Hoh & Hahne – Spezialisten für Reproduktionstechnik aus Leipzig

Hoh & Hahne – Spezialisten für Reproduktionstechnik aus Leipzig

Hoh & Hahne gehörte zu jenen Unternehmen der sächsischen Fotoindustrie, deren Erzeugnisse weniger beim Amateurfotografen als in professionellen Ateliers, Reproduktionsanstalten und Druckereien zu finden waren. Das 1899 in Leipzig gegründete Unternehmen entwickelte sich vom Händler und Hersteller fotografischer Bedarfsartikel zu einem bedeutenden Spezialisten für fotografische Reproduktions- und grafische Technik. Besonders bekannt wurden die Erzeugnisse unter der Marke HOHLUX.

Von fotografischen Bedarfsartikeln zur eigenen Fertigung

Gegründet wurde Hoh & Hahne 1899 von den Leipziger Kaufleuten August Hermann Richard Hoh und Friedrich August Wilhelm Hahne. Das zunächst in der Leipziger Innenstadt ansässige Unternehmen handelte mit fotografischen Apparaten, Materialien und Bedarfsartikeln. Bereits in dieser frühen Phase entstanden eigene Erzeugnisse unter der Bezeichnung LUX. Zum Sortiment gehörten unter anderem die „Lux“-Trockenplatten.

Schon 1903 begann Hoh & Hahne in einer eigenen Werkstatt mit der Herstellung von Reproduktionsapparaten. Damit zeichnete sich früh jene Spezialisierung ab, die das Unternehmen über Jahrzehnte prägen sollte. 1913 wurden die bis dahin verteilten Produktionsstätten in einer Fabrik im Gerichtsweg 10 zusammengeführt.

Anders als viele bekannte Dresdner Kamerahersteller konzentrierte sich Hoh & Hahne zunehmend nicht auf handliche Kameras für den privaten Gebrauch, sondern auf die technische Fotografie. Reproduktionskameras dienten beispielsweise dazu, Vorlagen für die Druckindustrie maßstabsgerecht aufzunehmen. Kamera, Beleuchtung, Kopiertechnik und weitere Hilfsmittel bildeten dabei Teile eines komplexen Produktionsprozesses.

HOHLUX – eine Marke für die grafische Industrie

Ab 1926 verwendete Hoh & Hahne für seine Geräte die Marke HOHLUX. Das Programm entwickelte sich zu einem umfangreichen System von Maschinen und Geräten für Reproduktionsbetriebe und die grafische Industrie. Dazu gehörten große Reproduktionskameras ebenso wie Beleuchtungseinrichtungen, Kopiergeräte, Dunkelkammertechnik und weitere Hilfsgeräte.

Erhaltene Kameras verdeutlichen die Dimensionen dieser Technik. Das Sächsische Kameramuseum verfügt über eine HOHLUX-Reproduktionskamera mit einem Aufnahmeformat von 30 × 30 Zentimetern. Die massive Holzkonstruktion verfügt über einen langen Balgen, eine über Zahntrieb einstellbare Rückwand sowie eine verschiebbare Objektivstandarte. Hierbei handelt es sich aber tatsächlich um eine verhältnismäßig kleine Kamera. In unserem Fundus befindet sich auch eine auf Schwingen gelagerte Reproduktionskamera für das Format 60 x 60 Zentimeter, deren gesamte Aufbaugröße mit Vorlagenhalter und Beleuchtungseinheit bei knapp 4 Metern liegt. Solche Apparate waren keine Kameras für den mobilen Einsatz, sondern Präzisionsmaschinen für die stationäre Arbeit. Ein vergleichbares Gerät, allerdings des Herstellers Falz & Werner (ebenfalls Leipzig) kann im Deutschen Kameramuseum in Plech besichtigt werden.

Hoh & Hahne stellte zudem nicht ausschließlich komplette Kameras her. Das Unternehmen lieferte Komponenten für größere Reproduktionsanlagen, wie beispielsweise die besagten Beleuchtungseinheiten. Das Unternehmen entwickelte komplette technische Lösungen für die fotografische Reproduktion und die Druckvorstufe. Hinzu kamen Kopiergeräte, Kopierschränke, Bogenlampen und Dunkelkammertechnik.

Das Plakat aus den 1930ern zeigt das Selbstverständnis der Firma Hoh & Hahne als Lieferant moderner Spezialtechnik für die Industrie.

Das Werk in Leipzig-Leutzsch

1929 bezog Hoh & Hahne eine wesentlich größere Fabrikanlage in der damaligen Barnecker Straße 185 in Leipzig-Leutzsch. Die Straße wurde 1933 in Schlageterstraße umbenannt und trägt seit 1945 den Namen Georg-Schwarz-Straße. Das bereits 1910 für die OMEGA Leipziger Metallfadenlampenfabrik errichtete Gebäude bot die Möglichkeit, die verschiedenen Unternehmensbereiche an einem Standort zusammenzuführen.

Neben der eigentlichen Produktion fotomechanischer Apparate und grafischer Hilfsmaschinen unterhielt Hoh & Hahne dort ein Fachgeschäft für Reproduktionstechnik sowie einen Chemikaliengroßhandel. Damit konnte das Unternehmen einen erheblichen Teil des Bedarfs professioneller Reproduktionsbetriebe abdecken – von Apparaten und optischen Geräten bis zu Verbrauchsmaterialien und Chemikalien.

Krieg und Nachkriegszeit

1941 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Über die Produktion während des Zweiten Weltkriegs ist bislang vergleichsweise wenig bekannt. Unstrittig ist, dass auch Hoh & Hahne mit Fortgang des Krieges in die Rüstungsproduktion involviert wurde. Im Werk-Leutzsch waren zeitweise auch Zwangsarbeiter untergebracht.

Nach Kriegsende wurden Teile der Produktionsanlagen als Reparationsleistung demontiert. Ab 1950 befand sich der Leipziger Betrieb unter treuhänderischer Verwaltung, 1953 wurde er zu einem Betrieb mit staatlicher Beteiligung. Seit 1956 befand er sich in der Rechtsträgerschaft der Deutschen Investitionsbank. 1962 wurde Hoh & Hahne schließlich aus dem Handelsregister gelöscht. Betrieb und Produktionsstätte gingen als Omega-Werke im VEB Polygraph Reprotechnik auf.

Damit verschwand zwar der traditionsreiche Firmenname aus der Leipziger Industrie, der Standort blieb jedoch der grafischen Maschinenindustrie verbunden. Nach 1990 wurde das ehemalige Werk schließlich stillgelegt. Das markante Fabrikgebäude in der heutigen Georg-Schwarz-Straße 185 ist erhalten und steht unter Denkmalschutz.

Ein zweiter Anfang in der Bundesrepublik

Die Geschichte der Marke HOHLUX endete damit jedoch nicht. Ehemalige Mitarbeiter führten die Fertigung nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland weiter. Ab 1951 bestand in Offenbach am Main die Hoh & Hahne Hohlux GmbH, die später zur H. Berthold AG gehörte. Damit existierten die Tradition und das technische Know-how von Hoh & Hahne über Jahrzehnte außerhalb des ursprünglichen Leipziger Stammwerks fort.

Bedeutung für den sächsischen Kamerabau

Hoh & Hahne nimmt innerhalb der sächsischen Fotoindustrie eine besondere Stellung ein. Während Dresden vor allem durch Kameras für Berufs- und Amateurfotografen weltbekannt wurde, zeigt das Leipziger Unternehmen eine andere Seite der fotografischen Industrie: die enge Verbindung von Fotografie, Reproduktion und Drucktechnik. Die großformatigen Kameras und HOHLUX-Anlagen waren Arbeitsgeräte für eine Welt, in der fotografische Verfahren eine zentrale Voraussetzung für die industrielle Vervielfältigung von Bildern und Druckvorlagen bildeten. Hoh & Hahne steht damit beispielhaft dafür, wie weit das Spektrum des sächsischen Kamerabaus über die klassische Foto- oder Kleinbildkamera hinausreichte. Leipzig war das unbestrittene Zentrum dieser Spezialtechnik.

Bedeutung für den sächsischen Kamerabau

Das Sächsische Kameramuseum ist unter anderem im Besitz zweier Reproduktionskameras des Herstellers im Aufnahmeformat 30 x 30 und 60 x 60 cm. Darüber hinaus befinden sich in unserem Fundus eine Reproduktionsanlage und ein Auflichtprojektor, die bereits nach der Eingliederung den VEB Polygraph Leipzig entstanden.

Malinski – Projektionstechnik aus Leipzig

Malinski – Projektionstechnik aus Leipzig

Die Heinrich Malinski KG aus Leipzig gehört zu den heute weniger bekannten, für die Geschichte der ostdeutschen Fototechnik jedoch durchaus bedeutenden Spezialherstellern. Das Unternehmen konzentrierte sich nicht auf den Bau von Kameras, sondern auf Geräte zur Betrachtung und Projektion fotografischer Aufnahmen. Insbesondere Diaprojektoren, Episkope und Diabetrachter bildeten den Schwerpunkt der Produktion. Nach der Gründung in den 1950er-Jahren entwickelte sich die Firma zu einem wichtigen Anbieter von Vorführtechnik für Amateurfotografen und öffentliche Einrichtungen in der DDR.

Der Betrieb hatte seinen Sitz in Leipzig und war zunächst als Heinrich Malinski KG organisiert. Die Produktion begann in einer Zeit, in der die Farbdiafotografie zunehmend an Bedeutung gewann und geeignete Geräte zur Präsentation von Bildern stark nachgefragt wurden. Während große Unternehmen wie Pentacon, Ihagee oder Zeiss Ikon vor allem Kameras und Objektive fertigten, spezialisierte sich Malinski auf die Wiedergabe fotografischer Bilder.

Die Firma entwickelte sich zu einem anerkannten Hersteller von Projektionsgeräten und Zubehör. Nach der Verstaatlichung im Jahr 1972 wurde das Unternehmen als VEB Bildwerfer Leipzig weitergeführt und später als Betreibsteil in den VEB Tachowellen- und Maschinenbau eingliedert. Trotz des organisatorischen Wandels blieben zahlreiche Konstruktionen und Produktlinien aus der Malinski-Zeit noch über Jahre hinweg in Produktion.

