Die Firma Balda gehörte über viele Jahrzehnte zur vielfältigen Dresdner Kameraindustrie. Vor allem war das Unternehmen für erschwingliche Kameras für den Amateurmarkt bekannt. Die Geschichte des Herstellers spiegelt zugleich die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider – von der privaten Manufaktur über Enteignung und Volkseigentum bis hin zur späteren Neugründung des Unternehmens in Westdeutschland.
Gründung und frühe Entwicklung
Gegründet wurde das Unternehmen im November 1908 in Laubegast bei Dresden (seit 1921 nach Dresden eingemeindet) durch den Mechaniker Max Baldeweg. Zunächst firmierte der Betrieb als „Fabrik photographischer Artikel Max Baldeweg“. Die Produktion konzentrierte sich anfangs noch nicht auf komplette Kameras, sondern auf fotografisches Zubehör. Unter den frühen Produkten Baldewegs ist der „Triumph“-Jalousieverschluss hervorzuheben, mit dem Reise- und andere Kameras nachgerüstet werden konnten. Auch Filmhalter bzw. -kassetten und Zeitauslöser wurden durch das Unternehmen gefertigt.
Der Markenname „Balda“ wurde 1913 eingetragen und entwickelte sich bald zum eigentlichen Firmenkennzeichen. Mit wachsender Nachfrage expandierte der Betrieb in den folgenden Jahren. Die Serienproduktion eigener Kameras wurde jedoch erst 1925 aufgenommen und richtete sich gezielt an eine wachsende Zielgruppe: den fotografierenden Amateur. Besonders einfache Boxkameras und kompakte Faltkameras sollten vor allem junge Menschen für die Fotografie begeistern.
Kameras für ein breites Publikum
Die Produkte aus dem Hause Balda zeichneten sich vor allem durch zwei Merkmale aus: eine vergleichsweise einfache Bedienung und einen moderaten Preis. Damit unterschieden sie sich von vielen technisch aufwendigeren Modellen anderer Dresdner Hersteller. Das Portfolio der Balda-Werke ähnelt in vielen Punkten dem lokalen Mitbewerbern Certo und Welta, mit der Einschränkung, dass bei Balda das Segment der Boxkameras stärker ausgeprägt war. Hier wurden ab Mitte der 1920er Jahre mehrere Modellreihen auf den Markt gebracht, die parallel gefertigt und vertrieben wurden. Einige bekannte Beispiele sind Poka, Rollbox und Frontbox (alle im Format 6 x 9 cm) sowie Micky (4 x 6,5 cm auf 127er-Film).
Einen wichtigen Schritt stellte die Einführung der Kleinbildkamera Baldina im Jahr 1935 dar. Sie nutzte das heute klassische Aufnahmeformat von 24 × 36 mm und war mit Objektiven renommierter Hersteller wie Zeiss und Schneider-Kreuznach ausgestattet. Mit der kompakten Kleinbild-Sucherkamera mit Balgenkonstruktion griff Balda ein Prinzip auf, dass auch bei anderen Herstellern erfolgreich umgesetzt wurde. Die wohl bekannteste Vertreterin dieser Bauart war die Kodak Retina aus dem vormaligen Nagel-Werk (Stuttgart). 1936 folgte die Super Baldina, die technisch weiterentwickelt war und einen gekuppelten Entfernungsmesser aufwies. Zum 30-jährigen Firmenjubiläum erschien 1938 außerdem die Balda Jubilette – im Grunde eine etwas vereinfachte und preisgünstigere Version der Baldina.
Diese Kameras zeigen deutlich die Position des Unternehmens im Markt: Balda produzierte keine luxuriösen Spezialkameras, sondern solide Geräte für eine breite Käuferschicht.
Kriegszeit und Zerstörung
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste auch das Balda-Werk seine Produktion umstellen. Die Herstellung ziviler Kameras wurde eingestellt und durch Rüstungsfertigung ersetzt, in erster Linie Messtechnik für die Luftwaffe.
Während der Luftangriffe auf Dresden wurde das Werk schwer beschädigt. Nach Kriegsende begann zwar ein Wiederaufbau, doch zunächst konnten keine Kameras produziert werden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit fertigte der Betrieb daher einfache Alltagsgegenstände.
