8/45 mm ausgestattet – einer klassischen Normalbrennweite für das Kleinbildformat 24 × 36 mm. Die Konstruktion entspricht dem für diese Kameraklasse typischen Dreilinser-Typ (Cooke-Triplet-Prinzip). Das einfache Objektiv liefert bei mittleren Blenden solide Schärfe und ordentliche Kontrastwerte. Die Blendenreihe reicht von der Offenblende 1:2.8 bis zu 1:22. Die Naheinstellgrenze liegt bei 60 cm. Die Entfernungseinstellung erfolgt über einen griffigen Ring mit Entfernungs- und Symbolskala. Die Distanz wird geschätzt bzw. anhand der Symbolmarkierungen gewählt.

Die Tripletlinse „Meritar“ aus Weixdorf sorgte für eine solide Abbildungsleistung mit allen bauartbedingten Stärken und Schwächen.

Die VSN arbeitet mit einem mechanischen Zentralverschluss vom Typ Priomat-S, der neben der Langzeitbelichtung „B“ die Zeiten 1/30, 1/60, 1/125. Die Auswahl der Belichtungszeiten verbirgt sich bei der Beirette VSN unter der Einstellung der Filmentfindlichkeit. Soll bedeuten: Das Bedienkonzept war nicht darauf ausgelegt, dass der Nutzer grundsätzliche Gedanken über die korrekte Belichtungszeit anstellt. Vielmehr sollte diese in Abhängigkeit der Filmempfindlichkeit dauerhaft eingestellt werden und die Belichtungseinstellung über die Blende erfolgen. Hierzu weist der Blendenring verschiedene Piktogramme entsprechend der Lichtsituation auf.

Der helle Leuchtrahmensucher bietet eine einfache, klare Bildbegrenzung. Eine Parallaxmarkierung unterstützt die korrekte Bildgestaltung im Nahbereich.

Nicht nur die einfache Bedienweise, sondern auch der große, helle Sucher erleichterte den Hobbyfotografen die Arbeit.
Die Leuchtrahmenmarkierung ermöglichte trotz fehlenden Parallaxenausgleichs eine Einschätzung des korrekten Bildausschnitts.

Die Beirette VSN verfügt über einen Zubehörschuh mit Mittenkontakt über den die handelsüblichen Blitzgeräte angeschlossen und ausgelöst werden konnten.

Einordnung der Kamera

Die VSN steht für den seit den 1960er Jahren vollzogenen Wandel des VEB Kamerafabrik Freital (vormals Beier) zu einfachen, jedoch in hohen Stückzahlen gefertigten Kameras, die insbesondere für den heimischen Konsumgütermarkt gedacht waren. Gleichwohl wurde die Beirette VSN auch in westliche Länder exportiert. So wurde über den Importeur Beroflex das Modell als Beroquick KB 35 in der BRD angeboten. Die britische Drogeriekette Boots vertrieb die VSN als „Boots Beirette“.

Das hier als Museumsexemplar gezeigte Modell wurde ausweislich der Seriennummer im April 1984 gefertigt. Während die Konstruktion über den 15-jährigen Fertigungszeitraum unverändert blieb, weisen die Kamers durchaus optische Unterschiede aus. Augenscheinlich sind neben den klassischen silbernen Gehäusen seltenere Farbgebungen in schwarz, rot und blau. Auch die Gestaltung und Färbung des Fokusrings variierte.

In einer deutlich einfacheren Ausstattung (Chromar-Objektiv und Einfachverschluss) wurde die VSN als Beirette K100 angeboten.