Zu den bekanntesten Erzeugnissen des Unternehmens zählen verschiedene Diaprojektoren für Kleinbild- und Mittelformatdias. Bereits Ende der 1950er-Jahre erschien mit dem Prokyon ein Projektor für 6×6-cm-Dias. Das Gerät richtete sich an anspruchsvollere Fotografen und verdeutlicht die Bemühungen des Unternehmens, moderne Projektionslösungen für unterschiedliche Filmformate anzubieten.

Besondere Verbreitung erreichten später die Projektoren der Mali- und Malux-Reihe. Beispielhaft waren die Geräte Mali 150 und Malux 250 für Kleinbilddias im Standardrahmenformat ausgelegt und verfügten über Projektionsobjektive von Meyer-Optik Görlitz. Die Geräte zeichneten sich durch eine robuste Bauweise und eine vergleichsweise einfache Bedienung aus, wodurch sie sowohl im privaten Bereich als auch in Schulen, Kulturhäusern und Vereinen Verwendung fanden.

Auch nach der Verstaatlichung wurden verschiedene Konstruktionen weiterentwickelt. Der Malicolor SL zählt zu den bekanntesten DDR-Diaprojektoren der 1970er-Jahre und geht konstruktiv auf Entwicklungen aus dem Umfeld der Leipziger Bildwerferproduktion zurück.

Neben Projektoren fertigte Heinrich Malinski auch verschiedene Geräte zur individuellen Bildbetrachtung. Besonders bekannt wurde der Diabetrachter Malirex. Das kompakte Gerät erlaubte die Betrachtung einzelner Kleinbilddias ohne Projektionswand und war insbesondere für den privaten Gebrauch bestimmt. Seine charakteristische Form erinnert bereits an kleine Fernsehgeräte und zeigt den gestalterischen Zeitgeist der 1960er-Jahre.

Darüber hinaus wurden durch das Unternehmen stereoskopische Betrachtungsgeräte wie der Maliscop gefertigt. Diese ermöglichten die Betrachtung von Stereoaufnahmen mit räumlicher Bildwirkung und knüpften an eine lange Tradition der Stereofotografie an.

Die Bedeutung der Heinrich Malinski KG liegt vor allem in ihrer Spezialisierung auf die Präsentation fotografischer Bilder. Während Kameras und Objektive die Entstehung eines Fotos ermöglichen, sorgten Projektoren und Betrachter dafür, dass die Ergebnisse einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden konnten. Gerade in der Zeit vor digitalen Bildschirmen war die Diaprojektion ein zentraler Bestandteil fotografischer Kultur.

Malinski steht damit beispielhaft für jene zahlreichen mitteldeutschen Spezialbetriebe, die das fotografische Ökosystem ergänzten und wesentlich zur Verbreitung der Fotografie beitrugen. Dem Raum Leipzig kam dabei eine besondere Bedeutung im Bereich Reproduktion und Projektion zu.

Zeiss Ikon AG – Dresdner Kamerageschichte zwischen Weltruf, Krieg und DDR-Industrie

Zeiss Ikon AG – Dresdner Kamerageschichte zwischen Weltruf, Krieg und DDR-Industrie

Die Zeiss Ikon AG wurde 1926 in Dresden gegründet und gehörte ab diesem Zeitpunkt zu den weltweit bedeutendsten Unternehmen der Kamera- und Kinotechnik. Sie entstand aus dem Zusammenschluss traditionsreicher Firmen: ICA Dresden, C. P. Goerz Berlin, Contessa-Nettel Stuttgart und Ernemann Dresden. Treibende Kraft war Carl Zeiss Jena, die Hauptgesellschafterin der ICA. Der Name „Ikon“ verweist auf das griechische Wort für „Bild“. Zudem soll er phonetisch auf die beiden Unternehmen ICA und Contessa-Nettel bezugnehmen.

Mit der Gründung der Zeiss Ikon A.G. ging mit Ernemann der letzte nach 1909 selbstständig gebliebene Großbetrieb der Dresdener Kameraindustrie im Firmengeflecht der Carl Zeiss Jena auf, nachdem bereits Wünsche und Hüttig in der ICA A.G. zusammengeführt wurden. Zum damaligen Zeitpunkt hatte sich Heinrich Ernemann noch den Lockrufen aus Jena entziehen können. 17 Jahre später veranlasste ein sich wandelndes Marktumfeld auch Ernemann zur Fusion.

In den ersten Jahren ging es vor allem darum, die vielen übernommenen Produktlinien zu ordnen. Aus einer kaum überschaubaren Vielfalt von Kameramodellen entstand ein gestrafftes Sortiment. Dresden blieb dabei ein Zentrum des Kamerabaus und der Kinoprojektion. Das Ernemann-Werk wurde besonders für Projektoren wichtig, während Kamerafertigung und Zubehör auf mehrere Standorte verteilt waren. Im Wesentlichen erfolgte die Kameraproduktion an den Standorten Dresden (ehem. ICA-Werke) und Stuttgart (Contessa-werk), während die Goerz-Werke in Berlin weiterhin Boxkameras herstellten, aber gleichzeitig auch branchenfremde Produktlinien (z.B. Türschlösser der Marke Zeiss Ikon) fertigten. Grob

Nicht nur die Modellvielfalt erfuhr mit der Zeit eine deutliche Straffung. Auch einzelne Produktbereiche wurden zugunsten des Jenaer Mutterkonzerns eingestellt. So bedeutete die Fusion das Ende der bisher bei Ernemann erfolgten Objektivfertigung. Auch die Zentralverschlüsse verschwanden aus dem Portfolio der Dresdener Werke und wurden durch Zukäufe bei Gauthier und F. Deckel ersetzt. Beide bayerischen Hersteller standen in einem Beteiligungsverhältnis zu Carl Zeiss Jena.

Zu den bekanntesten Produkten der Zeiss Ikon AG zählten die Ikonta-Klappkameras, die Nettar, die Box Tengor, die Ikoflex, die Tenax und vor allem die Contax. Mit der 1932 vorgestellten Contax wollte Zeiss Ikon der Leica Konkurrenz machen. Die Contax stand für hohe Präzision, Wechselobjektive und anspruchsvolle Kleinbildfotografie. 1936 folgten Contax II und III; zugleich brachte Zeiss Ikon mit der Contaflex eine technisch bemerkenswerte, wenn auch wirtschaftlich wenig erfolgreiche Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit eingebautem Belichtungsmesser heraus.

Die Entwicklung des Unternehmens wurde stark von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. In der Weltwirtschaftskrise zählte Rationalisierung zu den wichtigsten Aufgaben. Nach 1933 passte sich Zeiss Ikon zunehmend an die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik an und produzierte bereits ab 1935 auch rüstungsrelevante Güter. Eine Nähe zum nationalsozialistischen Regime lässt auch die Benennung der Boxkamera „Baldur“ (1933-35) nach dem „Reichsjugendführer“ Baldur von Schirach erkennen. Ab 1939 bestimmte die Rüstungswirtschaft die Produktion immer stärker; laut Sächsischem Staatsarchiv machten Rüstungsgüter bis 1944 etwa 95 Prozent des Produktionsvolumens aus. Hergestellt wurden unter anderem Entfernungsmesser, Zielfernrohre, Geräte für Artillerie, Marine und Luftwaffe. Auch Fremd- und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene wurden eingesetzt. Zwei Außenlager der KZ Flössenburg entstanden im Goehlewerk (Dresden-Pieschen) und im ehemaligen Wünsche-Werk (Dresden-Reick).

Das Jahr 1945 bedeutete eine tiefe Zäsur. Die Berliner Goerzwerke waren nahezu vernichtet, Dresdner Werke teilweise beschädigt, und nach Kriegsende folgten Demontagen. In Sachsen wurden die Dresdner Betriebsteile enteignet und in „Volkseigentum überführt“; sprich verstaatlicht. Ab 1948 firmierten sie als VEB Zeiss Ikon. Dem vorangegangen war der Beschluss der Hauptversammlung der Zeiss Ikon AG zur Verlagerung des Firmensitzes von Dresden nach Stuttgart. Firmensitzverlagerung der Zeiss Ikon AG und Verstaatlichung der ostdeutschen Firmenteile entsprach praktisch einer Teilung des Unternehmens in zwei neue Firmen, die fortan unabhängig voneinander agierten. Damit begann ein jahrelanger Konflikt um Namen, Marken- und Patentrechte.

Für die ostdeutsche Linie war entscheidend, dass die Dresdner Betriebe trotz Demontage und Materialmangel an technische Entwicklungen anknüpften. Besonders bedeutend wurde die Contax S, die ab 1949 in Dresden entstand. Sie gilt als eine der ersten Kleinbild-Spiegelreflexkameras mit fest eingebautem Pentaprisma und Augenhöhensucher. Damit wurde ein Grundprinzip verwirklicht, das die Spiegelreflexfotografie über Jahrzehnte prägen sollte: seitenrichtiges Sucherbild, Blick durch das Aufnahmeobjektiv und komfortables Arbeiten auf Augenhöhe.

Die DDR-Kamerabranche litt jedoch unter Zersplitterung, Markenrechtsstreitigkeiten, begrenzten Ressourcen und politisch gelenkter Wirtschaftsorganisation. In den 1950er Jahren wurden Entwicklung und Produktion Schritt für Schritt konzentriert. Hinzu kamen aber auch hausgemachte Probleme des VEB Zeiss Ikon – insbesondere Qualitätsdefizite der Spiegel-Contax gingen mit einem internationalen Reputationsverlust einher, der durch die teilweise unglückliche Form der Exportgeschäfte über fachfremde Vertriebspartner verstärkt wurde. Mitte der 1950er Jahre zeichnete sich ab, dass die Namensrechtsstreitigkeiten mit der Zeiss Ikon AG Stuttgart vor den bundesdeutschen Gerichten zu Ungunsten des VEB Zeiss Ikon enden werden. Vermutlich aus diesem externen Druck heraus, erfolgte eine weitere Umstrukturierung. 1956 wurden die Auslandspatente auf andere Firmen umgeschrieben und die Entwicklungsabteilung des Fotografiebereichs an die Kamerawerke Niedersedlitz überführt. Ab 1957 verschwand die Zeiss-Ikon-Bezeichnung im Osten zunehmend. Im Laufe des Jahres wurde auch die Fertigung von Fotoapparaten der KW angegliedert. Lediglich die Filmgerätesparte wurde im VEB Zeiss Ikon fortgeführt. 1959 ging das Unternehmen im neugebildeten VEB Kamera- und Kinowerke Dresden Auf. 1964 wurde daraus der VEB Pentacon Dresden. Der Name Pentacon leitete sich aus „Pentaprisma“ und „Contax“ ab und kann unter diesem Blickwinkel als Bezug auf das Wirken der Zeiss Ikon verstanden werden.

