Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Gebrüder Huth – ein Dresdner Unternehmen zwischen Kamerabau, Handel und Fotopapier

Die Firma Gebrüder Huth gehört zu jenen Dresdner Photounternehmen, die heute weniger bekannt sind als die großen Namen Ernemann, Hüttig oder später Ihagee, die aber dennoch ein wichtiges Kapitel der sächsischen Fotoindustrie mitgeschrieben haben. Nach heutigem Forschungsstand wurde die Photographische Manufaktur Gebrüder Huth 1886 in Dresden von den Brüdern Theodor Hermann Huth und Robert Adolph Walter Huth gegründet. Entsprechend des zugehörigen Handelsregisterauszugs existierte das Unternehmen (zumindest rechtlich) bis 1937.

Die Anfänge des Hauses Huth lagen nicht allein im Kamerabau. Verschiedene Quellen beschreiben die Firma zunächst als Handelshaus für photographische Artikel, das sein Geschäft um eine eigene Produktion erweiterte. Augenscheinlich ist, dass Huth unter seinem Firmennamen neben eigengefertigten Kameras auch Produkte weiterer Hersteller vertrieb. Diese heute als „OEM“ bezeichnete Vorgehensweise war in der Branche zum damaligen Zeitpunkt verbreitet (z.B. Hugo Stöckig Dresden/Bodenbach). Leider sind heute kaum belastbare Informationen verfügbar, die einen Überblick über die Produktpalette der Firma, selbst- und fremdproduzierte Kameras oder gar deren Stückzahlen liefern. Bei Kadlubeck werden lediglich drei Modelle (13×18-Kameras) dem Hersteller Huth zugeschrieben. Allerdings bleibt in Zweifel zu ziehen, dass diese Auflistung als abschließend zu betrachten ist.

Besser dokumentiert ist ein wichtiges Standbein der Firma im Bereich der fotografischen Bedarfsmittel. Bereits ab 1889 ist eine Albuminpapierfertigung nachweisbar; ab 1890 trat diese unter der Bezeichnung „Sächsische Albuminpapierfabrik Gebrüder Huth“ hervor. Damit bewegte sich das Unternehmen in einem Feld, das für die frühe Fotografie von großer Bedeutung war: Nicht nur die Kamera selbst, sondern auch empfindliche Materialien, Papiere und Zubehör entschieden über die Qualität des fertigen Bildes. Dass Gebrüder Huth in diesem Bereich tatsächlich wahrgenommen wurde, belegt auch die zeitgenössische Fachpresse. In der „Photographischen Korrespondenz“ werden von Gebrüder Huth in Dresden präparierte Albuminpapiere ausdrücklich erwähnt; die dazu gezeigten Abzüge hätten, so der Bericht, ein gutes Zeugnis für die ausgestellte Papiersorte abgelegt. Solche Hinweise sind für die Firmengeschichte besonders wertvoll, weil sie zeigen, dass Huth nicht nur im lokalen Handel sichtbar war, sondern auch im fachlichen Umfeld der damaligen Fotobranche Beachtung fand.

Ende der 1890er Jahre trat dann stärker der Kamerabau hervor. In den verfügbaren Firmenübersichten wird beschrieben, dass die Kamerafertigung in der Photographischen Manufaktur Gebrüder Huth in der Saxoniastraße aufgenommen wurde. Daneben blieb das Haus offenbar weiterhin Händler: Mehrere Quellen weisen darauf hin, dass Huth neben eigenen Erzeugnissen ebenso hochwertige Fototechnik und Zubehör anderer Hersteller vertrieb. Das war in der damaligen Fotoindustrie nicht ungewöhnlich. Viele Unternehmen kombinierten Werkstatt, Handel, Reparatur und Zubehörverkauf unter einem Dach. Der Hinweis auf die Fertigung der Albuminpapiere wurde im Jahr 1899 aus dem Firmennamen getilgt, sodass davon ausgegangen werden darf, dass dies zu diesem Zeitpunkt bereits eingestellt war. Dies deckt sich mit der generellen Entwicklung dieses Marktes zur Jahrhundertwende, die von einem Zusammenschluss bzw. Verschwinden kleinerer Fotopapierhersteller geprägt war.

Für die technische Ausrichtung des Unternehmens spricht zudem ein in der Fachzeitschrift „Der Mechaniker“ verzeichneter Patenteintrag auf Gebrüder Huth, Dresden. Dort wird ein pneumatischer Jalousieverschluss für Zeit- und Momentaufnahmen genannt. Auch wenn aus einem einzelnen Patent noch kein vollständiges Bild des Produktionsprogramms entsteht, zeigt dieser Hinweis doch, dass sich die Firma nicht auf reinen Handel beschränkte, sondern an der Weiterentwicklung fotografischer Verschlusstechnik beteiligt war. In derselben Fachpresse erscheinen außerdem Hinweise auf von Huth eingesandte Preislisten, was die aktive Marktpräsenz des Unternehmens zusätzlich unterstreicht.