Für einen Aufpreis von 14 Mark der DDR wurde die Beirette VSN mit einer Bereitschaftstasche aus schwarzem Kunstleder geliefert.
ICA Victrix – Miniaturkamera im Format 4,5 x 6 cm

ICA Victrix – Miniaturkamera im Format 4,5 x 6 cm

Die hier gezeigte Victrix ist eine kompakte Laufbodenkamera im kleinen Plattenformat 4,5 x 6 cm aus der Fertigung der ICA in Dresden. Produziert wurde die Kamera ab 1912. Nach der Fusion wurde die Fertigung der Victrix bei Zeiss Ikon bis 1931 fortgesetzt. Gemeinsam mit der gleichformatigen Ica Atom stellte die Victrix die kleinste Plattenkamera aus dem Hause ICA dar und wurde gezielt für ihre geringe Größe beworben.

Konstruktion und Mechanik

Charakteristisch ist der klappbare Laufboden: Im geschlossenen Zustand wirkt die Victrix wie ein kompaktes Kästchen mit den Maßen 8 x 2,8 x 6,5 cm. Der Korpus der 290 Gramm leichten Kamera besteht vollständig aus Metall. Nach dem Öffnen klappt die Frontstandarte heraus und wird über einen Zahnstangenantrieb exakt in Aufnahmeposition geführt.

Bauarttypisch erfolgt die Fokussierung durch Verschieben der Frontstandarte. Hierzu besitzt die Kamera eine Feintriebverstellung zur präzisen Scharfeinstellung, welche vor den Handhaben des Kameraauszugs platziert ist. Der Feintrieb mit Rasterung sowie die stabile Metallkonstruktion sorgen für die notwendige Maßhaltigkeit – eine Voraussetzung für exakte Bildschärfe auf dem vergleichsweise kleinen Format von 4,5 × 6 cm. Die Naheinstellmöglichkeiten der Victrix finden ihre Grenzen in der Konstruktion mir einfachem Balgenauszug. Immerhin wird auf diesem Wege aber eine kürzeste Bilddistanz von einem Meter abgedeckt.

Die Fokussierung erfolgt bei der Victrix über eine Feinjustierung die vor den Handhaben des Auszugs angebracht ist.

Zur Bildgestaltung diente ein optischer Brillantsucher, der sich für Hoch- und Querformat drehen ließ. Für exakte Schärfeeinstellung konnte auf Mattscheibe fokussiert werden, insbesondere bei Verwendung auf dem Stativ.

In der ICA-Preisliste 1912/1913 wird die Victrix als „preiswerte und vollkommene Miniaturcamera“ angepriesen.

Objektive

Das Museumsexemplar ist ausgestattet mit dem ICA Novar-Anastigmat 1:6.8 / 6 cm. Zur Markteinführung im Jahr 1912 werden im ICA-Katalog die nachfolgenden Objektive benannt, die ebenfalls in der Victrix zum Einsatz kamen:

  • ICA Extrarapid-Aplanat Helios 1:6.8 / 9 cm
  • ICA Hekla Doppel-Anastigmat 1:6.8 / 6 cm

In der Folgezeit wurden weitere Objektive verbaut, teilweise auch von Zulieferern (z.B. Zeiss Tessar 1:6.3 / 7.5 cm). Da die beispielsweise bei McKeown und Kadlubek benannten Objektivkombinationen von uns nicht vollständig verifiziert werden können, verzichten wir auf die Benennung an dieser Stelle.

Verschlüsse

Die Victrix wurde in zwei Verschlussvarianten angeboten. Die hier gezeigte Ausführung ist mit dem hauseigenen ICA Automat X ausgestattet. Der selbstspannende Zentralverschluss deckte die Zeiten 1/25, 1/50 und 1/100 ab Zudem standen die beiden üblichen Langzeitmodi Z (T) und B zur Verfügung.

Darüber hinaus wurde die Victrix auch mit dem leistungsfähigerem Compur der Firma F. Deckel angeboten, welcher dem Nutzer eine Zeitenreihe von 1 – 1/300 Sekunden bot.

Das Museumsexemplar greift bei Verschluss (Automat X) und Optik (Novar-Anastigmat) auf ICA-eigene Komponenten zurück.