Die Contax FB wurde ab 1957 wie die übrigen Produkte der Zeiss-Ikon-Stehbildsparte zunächst in der Verantwortung der KW Niedersedlitz und ab 1959 durch den fusionierten VEB KKWD fortgeführt. In den folgenden Jahren verschwanden die Fotoapparate aus Zeiss-Ikon-Entwicklung recht schnell aus der Produktpalette des Dresdner Kamerabaus.

Unter Pentacon lebte die Dresdner Kameratradition weiter, während jedoch die von Zeiss Ikon übernommenen Produkte recht schnell aus der Produktion verschwanden. Dies hatte gewiss seinen Hintergrund in der Bemühung, die Produktpalette zu konsolidieren – wie bereits nach den großen Fusionen von 1909 (ICA) und 1926 (Zeiss Ikon). Gleichzeitig kommt hierin aber auch das Entwicklungsdefizit der Zeiss-Ikon-Produkte zum Ausdruck. Im Laufe der 1950er-Jahre hatte das Werk den Anschluss an den Stand der Technik schrittweise verloren. Hinzu kamen die beschriebenen Qualitätsprobleme. Der Fokus des VEB Pentacon lag in den folgenden Jahrzehnten auf der von KW übernommenen Praktica-Reihe, die im neuen Kombinat fortentwickelt und bis 1989 in großen Stückzahlen produziert wurde. Gleichzeitig geriet die DDR-Industrie durch Planwirtschaft, Devisendruck, Materialengpässe und verzögerte Modernisierung gegenüber insbesondere der japanischen Konkurrenz zunehmend unter Druck, sodass mit der politischen Wende 1990 auch die Abwicklung Pentacons erfolgte. Die Nachwendeproduktion der Praktica BX20s unter dem Dach der Pentacon GmbH bis 2000/2001 kann nur noch als ein letztes Nachhallen des eigentlich schon gestorbenen Dresdener Kamerabaus verstanden werden.

Die Geschichte von Zeiss Ikon ist damit mehr als eine Firmengeschichte. Sie zeigt den Aufstieg Dresdens zu einem Zentrum der optischen und feinmechanischen Industrie, die technischen Spitzenleistungen deutscher Kamerabauer, aber auch die Brüche des 20. Jahrhunderts: Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus, Krieg, Enteignung, deutsche Teilung, Planwirtschaft und schließlich das Ende vieler DDR-Industriestrukturen nach 1990. Für Kamerasammler und Technikinteressierte bleibt Zeiss Ikon ein Name von besonderem Rang – verbunden mit Kameras, die bis heute von Erfindergeist, Präzision und sächsischer Industriegeschichte erzählen.

Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Die Firma Gebrüder Huth gehört zu jenen Dresdner Photounternehmen, die heute weniger bekannt sind als die großen Namen Ernemann, Hüttig oder später Ihagee, die aber dennoch ein wichtiges Kapitel der sächsischen Fotoindustrie mitgeschrieben haben. Nach heutigem Forschungsstand wurde die Photographische Manufaktur Gebrüder Huth 1886 in Dresden von den Brüdern Theodor Hermann Huth und Robert Adolph Walter Huth gegründet. Entsprechend des zugehörigen Handelsregisterauszugs existierte das Unternehmen (zumindest rechtlich) bis 1937.

Die Anfänge des Hauses Huth lagen nicht allein im Kamerabau. Verschiedene Quellen beschreiben die Firma zunächst als Handelshaus für photographische Artikel, das sein Geschäft um eine eigene Produktion erweiterte. Augenscheinlich ist, dass Huth unter seinem Firmennamen neben eigengefertigten Kameras auch Produkte weiterer Hersteller vertrieb. Diese heute als „OEM“ bezeichnete Vorgehensweise war in der Branche zum damaligen Zeitpunkt verbreitet (z.B. Hugo Stöckig Dresden/Bodenbach). Leider sind heute kaum belastbare Informationen verfügbar, die einen Überblick über die Produktpalette der Firma, selbst- und fremdproduzierte Kameras oder gar deren Stückzahlen liefern. Bei Kadlubeck werden lediglich drei Modelle (13×18-Kameras) dem Hersteller Huth zugeschrieben. Allerdings bleibt in Zweifel zu ziehen, dass diese Auflistung als abschließend zu betrachten ist.

Besser dokumentiert ist ein wichtiges Standbein der Firma im Bereich der fotografischen Bedarfsmittel. Bereits ab 1889 ist eine Albuminpapierfertigung nachweisbar; ab 1890 trat diese unter der Bezeichnung „Sächsische Albuminpapierfabrik Gebrüder Huth“ hervor. Damit bewegte sich das Unternehmen in einem Feld, das für die frühe Fotografie von großer Bedeutung war: Nicht nur die Kamera selbst, sondern auch empfindliche Materialien, Papiere und Zubehör entschieden über die Qualität des fertigen Bildes. Dass Gebrüder Huth in diesem Bereich tatsächlich wahrgenommen wurde, belegt auch die zeitgenössische Fachpresse. In der „Photographischen Korrespondenz“ werden von Gebrüder Huth in Dresden präparierte Albuminpapiere ausdrücklich erwähnt; die dazu gezeigten Abzüge hätten, so der Bericht, ein gutes Zeugnis für die ausgestellte Papiersorte abgelegt. Solche Hinweise sind für die Firmengeschichte besonders wertvoll, weil sie zeigen, dass Huth nicht nur im lokalen Handel sichtbar war, sondern auch im fachlichen Umfeld der damaligen Fotobranche Beachtung fand.

Ende der 1890er Jahre trat dann stärker der Kamerabau hervor. In den verfügbaren Firmenübersichten wird beschrieben, dass die Kamerafertigung in der Photographischen Manufaktur Gebrüder Huth in der Saxoniastraße aufgenommen wurde. Daneben blieb das Haus offenbar weiterhin Händler: Mehrere Quellen weisen darauf hin, dass Huth neben eigenen Erzeugnissen ebenso hochwertige Fototechnik und Zubehör anderer Hersteller vertrieb. Das war in der damaligen Fotoindustrie nicht ungewöhnlich. Viele Unternehmen kombinierten Werkstatt, Handel, Reparatur und Zubehörverkauf unter einem Dach. Der Hinweis auf die Fertigung der Albuminpapiere wurde im Jahr 1899 aus dem Firmennamen getilgt, sodass davon ausgegangen werden darf, dass dies zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt war. Dies deckt sich mit der generellen Entwicklung dieses Marktes zur Jahrhundertwende, die von einem Zusammenschluss bzw. Verschwinden kleinerer Fotopapierhersteller geprägt war.

Für die technische Ausrichtung des Unternehmens spricht zudem ein in der Fachzeitschrift „Der Mechaniker“ verzeichneter Patenteintrag auf Gebrüder Huth, Dresden. Dort wird ein pneumatischer Jalousieverschluss für Zeit- und Momentaufnahmen genannt. Auch wenn aus einem einzelnen Patent noch kein vollständiges Bild des Produktionsprogramms entsteht, zeigt dieser Hinweis doch, dass sich die Firma nicht auf reinen Handel beschränkte, sondern an der Weiterentwicklung fotografischer Verschlusstechnik beteiligt war. In derselben Fachpresse erscheinen außerdem Hinweise auf von Huth eingesandte Preislisten, was die aktive Marktpräsenz des Unternehmens zusätzlich unterstreicht.

Die Geschichte der Firma war eng mit der Familie Huth verbunden. Nach dem Tod von Theodor Hermann Huth im Jahr 1906 führte sein Bruder Robert Adolph Walter Huth das Unternehmen weiter. Für die folgenden Jahre ist zudem Bertha Huth greifbar: Sie besaß nach vorliegenden Angaben seit November 1908 Prokura und übernahm nach dem Tod ihres Mannes 1914 die Leitung des Betriebs. Damit gehört Gebrüder Huth auch zu den Dresdner Fotounternehmen, in denen eine Unternehmerwitwe die Geschäfte über längere Zeit fortführte – ein in der Industriegeschichte keineswegs seltener, aber oft zu wenig beachteter Umstand. Das Ende der Firma wird auf 1937 datiert; nach dem Tod Bertha Huths sei der Betrieb geschlossen worden. Hierfür spricht auch der Handelsregistereintrag, der die Löschung der Gesellschaft in dem Jahr dokumentiert.

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

Der Name Pentacon steht bis heute für ein bedeutendes Kapitel der Dresdner Kameraindustrie. Seine Wurzeln reichen in die traditionsreiche Feinmechanik- und Optiklandschaft der Stadt zurück, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den wichtigsten Zentren des deutschen Kamerabaus gehörte. Nach 1945 wurden zahlreiche Betriebe der Branche in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und schrittweise in volkseigene Strukturen überführt. Aus Teilen der ehemaligen Zeiss-Ikon-Werke sowie weiteren Dresdner Kamerabetrieben entstand zunächst der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. 1964 erhielt der Betrieb schließlich den Namen VEB Pentacon Dresden. Der Markenname leitete sich von „Pentaprisma“ und „Contax“ ab und verwies damit zugleich auf technische Innovation und Dresdner Tradition.