Die Geschichte der Firma war eng mit der Familie Huth verbunden. Nach dem Tod von Theodor Hermann Huth im Jahr 1906 führte sein Bruder Robert Adolph Walter Huth das Unternehmen weiter. Für die folgenden Jahre ist zudem Bertha Huth greifbar: Sie besaß nach vorliegenden Angaben seit November 1908 Prokura und übernahm nach dem Tod ihres Mannes 1914 die Leitung des Betriebs. Damit gehört Gebrüder Huth auch zu den Dresdner Fotounternehmen, in denen eine Unternehmerwitwe die Geschäfte über längere Zeit fortführte – ein in der Industriegeschichte keineswegs seltener, aber oft zu wenig beachteter Umstand. Das Ende der Firma wird auf 1937 datiert; nach dem Tod Bertha Huths sei der Betrieb geschlossen worden. Hierfür spricht auch der Handelsregistereintrag, der die Löschung der Gesellschaft in dem Jahr dokumentiert.

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

VEB Pentacon Dresden – Vom DDR-Großbetrieb zum Niedergang des Dresdner Kamerabaus

Der Name Pentacon steht bis heute für ein bedeutendes Kapitel der Dresdner Kameraindustrie. Seine Wurzeln reichen in die traditionsreiche Feinmechanik- und Optiklandschaft der Stadt zurück, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den wichtigsten Zentren des deutschen Kamerabaus gehörte. Nach 1945 wurden zahlreiche Betriebe der Branche in der sowjetischen Besatzungszone enteignet und schrittweise in volkseigene Strukturen überführt. Aus Teilen der ehemaligen Zeiss-Ikon-Werke sowie weiteren Dresdner Kamerabetrieben entstand zunächst der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden. 1964 erhielt der Betrieb schließlich den Namen VEB Pentacon Dresden. Der Markenname leitete sich von „Pentaprisma“ und „Contax“ ab und verwies damit zugleich auf technische Innovation und Dresdner Tradition.

Pentacon wurde in der DDR zu einem der bekanntesten Hersteller fotografischer Geräte. Besondere Berühmtheit erlangte das Unternehmen mit den Spiegelreflexkameras der Marke Praktica, die auf Entwicklungen der früheren Kamera-Werke Niedersedlitz aufbauten. Hinzu kamen Modelle wie die Pentacon Six, die Penti, die Pentina oder die Pentacon Super. Vor allem die Praktica-Kameras wurden in großen Stückzahlen gefertigt und in viele Länder exportiert. Damit war Pentacon nicht nur ein wichtiger Industriebetrieb in Dresden, sondern auch eines der international sichtbarsten Unternehmen des DDR-Kamerabaus. Im Laufe der Jahre wurde Pentacon zudem in größere Strukturen der DDR-Optikindustrie eingegliedert: 1968 entstand das Kombinat VEB Pentacon Dresden, 1985 ging dieses wiederum im Kombinat Carl Zeiss Jena auf.

Technisch und kulturgeschichtlich ist Pentacon vor allem deshalb bedeutsam, weil sich in seinen Produkten mehrere Linien der Dresdner Kamerageschichte bündelten. Einerseits lebte die Tradition der frühen Spiegelreflexkamera weiter, für die Dresden bereits seit der Vorkriegszeit berühmt war. Andererseits stand Pentacon für die Industrialisierung des Kamerabaus in der DDR: robuste, bezahlbare und oft exportorientierte Modelle prägten das Bild des Unternehmens. Die Praktica wurde über Jahrzehnte zu einem festen Begriff für Amateur- und anspruchsvolle Freizeitfotografie. Nach heutigem Kenntnisstand wurden von 1948 bis 2001 rund neun Millionen Praktica-Kameras gebaut – eine Zahl, die die enorme Reichweite dieser Marke eindrucksvoll verdeutlicht.