Enteignung und Neuanfang nach 1945
Die politischen Veränderungen nach dem Krieg führten zu einem tiefen Einschnitt. Der Firmengründer Max Baldeweg und der Direktor Willibald Lauterbach verließen Dresden und gründeten das Unternehmen später im westfälischen Bünde neu.
Der Dresdner Betrieb dagegen wurde im Juni 1946 enteignet und in die volkseigene Industrie der DDR überführt und der Industrieverwaltung 24 OPTIK unterstellt. In den folgenden Jahren wechselte der Betrieb mehrfach seine Bezeichnung, unter anderem als „MECHANIK Balda-Werk VEB Dresden“. Der Name Balda wurde, um Namensstreitigkeiten mit dem in Bünde (BRD) gegründeten Unternehmen zu vermeiden 1951 aufgegeben. Fortan führte der Betrieb die Bezeichnung OPTIK Belca-Werk VEB Dresden. Der Erzeugnisse wurden unter der Marke Belca vertrieben. Weite Verbreitung fand die aus der Baldina entwickelte Klappkamera Belticafür den Kleinbildfilm. Ebenfalls in großen Stückzahlen wurde die Belfoca als klassische Mittelformat-Faltkamera hergestellt. Sie hat ihre unverkennbaren Wurzeln in der Balda Juwella hat. Besonders hervorzuheben ist die Belplasca aus dem Jahr 1953. Diese Kamera war eine Stereokamera, die gleichzeitig zwei leicht versetzte Bilder im Format 24 x 24 mm aufnahm. Beim Betrachten mit einem Stereobetrachter entstand dadurch ein räumlicher Bildeindruck. Passend zur Kamera wurde auch der Diaprojektor Belpascus angeboten. Das System erregte in den 1950er-Jahren große Aufmerksamkeit, blieb aber ein interessantes Nischenprodukt.
Im Jahr 1956 ging das Belca-Werk vollständig im VEB Kamera-Werke Niedersedlitz auf.
Bedeutung innerhalb der Dresdner Kameraindustrie
Balda war nie der größte Kamerahersteller Dresdens, spielte jedoch eine wichtige Rolle im breiten Geflecht der sächsischen Fotoindustrie. Die Firma trug dazu bei, Fotografie auch für Einsteiger und Amateurfotografen erschwinglich zu machen. Besonders die einfachen Rollfilm- und Kleinbildkameras fanden über viele Jahre ein großes Publikum.
Darüber hinaus zeigt die Geschichte des Unternehmens exemplarisch, wie eng technische Entwicklung und politische Rahmenbedingungen miteinander verbunden waren. Der Übergang von der privaten Firma zum volkseigenen Betrieb und schließlich die Fortführung des Namens in Westdeutschland spiegeln die Teilung Deutschlands nach 1945 wider.
Auch das Ende der Eigenständigkeit im Jahr 1956 durch Eingliederung in die Kamera-Werke (KW) steht exemplarisch für einen Prozess, der sich in den folgenden Jahren in der Branche fortsetzen sollte und zu einer Konzentration der sächsischen Fotoindustrie im VEB Pentacon und letztlich der mitteldeutschen Foto- und Optikindustrie im VEB Carl Zeiss Jena führte.
Balda / Belca im Sächsischen Kameramuseum
Im Bestand des SKM finden sich zahlreiche Exponate aus den verschiedenen Phasen der Unternehmensgeschichte. Für die Anfangsjahre steht der Jalousieverschluss „Triumpf“. Verschiedene Ausführungen der Mittelformatkamera „Juwella“ sowie der Kleinbildkamera „Baldina“ spiegeln die Tätigkeit Baldas vor dem 2. Weltkrieg wider. Die Bandbreite der Exponate reicht von simplen Boxkameras (z.B. „Frontbox“) bis zur anspruchsvollen Super Baldina von 1936.
Die Unternehmensgeschichte der Nachkriegszeit dokumentieren Massenkameras wie die Beltica, Belfoca 1 und Belfoca 2 gleichermaßen wie die recht seltene Stereokamera Belplasca einschließlich des noch selteneren Projektors Belpascus.
Auch einige Kameras der im westfälischen Bünde ansässigen Balda AG befinden sich im Fundus, so z.B. die Mess-Baldix als Porst HAPO 66E. Diese Kameras dokumentieren die Entwicklung, die das vormals mitteldeutsche Unternehmen nach Neugründung in der BRD nahm, sind aber nicht mehr dem Kamerabau an der Elbe zuzurechnen.