Pentacon wurde in der DDR zu einem der bekanntesten Hersteller fotografischer Geräte. Besondere Berühmtheit erlangte das Unternehmen mit den Spiegelreflexkameras der Marke Praktica, die auf Entwicklungen der früheren Kamera-Werke Niedersedlitz aufbauten. Hinzu kamen Modelle wie die Pentacon Six, die Penti, die Pentina oder die Pentacon Super. Vor allem die Praktica-Kameras wurden in großen Stückzahlen gefertigt und in viele Länder exportiert. Damit war Pentacon nicht nur ein wichtiger Industriebetrieb in Dresden, sondern auch eines der international sichtbarsten Unternehmen des DDR-Kamerabaus. Im Laufe der Jahre wurde Pentacon zudem in größere Strukturen der DDR-Optikindustrie eingegliedert: 1968 entstand das Kombinat VEB Pentacon Dresden, 1985 ging dieses wiederum im Kombinat Carl Zeiss Jena auf.

Technisch und kulturgeschichtlich ist Pentacon vor allem deshalb bedeutsam, weil sich in seinen Produkten mehrere Linien der Dresdner Kamerageschichte bündelten. Einerseits lebte die Tradition der frühen Spiegelreflexkamera weiter, für die Dresden bereits seit der Vorkriegszeit berühmt war. Andererseits stand Pentacon für die Industrialisierung des Kamerabaus in der DDR: robuste, bezahlbare und oft exportorientierte Modelle prägten das Bild des Unternehmens. Die Praktica wurde über Jahrzehnte zu einem festen Begriff für Amateur- und anspruchsvolle Freizeitfotografie. Nach heutigem Kenntnisstand wurden von 1948 bis 2001 rund neun Millionen Praktica-Kameras gebaut – eine Zahl, die die enorme Reichweite dieser Marke eindrucksvoll verdeutlicht.

Mit der deutschen Einheit begann für Pentacon eine tiefgreifende Umbruchphase. Wie viele ehemalige DDR-Betriebe musste sich auch der Dresdner Kamerahersteller unter marktwirtschaftlichen Bedingungen neu aufstellen. Der volkseigene Betrieb endete zum 1. Juli 1990 und wurde in diePentacon GmbHumgewandelt. Mit der Währungsreform, die am selben Tag in Kraft trat, war Pentacon – wie viele Ostbetriebe – nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produktionskosten überstiegen, die erzielbaren Verkaufserlöse nun spürbar, da der Währungsvorteil im Export über Nacht wegbrach. Bereits zum 02.10.1990 meldete die Treuhand die Liquidation der Pentacon GmbH an, was das Ende des Großbetriebs in seiner bisherigen Form bedeutete. Die Pentacon GmbH i.L. wurde von Heinrich Mandermanns Gruppe Schneider Kreuznach von der Treuhand erworben. Mandermann hatte als Importeur gute Beziehungen zum Dresdner Betrieb. Unter Schneider wurde die Praktica BX20s noch bis 2001 vertreiben (die Fertigung endete vermutlich 2000). Im Jahr 1997 firmierte das Unternehmen in Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik um, was die Verschiebung zu anderen Tätigkeitsfeldern im Bereich der Präzisionstechnik innerhalb einer optischen Unternehmensgruppe symbolisierte. Parallel zur auslaufenden Fertigung der Praktica BX20s fertigte Pentacon u.a. Scantechnik. Auch wurden Kompaktkameras aus fernost importiert und unter der Marke Pentacon vertrieben. Im Jahr 2024 wurde die Pentacon GmbH aus dem Handlesregister gelöscht. Damit endete die lange Traditionslinie des Dresdner Kamerabaus, der über Hüttig und Wünsche erst in der ICA, dann in der Zeiss Ikon und letztlich in Pentacon mündete.

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Ein eher kleiner Name – aber ein bemerkenswerter Teil der Dresdner Kameraindustrie:
Die Firma Paul Zeh fertigte in Dresden-Löbtau über mehrere Jahrzehnte Kameras und fotografisches Zubehör. Unter dem Markennamen Zeca entstanden Modelle, die heute vor allem unter Sammlern geschätzt werden – nicht zuletzt wegen ihrer eigenständigen Konstruktionen.

Die Firma wurde 1902 gegründet und begann zunächst mit der Herstellung fotografischer Bedarfsartikel und Verschlüsse. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus eine eigene Kameraproduktion.

Spätestens in den 1920er Jahren trat der Betrieb als „Zeh-Camera-Fabrik Paul Zeh“ auf. Der Firmensitz befand sich in Dresden-Löbtau, Deubener Straße 29 – einem Stadtteil, der damals Teil des bedeutenden Dresdner Industrieumfeldes war.

Markenname „Zeca“ und Modellvielfalt

Die Kameras wurden überwiegend unter dem Namen Zeca vertrieben. Die ersten Jahre waren geprägt von einfachen bis besser ausgestatteten Laufbodenkameras, die sich nicht wesentlich von den Amateurprodukten der Mitbewerber unterschieden (z.B. Zeca, Zeca Junior, Zeca Sport). Mit der Zeit erweiterte und differenziert Zeh die Produktpalette. Hinzu kamen u. a. Mittelformat-Faltkameras wie die Bettax.

Ein besonders bekanntes Modell ist die Goldi, eine kompakte Faltkamera im Format 3×4 cm. Bemerkenswert ist, dass baugleiche oder sehr ähnliche Kameras auch unter anderen Namen verkauft wurden. Das deutet darauf hin, dass Paul Zeh teilweise auch für andere Anbieter produzierte.

Zu den interessantesten Kameras des Herstellers zählt die Zeca-Flex (um 1937). Dabei handelt es sich um eine ungewöhnliche Kombination aus zweiäugiger Spiegelreflexkamera (TLR) und Mittelformat-Faltkamera für den Filmtyp 120. Diese Verbindung war zur damaligen Zeit technisch anspruchsvoll und selten. Ziel war es, die Vorteile einer Spiegelreflexkamera mit der Kompaktheit einer Klappkamera zu vereinen. Als Konstrukteur gilt Ernst Zeh, ein Angehöriger der Familie. Für die Bauweise wurde Mitte der 1930er Jahre ein Patent erteilt. Heute gehört die Zeca-Flex zu den seltenen und gesuchten Sammlerstücken.

Wie für die meisten Hersteller endete auch für Zeh die Kameraproduktion 1940 aufgrund der Umstellung auf Kriegswirtschaft. Eine erneute Aufnahme der Kameraproduktion nach dem Krieg ist nicht bekannt. Die Firma erlosch 1948.

Zeh im Sächsischen Kameramuseum

Das Sächsische Kameramuseum kann einige Exponate des Herstellers Paul Zeh sein Eigentum nennen. Neben der einfachen Plattenkamera Zeca Junior und weiteren Laufbodenkameras, wie der Zeca Sport, sind wir besonders stolz auf ein gut erhaltenes Exemplar der seltenen und technisch interessanten Zeca-Flex.

Die Geschichte der Firma ist eher lückenhaft dokumentiert. Sollten Sie eine Zeh-Kamera besitzen oder Hinweise zur Firmengeschichte geben können, freut sich das Museum über Ihre Nachricht.

Balda / Belca – Kameras für ein breites Publikum

Balda / Belca – Kameras für ein breites Publikum

Die Firma Balda gehörte über viele Jahrzehnte zur vielfältigen Dresdner Kameraindustrie. Vor allem war das Unternehmen für erschwingliche Kameras für den Amateurmarkt bekannt. Die Geschichte des Herstellers spiegelt zugleich die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider – von der privaten Manufaktur über Enteignung und Volkseigentum bis hin zur späteren Neugründung des Unternehmens in Westdeutschland.

Das Deckblatt zum Sonderprospekt anlässlich des 30-jährigen Firmenbestehens 1938 zeigt die Super Baldina in ihrer 2. Ausführung.

Gründung und frühe Entwicklung

Gegründet wurde das Unternehmen im November 1908 in Laubegast bei Dresden (seit 1921 nach Dresden eingemeindet) durch den Mechaniker Max Baldeweg. Zunächst firmierte der Betrieb als „Fabrik photographischer Artikel Max Baldeweg“. Die Produktion konzentrierte sich anfangs noch nicht auf komplette Kameras, sondern auf fotografisches Zubehör. Unter den frühen Produkten Baldewegs ist der „Triumph“-Jalousieverschluss hervorzuheben, mit dem Reise- und andere Kameras nachgerüstet werden konnten. Auch Filmhalter bzw. -kassetten und Zeitauslöser wurden durch das Unternehmen gefertigt.

Der Markenname „Balda“ wurde 1913 eingetragen und entwickelte sich bald zum eigentlichen Firmenkennzeichen. Mit wachsender Nachfrage expandierte der Betrieb in den folgenden Jahren. Die Serienproduktion eigener Kameras wurde jedoch erst 1925 aufgenommen und richtete sich gezielt an eine wachsende Zielgruppe: den fotografierenden Amateur. Besonders einfache Boxkameras und kompakte Faltkameras sollten vor allem junge Menschen für die Fotografie begeistern.

Kameras für ein breites Publikum

Die Produkte aus dem Hause Balda zeichneten sich in der Regel durch zwei Merkmale aus: eine vergleichsweise einfache Bedienung und einen moderaten Preis. Damit unterschieden sie sich von vielen technisch aufwendigeren Modellen anderer Dresdner Hersteller. Das Portfolio der Balda-Werke ähnelt in vielen Punkten dem lokalen Mitbewerbern Certo und Welta, mit der Einschränkung, dass bei Balda das Segment der Boxkameras stärker ausgeprägt war. Hier wurden ab Mitte der 1920er Jahre mehrere Modellreihen auf den Markt gebracht, die parallel gefertigt und vertrieben wurden. Einige bekannte Beispiele sind Poka, Rollbox und Frontbox (alle im Format 6 x 9 cm) sowie Micky (4 x 6,5 cm auf 127er-Film).

Einen wichtigen Schritt stellte die Einführung der Kleinbildkamera Baldina im Jahr 1935 dar. Sie nutzte das heute klassische Aufnahmeformat von 24 × 36 mm und war mit Objektiven renommierter Hersteller wie Zeiss und Schneider-Kreuznach ausgestattet. Mit der kompakten Kleinbild-Sucherkamera mit Balgenkonstruktion griff Balda ein Prinzip auf, dass auch bei anderen Herstellern erfolgreich umgesetzt wurde. Die wohl bekannteste Vertreterin dieser Bauart war die Kodak Retina aus dem vormaligen Nagel-Werk (Stuttgart). 1936 folgte die Super Baldina, die technisch weiterentwickelt war und einen gekuppelten Entfernungsmesser aufwies. Zum 30-jährigen Firmenjubiläum erschien 1938 außerdem die Balda Jubilette – im Grunde eine etwas vereinfachte und preisgünstigere Version der Baldina.