Mit der deutschen Einheit begann für Pentacon eine tiefgreifende Umbruchphase. Wie viele ehemalige DDR-Betriebe musste sich auch der Dresdner Kamerahersteller unter marktwirtschaftlichen Bedingungen neu aufstellen. Der volkseigene Betrieb endete zum 1. Juli 1990 und wurde in diePentacon GmbHumgewandelt. Mit der Währungsreform, die am selben Tag in Kraft trat, war Pentacon – wie viele Ostbetriebe – nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produktionskosten überstiegen, die erzielbaren Verkaufserlöse nun spürbar, da der Währungsvorteil im Export über Nacht wegbrach. Bereits zum 02.10.1990 meldete die Treuhand die Liquidation der Pentacon GmbH an, was das Ende des Großbetriebs in seiner bisherigen Form bedeutete. Die Pentacon GmbH i.L. wurde von Heinrich Mandermanns Gruppe Schneider Kreuznach von der Treuhand erworben. Mandermann hatte als Importeur gute Beziehungen zum Dresdner Betrieb. Unter Schneider wurde die Praktica BX20s noch bis 2001 vertreiben (die Fertigung endete vermutlich 2000). Im Jahr 1997 firmierte das Unternehmen in Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik um, was die Verschiebung zu anderen Tätigkeitsfeldern im Bereich der Präzisionstechnik innerhalb einer optischen Unternehmensgruppe symbolisierte. Parallel zur auslaufenden Fertigung der Praktica BX20s fertigte Pentacon u.a. Scantechnik. Auch wurden Kompaktkameras aus fernost importiert und unter der Marke Pentacon vertrieben. Im Jahr 2024 wurde die Pentacon GmbH aus dem Handlesregister gelöscht. Damit endete die lange Traditionslinie des Dresdner Kamerabaus, der über Hüttig und Wünsche erst in der ICA, dann in der Zeiss Ikon und letztlich in Pentacon mündete.

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Zeh – „Zeca“-Kameras aus Dresden-Löbtau

Ein eher kleiner Name – aber ein bemerkenswerter Teil der Dresdner Kameraindustrie:
Die Firma Paul Zeh fertigte in Dresden-Löbtau über mehrere Jahrzehnte Kameras und fotografisches Zubehör. Unter dem Markennamen Zeca entstanden Modelle, die heute vor allem unter Sammlern geschätzt werden – nicht zuletzt wegen ihrer eigenständigen Konstruktionen.

Die Firma wurde 1902 gegründet und begann zunächst mit der Herstellung fotografischer Bedarfsartikel und Verschlüsse. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus eine eigene Kameraproduktion.

Spätestens in den 1920er Jahren trat der Betrieb als „Zeh-Camera-Fabrik Paul Zeh“ auf. Der Firmensitz befand sich in Dresden-Löbtau, Deubener Straße 29 – einem Stadtteil, der damals Teil des bedeutenden Dresdner Industrieumfeldes war.

Markenname „Zeca“ und Modellvielfalt

Die Kameras wurden überwiegend unter dem Namen Zeca vertrieben. Die ersten Jahre waren geprägt von einfachen bis besser ausgestatteten Laufbodenkameras, die sich nicht wesentlich von den Amateurprodukten der Mitbewerber unterschieden (z.B. Zeca, Zeca Junior, Zeca Sport). Mit der Zeit erweiterte und differenziert Zeh die Produktpalette. Hinzu kamen u. a. Mittelformat-Faltkameras wie die Bettax.

Ein besonders bekanntes Modell ist die Goldi, eine kompakte Faltkamera im Format 3×4 cm. Bemerkenswert ist, dass baugleiche oder sehr ähnliche Kameras auch unter anderen Namen verkauft wurden. Das deutet darauf hin, dass Paul Zeh teilweise auch für andere Anbieter produzierte.

Zu den interessantesten Kameras des Herstellers zählt die Zeca-Flex (um 1937). Dabei handelt es sich um eine ungewöhnliche Kombination aus zweiäugiger Spiegelreflexkamera (TLR) und Mittelformat-Faltkamera für den Filmtyp 120. Diese Verbindung war zur damaligen Zeit technisch anspruchsvoll und selten. Ziel war es, die Vorteile einer Spiegelreflexkamera mit der Kompaktheit einer Klappkamera zu vereinen. Als Konstrukteur gilt Ernst Zeh, ein Angehöriger der Familie. Für die Bauweise wurde Mitte der 1930er Jahre ein Patent erteilt. Heute gehört die Zeca-Flex zu den seltenen und gesuchten Sammlerstücken.

Wie für die meisten Hersteller endete auch für Zeh die Kameraproduktion 1940 aufgrund der Umstellung auf Kriegswirtschaft. Eine erneute Aufnahme der Kameraproduktion nach dem Krieg ist nicht bekannt. Die Firma erlosch 1948.

Zeh im Sächsischen Kameramuseum

Das Sächsische Kameramuseum kann einige Exponate des Herstellers Paul Zeh sein Eigentum nennen. Neben der einfachen Plattenkamera Zeca Junior und weiteren Laufbodenkameras, wie der Zeca Sport, sind wir besonders stolz auf ein gut erhaltenes Exemplar der seltenen und technisch interessanten Zeca-Flex.

Die Geschichte der Firma ist eher lückenhaft dokumentiert. Sollten Sie eine Zeh-Kamera besitzen oder Hinweise zur Firmengeschichte geben können, freut sich das Museum über Ihre Nachricht.