Hoh & Hahne gehörte zu jenen Unternehmen der sächsischen Fotoindustrie, deren Erzeugnisse weniger beim Amateurfotografen als in professionellen Ateliers, Reproduktionsanstalten und Druckereien zu finden waren. Das 1899 in Leipzig gegründete Unternehmen entwickelte sich vom Händler und Hersteller fotografischer Bedarfsartikel zu einem bedeutenden Spezialisten für fotografische Reproduktions- und grafische Technik. Besonders bekannt wurden die Erzeugnisse unter der Marke HOHLUX.
Von fotografischen Bedarfsartikeln zur eigenen Fertigung
Gegründet wurde Hoh & Hahne 1899 von den Leipziger Kaufleuten August Hermann Richard Hoh und Friedrich August Wilhelm Hahne. Das zunächst in der Leipziger Innenstadt ansässige Unternehmen handelte mit fotografischen Apparaten, Materialien und Bedarfsartikeln. Bereits in dieser frühen Phase entstanden eigene Erzeugnisse unter der Bezeichnung LUX. Zum Sortiment gehörten unter anderem die „Lux“-Trockenplatten.
Schon 1903 begann Hoh & Hahne in einer eigenen Werkstatt mit der Herstellung von Reproduktionsapparaten. Damit zeichnete sich früh jene Spezialisierung ab, die das Unternehmen über Jahrzehnte prägen sollte. 1913 wurden die bis dahin verteilten Produktionsstätten in einer Fabrik im Gerichtsweg 10 zusammengeführt.
Anders als viele bekannte Dresdner Kamerahersteller konzentrierte sich Hoh & Hahne zunehmend nicht auf handliche Kameras für den privaten Gebrauch, sondern auf die technische Fotografie. Reproduktionskameras dienten beispielsweise dazu, Vorlagen für die Druckindustrie maßstabsgerecht aufzunehmen. Kamera, Beleuchtung, Kopiertechnik und weitere Hilfsmittel bildeten dabei Teile eines komplexen Produktionsprozesses.
HOHLUX – eine Marke für die grafische Industrie
Ab 1926 verwendete Hoh & Hahne für seine Geräte die Marke HOHLUX. Das Programm entwickelte sich zu einem umfangreichen System von Maschinen und Geräten für Reproduktionsbetriebe und die grafische Industrie. Dazu gehörten große Reproduktionskameras ebenso wie Beleuchtungseinrichtungen, Kopiergeräte, Dunkelkammertechnik und weitere Hilfsgeräte.
Erhaltene Kameras verdeutlichen die Dimensionen dieser Technik. Das Sächsische Kameramuseum verfügt über eine HOHLUX-Reproduktionskamera mit einem Aufnahmeformat von 30 × 30 Zentimetern. Die massive Holzkonstruktion verfügt über einen langen Balgen, eine über Zahntrieb einstellbare Rückwand sowie eine verschiebbare Objektivstandarte. Hierbei handelt es sich aber tatsächlich um eine verhältnismäßig kleine Kamera. In unserem Fundus befindet sich auch eine auf Schwingen gelagerte Reproduktionskamera für das Format 60 x 60 Zentimeter, deren gesamte Aufbaugröße mit Vorlagenhalter und Beleuchtungseinheit bei knapp 4 Metern liegt. Solche Apparate waren keine Kameras für den mobilen Einsatz, sondern Präzisionsmaschinen für die stationäre Arbeit. Ein vergleichbares Gerät, allerdings des Herstellers Falz & Werner (ebenfalls Leipzig) kann im Deutschen Kameramuseum in Plech besichtigt werden.
Hoh & Hahne stellte zudem nicht ausschließlich komplette Kameras her. Das Unternehmen lieferte Komponenten für größere Reproduktionsanlagen, wie beispielsweise die besagten Beleuchtungseinheiten. Das Unternehmen entwickelte komplette technische Lösungen für die fotografische Reproduktion und die Druckvorstufe. Hinzu kamen Kopiergeräte, Kopierschränke, Bogenlampen und Dunkelkammertechnik.