Diese Kameras zeigen deutlich die Position des Unternehmens im Markt: Balda produzierte keine luxuriösen Spezialkameras, sondern solide Geräte für eine breite Käuferschicht.

Kriegszeit und Zerstörung

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste auch das Balda-Werk seine Produktion umstellen. Die Herstellung ziviler Kameras wurde eingestellt und durch Rüstungsfertigung ersetzt, in erster Linie Messtechnik für die Luftwaffe.

Während der Luftangriffe auf Dresden wurde das Werk schwer beschädigt. Nach Kriegsende begann zwar ein Wiederaufbau, doch zunächst konnten keine Kameras produziert werden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit fertigte der Betrieb daher einfache Alltagsgegenstände.

Enteignung und Neuanfang nach 1945

Die politischen Veränderungen nach dem Krieg führten zu einem tiefen Einschnitt. Der Firmengründer Max Baldeweg und der Direktor Willibald Lauterbach verließen Dresden und gründeten das Unternehmen später im westfälischen Bünde neu.

Der Dresdner Betrieb dagegen wurde im Juni 1946 enteignet und in die volkseigene Industrie der DDR überführt und der Industrieverwaltung 24 OPTIK unterstellt. In den folgenden Jahren wechselte der Betrieb mehrfach seine Bezeichnung, unter anderem als „MECHANIK Balda-Werk VEB Dresden“. Der Name Balda wurde, um Namensstreitigkeiten mit dem in Bünde (BRD) gegründeten Unternehmen zu vermeiden 1951 aufgegeben. Fortan führte der Betrieb die Bezeichnung OPTIK Belca-Werk VEB Dresden. Die Erzeugnisse wurden unter der Marke Belca vertrieben. Weite Verbreitung fand die aus der Baldina entwickelte Klappkamera Beltica für den Kleinbildfilm. Ebenfalls in großen Stückzahlen wurde die Belfoca als klassische Mittelformat-Faltkamera hergestellt. Sie hat ihre unverkennbaren Wurzeln in der Balda Juwella.

Durchaus gefragt waren in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre Faltkameras für das Mittelformat. Der VEB Belca bespielte dieses Segment mit dem Modell Belfoca, das in verschiedenen Ausführungen angeboten wurde [Abb.: Belfoca 1 aus dem Museumsbestand].

Besonders hervorzuheben ist die Belplasca aus dem Jahr 1953. Diese Kamera war eine Stereokamera, die gleichzeitig zwei leicht versetzte Bilder im Format 24 x 24 mm aufnahm. Beim Betrachten mit einem Stereobetrachter entstand dadurch ein räumlicher Bildeindruck. Passend zur Kamera wurde auch der Diaprojektor Belpascus angeboten. Das System erregte in den 1950er-Jahren große Aufmerksamkeit, blieb aber ein interessantes Nischenprodukt.

Im Jahr 1956 ging das Belca-Werk vollständig im VEB Kamera-Werke Niedersedlitz auf.

Bedeutung innerhalb der Dresdner Kameraindustrie

Balda war nie der größte Kamerahersteller Dresdens, spielte jedoch eine wichtige Rolle im breiten Geflecht der sächsischen Fotoindustrie. Die Firma trug dazu bei, Fotografie auch für Einsteiger und Amateurfotografen erschwinglich zu machen. Besonders die einfachen Rollfilm- und Kleinbildkameras fanden über viele Jahre ein großes Publikum.

Darüber hinaus zeigt die Geschichte des Unternehmens exemplarisch, wie eng technische Entwicklung und politische Rahmenbedingungen miteinander verbunden waren. Der Übergang von der privaten Firma zum volkseigenen Betrieb und schließlich die Fortführung des Namens in Westdeutschland spiegeln die Teilung Deutschlands nach 1945 wider.

Auch das Ende der Eigenständigkeit im Jahr 1956 durch Eingliederung in die Kamera-Werke (KW) steht exemplarisch für einen Prozess, der sich in den folgenden Jahren in der Branche fortsetzen sollte und zu einer Konzentration  der sächsischen Fotoindustrie im VEB Pentacon und letztlich der mitteldeutschen Foto- und Optikindustrie im VEB Carl Zeiss Jena führte.

Balda / Belca im Sächsischen Kameramuseum

Im Bestand des SKM finden sich zahlreiche Exponate aus den verschiedenen Phasen der Unternehmensgeschichte. Für die Anfangsjahre steht der Jalousieverschluss „Triumph“. Verschiedene Ausführungen der Mittelformatkamera „Juwella“ sowie der Kleinbildkamera „Baldina“ spiegeln die Tätigkeit Baldas vor dem 2. Weltkrieg wider. Die Bandbreite der Exponate reicht von simplen Boxkameras (z.B. „Frontbox“) bis zur anspruchsvollen Super Baldina von 1936.

Die Unternehmensgeschichte der Nachkriegszeit dokumentieren Massenkameras wie die Beltica, Belfoca 1 und Belfoca 2 gleichermaßen wie die recht seltene Stereokamera Belplasca einschließlich des noch selteneren Projektors Belplascus.

Auch einige Kameras der im westfälischen Bünde ansässigen Balda AG befinden sich im Fundus, so z.B. die Mess-Baldix als Porst HAPO 66E. Diese Kameras dokumentieren die Entwicklung, die das vormals mitteldeutsche Unternehmen nach Neugründung in der BRD nahm, sind aber nicht mehr dem Kamerabau an der Elbe zuzurechnen.

Beier – Massentaugliche Kameras aus Freital

Beier – Massentaugliche Kameras aus Freital

Der Kamerahersteller Beier gehört zu den prägenden Namen der sächsischen Fotoindustrie des 20. Jahrhunderts. Seine Geschichte ist untrennbar mit der Person Woldemar Beier und mit dem Produktionsstandort Freital verbunden. Anfang der 1920er-Jahre entwickelte sich durch mehrere Unternehmensgründungen im Raum Freital/Tharandt ein weiteres Unterzentrum des sächsischen Kamerabaus.

Die Beier-Kamerawerke wurden 1923 von Woldemar Beier in Freital als Freitaler Kameraindustrie Beier & CO gegründet. Beier war Feinmechaniker und Miteigentümer der Freitaler Thowe-Werke, welche er aber 1923 verlies. Sein Handwerkszeug hatte Beier rund 20 Jahre vorher ebenfalls an der Weißeritz erlangt: Kurz nach der Jahrhundertwende erlernte Woldemar Beier (Jahrgang 1886) beim Freitaler Kamerahersteller Merkel den Beruf des Mechanikers und qualifizierte sich anschließend zum Feinmechanikermeister weiter.

Woldemar Beier prägte sein Unternehmen in den ersten Jahrzehnten maßgeblich durch eine klare Ausrichtung auf alltagstaugliche Kameras. Unter seiner Leitung entwickelte sich Beier von einem kleinen Betrieb zu einem anerkannten Hersteller innerhalb der sächsischen Kameralandschaft.

Die Zwischenkriegszeit: Von der Holzplattenkamera zur ersten Beirette

Bereits in den ersten Jahren des Bestehens wuchs das Unternehmen schnell, sodass es bis 1929 zu zwei Umzügen innerhalb Freitals kam. Die frühe Phase des Unternehmens war geprägt von Plattenkameras im Holzgehäuse mit einfachem oder doppeltem Auszug und vergleichsweise einfachen, aber alltagstauglichen Verschlüssen (z.B. Vario) und Objektiven. Die Plattenkameras wurden in den Formaten 9 x 12 und 6,5 x 9 cm angeboten. Ab 1929 folgte die zweite Generation der Plattenkameras – nunmehr im Aluminiumgehäuse. Diese Materialumstellung war für die gesamte Branche äußerst innovativ. Exemplarisch sollen hier zwei Beier-Modelle benannt werden:

Beier Edith: einfache Plattenkamera mit Holzkorpus und einfachem Auszug, hergestellt seit der Gründung 1923, Platten- bzw. Filmformat 9 x 12 und 6,5 x 9 cm, verschiedene Verschlüsse (häufig der selbstspannende Vario von Gauthier)

Beier Lotte II: Plattenkamera mit Leichtmetallkorpus und doppeltem Auszug, vorgestellt 1929, Platten- bzw. Filmformat 9 x 12 und 6,5 x 9 cm, verschiedene Verschlüsse

Sie richteten sich an ambitionierte Amateurfotografen und zeichneten sich durch eine solide Verarbeitung aus.

Neben der Modernisierung der Plattenkameras weitete Beier in dieser Zeit sein Sortiment auf weitere Kameragattungen aus. Ebenfalls im Jahr 1929 erschien mit der Rifax die erste Klappkamera für Mittelformatfilm (120). Ihr folgten die Voran, Precisa und die Beirax (1936). Der grundlegenden Unternehmesphilosophie folgend handelte es sich auch bei diesen Modellen um solide Gebrauchskameras des mittleren Segments, die auf den wachsenden und gleichzeitig umkämpften Markt der Amateurfotografie ausgerichtet waren. Insbesondere die Precisa (im Format 6 x 6 cm) und Beirax (im Format 6 x 9 cm) sollten das Produktportfolio Beiers in den nächsten zwei Jahrzehnten prägen.

Beiers Ambitionen im Mittelformat sollten aber weiterreichen. Im Jahr 1938 kam mit der Beier-Flex eine Spiegelreflexkamera im Format 6 x 6 cm auf den Markt. Der Tuchschlitzschluss ermöglichte Belichtungszeiten bis 1/500 sec. 1939 folgte noch ein überarbeitetes Modell 2, bevor die Produktion im Rahmen der Umstellung auf Kriegswirtschaft zum Erliegen kam. Mit der Beier-Flex zeigte Beier seine Fähigkeit zur Konstruktion und Fertigung hochwertiger Kameras jenseits des Massenmarkts.