Einordung des Modells

Die Victrix stellte neben der „Atom“ die zweite Miniaturkamera der ICA dar. Sie wurde nach der Atom, welche von Hüttig weitergeführt wurde, von Ica entwickelt und auf den Markt gebracht. Dies verdeutlicht, dass ICA bewusst zwei Modelle im grundsätzlich überschaubaren Segment der 4,5×6-Kameras platzierte. Die Victrix zeichnete sich durch den verhältnismäßig günstigen Einstiegspreis aus (1912: ab 40 RM), der merklich unter jenem der Atom lag (1912: ab 57 RM bei gleicher Verschluss/Objektiv-Kombination).

Für den britischen Hersteller Butcher & Son lieferte ICA die Victrix zu, welche von diesem als „Watch Pocket Klimax“ angeboten wurde. Auch diese Ausführung findet sich im Bestand des SKM.

Nicht zu verwechseln ist die ICA Victrix übrigens mit dem gleichnamigen Modell des Vorgängerunternehmens Emil Wünsche. Bei der Wünsche Victix handelte es sich um eine Spreizenkamera mit Schlitzverschluss, die kurz nach der Jahrhundertwende gefertigt wurde.

VEB Kamerafabrik Freital – Beirette SL100 N in orange

VEB Kamerafabrik Freital – Beirette SL100 N in orange

Die Beirette SL100 N ist eine typische Kleinbild-Sucherkamera aus der späten DDR-Produktion. Sie wurde von der VEB Kamerafabrik Freital im Auftrag des VEB Carl Zeiss Jena zwischen 1987 und 1989 gebaut und gehört zur bekannten Reihe einfacher, alltagspraktischer Kameras, die in der ehemaligen DDR weit verbreitet waren.

Diese Kamera arbeitet mit dem SL-Film-System – einem Schnellladefilm in Kunststoffkassetten, der ohne Umspulen direkt von einer zur nächsten Patrone transportiert wurde. Das Format entspricht dem klassischen Kleinbildfilm 24 × 36 mm, mit dem sowohl Schwarz-Weiß- als auch Farbfilme eingesetzt werden konnten.

Farbenfroh zeigten sich die einfachen Kameras der Reihe SL 100N, die in den 1970er Jahren vom Band liefen. Wie es bereits die Bezeichnung verrät, waren diese Geräte für den Kleinbildfilm in SL-Patronen konzipiert.

Das Gehäuse der Beirette SL100 N ist aus farbigem Kunststoff gefertigt. Neben der hier gezeigten Ausführung in orange wurde die Kamera auch in den weiteren Tönen Gelb, Grün, Rosa und Schwarz gefertigt.

Das fest eingebaute Objektiv vom Typ Chromar hat eine Brennweite von etwa 50 mm und bietet eine moderate Lichtstärke, die zusammen mit dem Sucher eine kompakte und leichte Kamera ergab. Der Verschluss bot neben der Langzeitbelichtung B die Auswahl zwischen ca. 1/125 sec. und ca. 1/30 sec. Die Zeiten waren über die Symbole Sonne und Wolke einstellbar. Die 1/30 war zugleich Blitzsynchronzeit. Die Bedienung war bewusst unkompliziert gehalten, so dass dieses Modell sowohl für Einsteiger als auch als Zweitkamera beliebt war. Die Fokussierung erfolgte über eine durch Symbole gekennzeichnete Sektoreinstellung (Portrait, Gruppe, Landschaft). Der Filmtransport erfolgte durch einen Schiebeschalter auf der Rückseite. Technisch wie gestalterisch spiegelt die Beirette SL100 N den Stand der fotografischen Massenproduktion einfachster Kameras in der DDR kurz vor dem Ende der Ära wider. Insbesondere steht sie für die Hinwendung des ehemaligen Beier-Werks zu diesem Segment, welche seit den 1960er Jahren forciert wurde.