Das Werk in Leipzig-Leutzsch
1929 bezog Hoh & Hahne eine wesentlich größere Fabrikanlage in der damaligen Barnecker Straße 185 in Leipzig-Leutzsch. Die Straße wurde 1933 in Schlageterstraße umbenannt und trägt seit 1945 den Namen Georg-Schwarz-Straße. Das bereits 1910 für die OMEGA Leipziger Metallfadenlampenfabrik errichtete Gebäude bot die Möglichkeit, die verschiedenen Unternehmensbereiche an einem Standort zusammenzuführen.
Neben der eigentlichen Produktion fotomechanischer Apparate und grafischer Hilfsmaschinen unterhielt Hoh & Hahne dort ein Fachgeschäft für Reproduktionstechnik sowie einen Chemikaliengroßhandel. Damit konnte das Unternehmen einen erheblichen Teil des Bedarfs professioneller Reproduktionsbetriebe abdecken – von Apparaten und optischen Geräten bis zu Verbrauchsmaterialien und Chemikalien.
Krieg und Nachkriegszeit
1941 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Über die Produktion während des Zweiten Weltkriegs ist bislang vergleichsweise wenig bekannt. Unstrittig ist, dass auch Hoh & Hahne mit Fortgang des Krieges in die Rüstungsproduktion involviert wurde. Im Werk-Leutzsch waren zeitweise auch Zwangsarbeiter untergebracht.
Nach Kriegsende wurden Teile der Produktionsanlagen als Reparationsleistung demontiert. Ab 1950 befand sich der Leipziger Betrieb unter treuhänderischer Verwaltung, 1953 wurde er zu einem Betrieb mit staatlicher Beteiligung. Seit 1956 befand er sich in der Rechtsträgerschaft der Deutschen Investitionsbank. 1962 wurde Hoh & Hahne schließlich aus dem Handelsregister gelöscht. Betrieb und Produktionsstätte gingen als Omega-Werke im VEB Polygraph Reprotechnik auf.
Damit verschwand zwar der traditionsreiche Firmenname aus der Leipziger Industrie, der Standort blieb jedoch der grafischen Maschinenindustrie verbunden. Nach 1990 wurde das ehemalige Werk schließlich stillgelegt. Das markante Fabrikgebäude in der heutigen Georg-Schwarz-Straße 185 ist erhalten und steht unter Denkmalschutz.
Ein zweiter Anfang in der Bundesrepublik
Die Geschichte der Marke HOHLUX endete damit jedoch nicht. Ehemalige Mitarbeiter führten die Fertigung nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland weiter. Ab 1951 bestand in Offenbach am Main die Hoh & Hahne Hohlux GmbH, die später zur H. Berthold AG gehörte. Damit existierten die Tradition und das technische Know-how von Hoh & Hahne über Jahrzehnte außerhalb des ursprünglichen Leipziger Stammwerks fort.
Bedeutung für den sächsischen Kamerabau
Hoh & Hahne nimmt innerhalb der sächsischen Fotoindustrie eine besondere Stellung ein. Während Dresden vor allem durch Kameras für Berufs- und Amateurfotografen weltbekannt wurde, zeigt das Leipziger Unternehmen eine andere Seite der fotografischen Industrie: die enge Verbindung von Fotografie, Reproduktion und Drucktechnik. Die großformatigen Kameras und HOHLUX-Anlagen waren Arbeitsgeräte für eine Welt, in der fotografische Verfahren eine zentrale Voraussetzung für die industrielle Vervielfältigung von Bildern und Druckvorlagen bildeten. Hoh & Hahne steht damit beispielhaft dafür, wie weit das Spektrum des sächsischen Kamerabaus über die klassische Foto- oder Kleinbildkamera hinausreichte. Leipzig war das unbestrittene Zentrum dieser Spezialtechnik.
Bedeutung für den sächsischen Kamerabau
Das Sächsische Kameramuseum ist unter anderem im Besitz zweier Reproduktionskameras des Herstellers im Aufnahmeformat 30 x 30 und 60 x 60 cm. Darüber hinaus befinden sich in unserem Fundus eine Reproduktionsanlage und ein Auflichtprojektor, die bereits nach der Eingliederung den VEB Polygraph Leipzig entstanden.


