1931 reagierte Beier auf den wachsenden Erfolg des Kleinbildformats (24 × 36 mm) mit der Beika, die im Folgejahr in Beira umbenannt wurde. Von den zahlreichen Mitbewerbern in dem Segment hob sich das Modell durch die interessante Fernrohrsucherkonstruktion ab. Unterm Strich blieb die Beira jedoch ein Nischenprodukt. Mit dem zweiten Anlauf im Kleinbildformat entstand 1939 die Beirette, die später zum wohl bekanntesten Produkt des Hauses werden sollte. Die frühen Beirette-Modelle waren einfach konstruierte Sucherkameras.

Kriegszeit und Neuanfang

Der Zweite Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. Die zivile Kameraproduktion wurde eingeschränkt und kam im Jahr 1941 zum Erliegen. Im Gegensatz zu vielen Dresdner Firmen, blieb Beier von Kriegsschäden verschont. Allerdings wurde das Werk 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert und als Reparationsleistung in die UdSSR verbracht. 1946 nahm Beier die Produktion wieder auf, stellte aber vorerst einfache Haushaltsgegenstände her. Im Jahr 1949 wurde mit der Vorkriegs-Beirax die Kameraproduktion wieder aufgenommen.

Beier in der DDR

Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben in der sowjetischen Besatzungszone bzw. jungen DDR wurde das Unternehmen nicht nach Kriegsende verstaatlicht, sondern verblieb in Woldemar Beiers Besitz. Die Kameraproduktion konzentrierte sich in den 1950er-Jahren auf Rollfilm-Klappkameras, die im wesentlichen auf den Vorkriegskonstruktionen beruhrten. 1955 wurden die Precisa und Beirax modernisiert, was ich im wesentlichen auf neue Deckkappen mit integriertem Sucher beschränkte. 1958 sieht sich Beier dazu gezwungen, das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft zu wandeln und einen staatliche Beteiligung zuzulassen.

Im gleichen Jahr legt Beier die erste Nachkriegs-Beirette auf und kehrt damit zum Kleinbildformat zurück. Die Beirette wurde konsequent weiterentwickelt und in hohen Stückzahlen gefertigt. Die massentaugliche Kleinbildkamera prägte fortan die Produktpalette der Firma und wurde in einer Vielzahl an Modellvarianten in den folgenden drei Jahrzehnten für den Binnen- und Exportmarkt gefertigt. Genannt seien hier exemplarisch die Beier-Matic von 1961, mit der Beier seine erste halbautomatische Kamera auf den Markt brachte. Mit der Beirette K folgte 1965 die erste Kamera der Firma für SL-Filmkassetten.

Volkseigener Betrieb

1972 erfasste die zweite Verstaatlichungswelle der DDR auch die Kamerafabrik Beier, welche zum VEB Kamerafabrik Freital. 1976 folgt die Eingliederung in den Dresdner VEB Pentacon, welcher 1985 wiederum dem Kombinat Carl Zeiss Jena angeschlossen wird.

In den 1970er und 1980er Jahren liegt der Fokus voll und ganz auf der Fertigung verschiedenster Beirette-Modelle in großen Stückzahlen. Die Produktlinien umfassten Kameras für den klassischen Kleinbildfilm wie auch für SL-Kassetten. Die Produktion erfolgte teilweise auch in den Pentacon-Betriebsteilen, die ehemals zu Certo und Pouva gehörten. Unter der Vielzahl an Modellvarianten kann u.a. die SL400 mit mikroelektronisch gesteuertem Verschluss hervorgehoben werden. Obwohl technisch nicht mehr auf internationalem Stand der Technik blieb die Beirette bis in die 1985 auch eine Exportkamera, die in der BRD unter dem Markenname des Importeurs Beroquick erhältlich war.

Farbenfroh zeigten sich die einfachen Kameras der Reihe SL 100N, die ab 1987 vom Band liefen. Wie es bereits die Bezeichnung verrät, waren diese Geräte für den Kleinbildfilm in ORWO-SL-Patronen konzipiert.

1989 erschien eine einfache Sucherkamera mit der Bezeichung Praktica 35M, die sich nach der politischen Wende aufgrund ihrer technischen Rückständigkeit aber kaum mehr verkaufte. Es handelte sich um die letzte auf den Markt gebrachte Kamera aus Freital, da die geplante Variante Praktica 35MF nicht mehr zur Serienfertigung geführt wurde. Daran änderte auch die Restrukturierung zur GmbH im Sommer 1990 nichts mehr. Die produzierten Stückzahlen marginalisierten sich und 1992 erfolgte die Auflösung der Nachfolgegesellschaft.

Beier im Sächsischen Kameramuseum

Die in der Sammlung des SKM befindlichen Exponate spiegeln sowohl die Vorkriegsproduktion als auch die Entwicklung in der DDR wider. Naturgemäß umfasst der Bestand eine Vielzahl an Beirette-Varianten und die Bandbreite an Rollfilmkameras der 1930er bis 1950er Jahre, u.a. die Precisa IIa mit ungekuppeltem Entfernungsmesser von 1955. Vertreterin aus dem Segment der Plattenkameras ist u.a. eine Lotte II im Format 6,5 x 9 cm. Den Endpunkt der Produktion an der Weißeritz setzt in der Sammlung die recht seltene „Praktica“ 35M. Grundsätzlich ist der Sammlungsbestand zur Freitaler Kameraindustrie weiterhin ausbaufähig.

Certo – Dresdner Kamerabau zwischen Handwerk, Serienfertigung und DDR-Industrie

Certo – Dresdner Kamerabau zwischen Handwerk, Serienfertigung und DDR-Industrie

Der Dresdner Kamerabau bot neben den „Platzhirschen“ wie ICA, Ernemann und Zeiss Ikon lange Zeit auch Raum für kleinere Hersteller mit durchaus interessanten und konkurrenzfähigen Produkten. Certo gehört dazu: ein Hersteller, der vom frühen Plattenkamera-Handwerk über elegante Kleinbild-Faltkameras bis hin zu DDR-Seriengeräten einen langen Weg gegangen ist – und dabei immer wieder mit durchdachten Lösungen und bemerkenswert hoher Fertigungsqualität auffiel.

Von der Werkstatt zum Markenname „Certo“

Spätestens Anfang 1904 gründeten Alfred Lippert und Otto Peppel in Dresden-Johannstadt eine Werkstatt, in der zunächst vor allem Plattenkameras mit Holzgehäusen entstanden. Mit zunehmender Nachfrage entwickelte sich daraus ein Fabrikbetrieb; Firmierungen und Rechtsformen änderten sich mehrfach, typisch für viele wachsende Unternehmen dieser Zeit.

Bereits im Jahr 1905 wurde der Betrieb nach Großschachwitz verlagert, das damals noch nicht zu Dresden gehörte (Eingemeindung erfolgte 1921). Parallel etablierte sich der Markenname „Certo“ als Warenzeichen, der ab 1906 auch zum Namen des Unternehmens wurde.

Ein schönes (und äußerst seltenes) Beispiel für die Produktideen jener Zeit ist die 1906 präsentierte „Damenkamera“ – äußerlich einer kleinen Handtasche ähnlich, mit edler Anmutung im Jugendstil-Design. Solche Modelle zeigen, dass Certo früh nicht nur Technik, sondern auch Gestaltung und Zielgruppen mitdachte. Gleich wohl sollte sich der Fokus in den kommenden Jahren auf den wirtschaftlich wichtigen Massenmarkt legen.

Leider nicht im Bestand des Sächsischen Kameramuseums befindet sich die „Damenkamera“ von 1906. Wer dieses seltene Exponat sehen möchte, wird aber in den Technischen Sammlungen der Stadt Dresden fündig (Abb.)

Zwischenkriegszeit: Industrialisierung und neue Produktlinien

In den 1910er- und 1920er-Jahren nahm der Export zu, und der Betrieb wandelte sich Schritt für Schritt: Holzgehäuse traten zunehmend hinter Metallkonstruktionen zurück; zudem gewann die Serienfertigung an Bedeutung.

1917 übernahm der Kaufmann Paul Zimmermann den Betrieb. Unter seiner Führung wurde die Strukturierung und Modernisierung des Programms weiter forciert. Aus dieser Zeit stammen verschiedene Platten- und Rollfilmkameras, die den zeitgenössigen Anforderungen Rechnung trugen. Exemplarisch für den Bereich der Rollfilmkameras ist die Certonet für den 120er Mittelformatfilm im Format 6 x 9 cm. Auch die Certofix (einschließlich der sehr ähnlichen Certotix und Certix) ähnelten diesem Modell in Konstruktion und Leistung.  Ebenfalls in den 1920er-Jahren bot Certo eine Reihe Laufbodenkameras an, die sich konstruktiv ähnelten und im Wesentlichen die gefragten Formate von 6,5 x 9 cm bis 10 x 15 cm abdeckte. Exemplarisch sollen hier die Modellreihen Certoruf, Certolob und Certosport benannt werden. Certo bewegte sich damit in jenem klassischen Feld, in dem Dresden international einen Ruf hatte: solide Kameramechanik, zweckmäßige Konstruktionen und eine Fertigung, die auf den Alltagseinsatz ambitionierter Amateurfotografen ausgerichtet waren.

Der große Schritt zum Kleinbild: Dollina und Super Dollina

Mit 1935 beginnt das Kapitel, das Certo heute besonders bekannt macht: die Kleinbildkamera Dollina. Sie steht für den Übergang zu 35 mm – und damit für ein Format, das Fotografie mobiler, schneller und massentauglicher machte. Auch hier war Certo kein Trendsetter, sondern folgte einer Entwicklung, die ausgehend von der „Leica“ des Wetzlarer Unternehmens Ernst Leitz mittlerweile bei vielen Herstellern Verbreitung fand und zunehmende Marktanteile vorweisen konnte. Die „Dollina“ folge der Unternehmensstrategie, wertige und solide Kameras für anspruchsvolle Freizeitfotografen anzubieten, die preislich wettbewerbsfähig sind, auf einem Markt, der hart umkämpft ist. Mit der Dollina 2 folgte 1936 die Version mit gekuppeltem Messsucher, welcher auf das Gehäuse aufgesetzt war. Mit der Dollina 3 und schließlich der Super Dollina von 1938 folgten Kameras mit in das Gehäuse integrierten Messsuchern. Die Super Dollina wurde auch nach dem Krieg weiter gefertigt.

Parallel dazu weitete Certo das Programm aus: Ebenfalls ab 1935 begann die Fertigung von Vergrößerungsapparaten (etwa unter dem Namen „Certus“). Das passt ins Bild: Hersteller, die Kameras bauten, boten zunehmend auch Geräte für Dunkelkammer und Zubehör – ein ganzes Ökosystem rund um die Amateur- und ambitionierte Fotografie.

Auch jenseits des Kleinbildformats behielt Certo in den 1930er Jahren sein Kameraangebot bei. Weiterhin wurden Laufboden- und Faltkameras gefertigt. Für den 120er-Film soll die 1935 eingeführte Super Dolly Sport mit integriertem Messsucher nicht unerwähnt bleiben, die im gewissen Maße als Mittelformat-Pendant zur Dollina-Reihe verstanden werden darf.

Krieg, Neubeginn und der schwierige Übergang nach 1945

Wie viele Betriebe musste Certo ab 1940 die zivile Produktion unterbrechen und auf rüstungsrelevante Fertigung umstellen. Nach 1945 stand der Betrieb – trotz fehlender direkter Bombenschäden – durch Demontagen und Umbrüche wirtschaftlich unter enormem Druck. In Quellen wird sogar eine zeitweilige Behelfsproduktion (u. a. Zigarettenwickelmaschinen) erwähnt, bevor die Kameraproduktion wieder anlaufen konnte. Ab 1946 wurde die Super Dollina erneut gebaut – ein bemerkenswerter Neustart unter schwierigsten Bedingungen. Die Fertigung dieser Anfangszeit floss als Reparationsleistung in die Sowjetunion.

Die 1950er: Certo im DDR-Fotokosmos – Certo Six und Mittelformat

In den 1950er-Jahren zeigt sich Certo als Teil des ostdeutschen Kamerabau-Clusters – mit eigenen Lösungen und gleichzeitig enger Verzahnung mit Zulieferern (Objektive, Verschlüsse). Die nach dem Krieg wieder produzierte Super Dollina wurde 1951 durch die weiterentwickelte Super Dollina 2 abgelöst. Es handelte sich Anfang der 1950er-Jahre um die einzige Messsucherkamera der DDR. Paralell zur Super Dollina wurde die günstigere Durata (später Durata 2) angeboten, die auf einen Messsucher verzichtete.

Aber die wohl bekannteste Kamera dieser Phase ist die Certo Six: eine 6×6-Klapp-/Spreizenkamera für Rollfilm 120, mit gekoppeltem Messsucher und hochwertiger Ausstattung (z. B. Tessar 2,8/80, Zentralverschluss je Variante bis 1/500 sec, Parallaxenausgleich). Die neuere Forschung geht davon aus, dass die bereits auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1953 vorgestellte Kamera erst 1956 in die Serienfertigung überführt werden konnte. Während 1954 bis 1955 verhältnismäßig geringe Stückzahlen für den Export entstanden. [hierzu ausführlich: Kröger, Marco: Certo Six | zeissikonveb.de].

Certo Six aus der Sammlung des Sächsischen Kameramuseums: Version mit Tempor-Verschluss für den Inlandsmarkt, vermutlich 1957 gebaut

Die Rolle als Hersteller hochwertiger Kameras mit dem Anspruch der technischen Marktführerschaft blitzte nochmals (und letztmalig) 1963 mit der Certi auf. Diese Sucherkamera für das Kleinbildformat bot eine vollautomatische Belichtungssteuerung durch eine an den Belichtungsmesser gekuppelte Blendeneinstellung (heutige Bezeichnung wäre „Blendenautomatik“). Obwohl die Certi neben der doppelt so teuren und fehlerbehafteten Prakti des VEB Kamera- und Kinowerke Dresden eine der wenigen auf dem Ostmarkt verfügbaren Kameras mit Belichtungsautomatik war, wurde sie nur in geringen Stückzahlen gefertigt.

Teilverstaatlichung, VEB und die Jahre im Kombinat

Organisatorisch änderte sich nach 1950 vieles: Aus der Kapitalgesellschaft wurde 1953 eine OHG in familiärer Leitung durch Fritz von der Gönna (dem Enkel Paul Zimmermanns). Nach dessen Tod im Jahr 1959 übernahmen die Söhne Armin und Eckhard die technische und kaufmännische Leitung, mussten aber eine staatliche Beteiligung von 30 % akzeptieren, um die Rohstoff-, Material- und Kapitalausstattung des Werkes zu sichern.

Nach der Certo Six, deren Produktion Ender 1950er-Jahre eingestellt wurde, standen ab 1960 weitere Mittelformat-Modelle im Programm, die jedoch auf den Massenmarkt zielten – die (für ihre Gattung) außergewöhnlich hochwertig verarbeiteten Boxkameras Certo-phot und später Certina, die aus Kunststoff gefertigt wurden und in großen Stückzahlen auf dem Binnen- wie Exportmarkt angeboten wurden. Hervorzuheben aus dieser Bauart ist auch die Certo-matic (1960-65) mit gekoppeltem Nachführbelichtungsmesser, was für Boxkameras eine ungewöhnliche Ausstattung darstellt.

Als die Boxkamera eigentlich schon aus der Zeit gefallen war, brachte Certo 1960 mit der Certo-phot (und ihren Schwestermodellen) eine gut ausgestattete Kamera dieser Bauart auf den Markt, die in großer Stückzahl Absatz inner- und außerhalb der DDR fand. Die Kamera markiert den Wandel des Herstellers hin zum Massenmarkt. (Bestand Sächsisches Kameramuseum)

Ab April 1972 wurde Certo schließlich volkseigen und firmierte als VEB Certo-Kamerawerk Dresden; ab 1980 war der Betrieb dem Kombinat VEB Pentacon zugeordnet (juristisch zunächst noch eigenständig).

In dieser Phase verlagerte sich das Programm: Neben klassischen Kameras wurden vermehrt einfachere Sucherkameras hergestellt, die ab den 1970er Jahren die Produktpalette dominierten (z. B. KN 35, SL 100).

Das Ende als Kamerahersteller kam schrittweise: Bis Dezember 1982 liefen Certo-Kameras, danach wurde der Standort vor allem Zulieferbetrieb innerhalb des Kombinats. Zuletzt wurden im Certo-Werk die Exa 1b und 1c gefertigt, die konstruktiv aber ihre Wurzeln bei der Ihagee hatten, welche ebenfalls dem VEB Pentacon eingegliedert war. Als Betriebseinheit verschwand Certo in den 1980er-Jahren endgültig aus dem Kameramarkt.

Das Dresdner Stadtwappen ziert die Front der Certo-phot (Bestand Sächsisches Kameramuseum)

Certo im Sächsischen Kameramuseum

Gerade die Mischung aus eleganten Vorkriegs-Kleinbildkameras und den späteren DDR-Geräten macht Certo museal interessant: Man kann an einem Hersteller sehr gut zeigen, wie sich Fotografie, Konsumkultur und Industrieorganisation über acht Jahrzehnte verändert haben.

Das SKM beherbergt eine Vielzahl an Modellen aus den verschiedenen Phasen der wechselhaften Unternehmensgeschichte. Neben Laufbodenkameras der ersten Jahrzehnte (z.B. Certolob, Certofix) liegt ein Schwerpunkt der Sammlung auf den (Mess)Sucherkameras im Kleinbildformat; u.a. die Dollina 0, Dollina 1 und die recht seltene Dollina 3 repräsentieren die Vorkriegsentwicklung, während u. a. mit Super Dollina 2 und Durata Modelle der frühen DDR-Zeit präsentiert werden. Im Mittelformat sind als besondere Exponate die Super Dolly Sport von 1936 und natürlich die Certo Six erwähnenswert. Auch die vollautomatische Certi von 1963 ist Teil des Museumsbestands. Die Modelle für den DDR-Massenmarkt (z.B. Certo-phot und die SL-Reihe) zeigen die ab den 1960ern eingenommene Rolle des Unternehmens. Abgerundet wird die Sammlung durch die Exa 1c, die zwar bei Certo gefertigt wurde, jedoch keine Eigenentwicklung der Firma war.

Ihagee – Vom Handelsunternehmen zum innovativen Kamerahersteller

Ihagee – Vom Handelsunternehmen zum innovativen Kamerahersteller

Die Firma Ihagee gehört zu den prägenden Namen der Dresdner Kameraindustrie. Ihre Geschichte steht beispielhaft für den Aufstieg Dresdens zu einem der weltweit bedeutendsten Zentren feinmechanisch-optischer Industrie – ebenso wie für die Brüche und Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Besonders mit der Marke Exakta setzte Ihagee technische Maßstäbe, deren Einfluss bis heute spürbar ist.

Gründung und Aufbauphase

Gegründet wurde die Ihagee 1912 in Dresden durch den aus den Niederlanden stammenden Kaufmann Johann Steenbergen. Der Firmenname leitete sich von der ursprünglichen Bezeichnung Industrie- und Handelsgesellschaft ab. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg begann das Unternehmen mit der Fertigung fotografischer Apparate, zunächst vor allem einfacher Plattenkameras (meist im Format 9 x 12 cm). Als Besonderheit der frühen Produktionsphase kann die für damalige Verhältnisse besonders kompakte Plattenkamera „Mikrobie“ im Format im Format 4,5 x 6 cm benannt werden (ähnliches Prinzip wie Hüttig/Ica „Atom“). Hervorzuheben ist der „Luminax“-Vergrößerer (1918), der als Ansatz an Plattenkameras montiert wurde.

Konsolidierung und Erweiterung der Produktpalette nach dem 1. Weltkrieg

Nach einer wirtschaftlichen Schieflage zum Ende des Krieges und einer hieraus resultierenden Neugründung entwickelte sich Ihagee in den 1920er-Jahren zu einem international anerkannten Kamerahersteller. Die Produktpalette wurde systematisch ausgebaut und umfasste nun eine Vielfalt verschiedenster Bauarten und Formate. Viele Modelle boten wurden in mannigfaltigen Objektiv- und Verschlussvariationen angeboten, was die Kameras flexibel einsetzbar machte. Der Export – insbesondere nach Westeuropa und in die USA – gewann zunehmend an Bedeutung.

Neben Platten- und Rollfilmkameras in klassischer Bauweise sollen nur einige Besonderheiten dieser Epoche exemplarisch benannt sein:

  • Paff-Reflex (ab 1921): einfache Boxkamera mit Lichtschachtsucher und Mattscheibenfokussierung war die erste Spiegelreflexkamera der Ihagee; Ausführung für Rollfilm (Roll-Paff-Reflex) und Platten (Plan-Paff-Reflex)
  • Ihagee Neugold (ab 1923): hochwertige (und hochpreisige) Laufbodenkameras aus Messing und Tropenholz für Platten in den Formaten 6.5 x 9cm, 9 x1 2cm und 10 x 15cm
  • Patent Klapp-Reflex (ab 1924): kompakte, weil klappbare, Spiegelreflexkamera im Plattenformat 6,5 x 9 cm mit schnellem Tuchschlitzverschluss (max. 1/1000 sec.), gedacht für den professionellen Fotografen
  • Zweiverschluss Duplex (ab 1927): Laufbodenkamera mit Zentralverschluss (auf Objektivstandarte) und Tuchschlitzverschluss (auf Fokalebene) in den Formaten 6.5 x 9 cm, 9 x 12 cm und 10×15 cm; Bildformat horizontal
  • Parvola (ab 1936): kleine Sucherkamera für den 127er Film in den Formaten 3 x 4 cm, 4 x 6,5 cm sowie als Zweiformatausführung, die beide Bildgrößen ermöglicht
  • Exakta (ab 1933) und Kine-Exakta (ab 1936)
Roll-Paff-Reflex von 1921 – zeitgenössiger Katalogausschnitt (für US-Markt)
Neben Kameras stellte Ihagee fotografisches Zubehör verschiedenster Art her; u.a. Beleuchtungsaufsätze der Marke „Lumimax“, mit denen herkömmliche Laufbodenkameras zu Vergrößerungsgeräten umgewandelt wurden. [Abb. zeigt Titelseite eines Werbeprospekts der Ihagee]

Die ersten Exaktas: Spiegelreflex für 127er Rollfilm

Bereits vor der legendären Kleinbild-Exakta experimentierte Ihagee mit einäugigen Spiegelreflexkameras für Rollfilm. 1933 erschien die Exakta, ausgelegt für den 127er Rollfilm (Negativformat ca. 4×6,5 cm). Aufgrund des verwendeten Films wird die Kamera gerne als Vest Pocket Exakta oder Exakta VP bezeichnet in Abgrenzung zur später erschienenen Kine-Exakta für das Kleinbildformat. Wir möchten uns im Folgenden ebenfalls dieser Bezeichnung bedienen – wissend, dass diese nicht der zeitgenössigen Namensgebung entspricht.

Exakta (VP) Modell B von 1937 aus dem Bestand des Sächsischen Kameramuseums

Die Exakta VP verfügte bereits über:

  • einen Schwingspiegel zur exakten Bildkontrolle
  • einen Lichtschachtsucher
  • Wechselobjektive
  • eine für die Zeit erstaunlich kompakte Bauform

Die Vest Pocket Exakta richtete sich an ambitionierte Amateure und professionelle Fotografen. Sie bildete einen wichtigen technologischen Zwischenschritt. Viele konstruktive Lösungen – etwa der grundsätzliche Aufbau des Spiegelkastens – fanden später Eingang in die Kleinbild-Exakta. Ihagee sammelte hier entscheidende Erfahrungen im Bau serienreifer SLR-Kameras.

Der Durchbruch: Die Kine-Exakta und der Beginn der Spiegelreflexära im Kleinbild

Der entscheidende Wendepunkt in der Firmengeschichte kam 1936 mit der Vorstellung der Kine Exakta. Sie gilt als erste serienmäßig produzierte einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera (SLR) der Welt. Damit betrat Ihagee technisches Neuland und beeinflusste die Kamerakonstruktion nachhaltig. Die Kine-Exakta bot bereits im Jahr 1936:

  • 35-mm-Kleinbildfilm (perforierter Kinofilm)
  • Wechselobjektive mit Bajonettanschluss
  • Reflexsucher mit Schwingspiegel
  • umfangreiche Anschlussmöglichkeiten für Spezialzubehör

Besonders Wissenschaft, Medizin und technische Fotografie profitierten von diesen Neuerungen. Gleichzeitig sprach die Exakta auch ambitionierte Amateurfotografen an, die neue gestalterische Möglichkeiten suchten (und über die notwendige Liquidität verfügten). Kleinbild-SLRs dominierten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit das Segment der Kameras für ambitionierte Amateure und professionelle Fotografen.

Kine-Exakta in Form der sogenannten „Reparations-Exakta“ aus dem Jahr 1946 (aus Museumsbestand)

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg brachte die zivile Kameraproduktion erneut nahezu zum Erliegen. Die Dresdner Werke wurden bei Luftangriffen schwerst beschädigt. Nach 1945 begann der mühsame Wiederaufbau unter völlig veränderten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Auf Basis der Befehle 104 und 124 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) wurden Unternehmen in ausländischem Eigentum unter treuhänderische Verwaltung gestellt, was faktisch einer Kontrolle durch die SMAD bzw. ab 1949 durch den neugegründeten Staat gleichkam. Die Ihagee wurde unter diesen Rahmenbedingungen in Dresden als Ihagee Kamerawerk AG i. V. [in Verwaltung] weitergeführt und später in die volkseigene Industrie der DDR eingegliedert. Die unmittelbare Nachkriegsproduktion diente primär den an die sowjetische Besatzungsmacht zu liefernden Reparationsleistungen („Reparations-Exakta“). Dies führte immerhin dazu, dass die Produktionsanlagen (soweit nicht zerstört) in Dresden verblieben und eine Produktion der Kine-Exakta bereits 1945 wieder aufgenommen wurde.

Gleichzeitig entstanden in Westdeutschland separate Unternehmensstrukturen, was zu langjährigen Namens- und Markenrechtskonflikten führte.

In den 1950er-Jahren erreichte das Exakta-System seinen technischen Höhepunkt. Mit der Exakta Varex führte Ihagee ein konsequent modulares Kamerasystem ein. Wechselbare Sucher – darunter Prismensucher, Lichtschachtsucher und Spezialaufsätze – machten die Kamera für unterschiedlichste Einsatzbereiche nutzbar.

Parallel zur Exakta wurde ab 1951 die deutlich abgespeckte EXA angeboten, welche mit ihrem simplen Klappverschluss eine günstige Systemkamera für den heimischen Markt darstellte. Schnell entwickelte sich diese Kamera zu einem nachgefragten Modell, sodass 1955/56 eine Lizenzproduktion durch Rheinmetall Sömmerda erfolgte. Auch wenn die EXA kein Innovationsträger war, stellte sie nicht nur ein äußerst volumenstarkes Produkt für die Ihagee dar, sondern erfüllte eine besondere Rolle für die Versorgung des Konsumgütermarkts der DDR, der nach dem Volksaufstand von 1953 in den Fokus des Politbüros rückte. Insbesondere die Exa 1a und 1b wurden in hohen Stückzahlen produziert. 1960 wurde mit der Exa II eine weitere Produktlinie zwischen EXA 1 und Exakta platziert, die über eine schnelleren (Tuchschlitz)Verschluss als die Exa verfügte, jedoch keinen wechselbaren Sucher anbot (festes Prisma). Auch diese Kamera (einschließlich ihrer leicht modifizierten Folgemodelle) wurde bis 1969 in großen Stückzahlen gefertigt und bediente in wesentlichen Teilen den heimischen Markt der DDR bzw. der RGW-Staaten.

Späte Jahre und Bedeutungsverlust

Ab den 1960er-Jahren geriet Ihagee zunehmend unter Druck. Internationale Hersteller – insbesondere aus Japan – brachten modernere, benutzerfreundlichere Spiegelreflexkameras auf den Markt. Innerhalb der DDR erschwerten zentrale Planvorgaben, Materialengpässe und langsame Innovationszyklen die Weiterentwicklung. Es entstanden zwar weiterhin Exakta-Modelle (zuletzt 1967 die VX 1000 und VX 500), doch der technologische Vorsprung war verloren gegangen. Nennenswerte technische Innovationen erfuhren die Ihagee-Kameras ab Mitte der 1950er-Jahre nicht mehr.

Mit der Eingliederung in den VEB Pentacon verlor Ihagee 1969 seine Eigenständigkeit. 1970 endete die Produktion der Exakta VX1000/500, während die Exa 1b im VEB Pentacon bis Ende der 1980er-Jahre (zuletzt als 1c) hergestellt wurde. Ihagee steht wie kaum ein anderes Unternehmen für den Mut zur Innovation und die internationale Bedeutung der Dresdner Kameraindustrie. Die Exakta markiert einen Wendepunkt in der Fototechnik und ist bis heute ein Meilenstein der Industriegeschichte. Gleichwohl verkörpert auch kaum ein anderes Dresdner Unternehmen wie die Ihagee den Niedergang der ostdeutschen Kameraindustrie durch mangenden Innovationsschub ab den 1960er-Jahren.

Ihagee im Sächsischen Kameramuseum

Im Bestand des SKM befinden sich zahlreiche Modelle der Ihagee, sowohl aus der Vor- wie auch Nachkriegszeit. Neben Kine-Exakta (Vor- und Nachkriegsproduktion) wird die Entwicklung dieses zentralen Modells durch verschiedene Exponate der Exakta Varex-Varianten und verschiedene Ausführungen der EXA dokumentiert (einschließlich Systemzubehör). Zudem befinden sich verschiedene Produkte der Ihagee aus der Anfangs- und Zwischenkriegszeit im Museumsbestand (u.a. Photoklapp 9×12, Zweiverschluss-Duplex, Exakta VP Modell B, Parvola, Ultrix).

Auch hier wird der Museumsbestand fortwährend erweitert und konnte zuletzt durch die Parvola ergänzt werden. Gleichwohl werden weiterhin wichtige Exponate zur Sammlungsergänzung gesucht (z.B. Klapp-Reflex aber auch verschiedene Exakta-Ausführungen).