VEB Kamerafabrik Freital – Beirette VSN

Die Beirette VSN wurde 1974 durch den VEB Kamerafabrik Freital eingeführt und kann zur 2. Generation der Nachkriegs-Beirette gezählt werden. Wie es für die Kameraserie der Beirette charakteristisch war, konzentriert sich die einfache Kleinbild-Sucherkamera auf das fotografisch Notwendige. Ihre Steuerung erfolgt rein mechanisch. Die VSN ist eine vollmechanische 35-mm-Sucherkamera ohne Belichtungsmesser und ohne elektrische Komponenten. Design und Ausstattung waren darauf ausgelegten, dem fotografischen Laien mit einfacher Bedienung brauchbare Ergebnisse für die private Alltagsfotografie zu ermöglichen. Diese Ausrichtung auf den Massenmarkt spiegelt sich auch in der Produktionszahl von rund 1,8 Mio. Exemplaren wider.

Konstruktion und Gehäuse

Das Gehäuse misst rund 11 x 8 x 7 cm und wiegt etwa 260 Gramm. Das geringe Gewicht resultiert aus dem maßgeblichen Einsatz von Kunststoff in Verbindung mit Aluminium und einigen Metallelementen. Die Formgebung ist sachlich, nahezu kubisch, mit klar strukturierten Bedienelementen. Der gesamte Kameraaufbau ist – wie für die Beirette typisch – auf einfache Bedienbarkeit ausgerichtet.

Die Front wird vom fest verbauten Objektiv und dem verhältnismäßig großen Auslöser dominiert, flankiert von einem schlichten, aber großen und hellen Leuchtrahmensucher. Auf der Oberseite befinden sich Filmtransporthebel, Rückspulkurbel und Zubehörschuh. Die Unterseite trägt das genormte 1/4-Zoll-Stativgewinde. Das Filmzählwerk ist auf der Kamerarückseite in einem kleinen Fenster links neben dem Suchereinblick positioniert.

Der Filmtransport erfolgt über einen Schnellspannhebel mit integrierter Doppelbelichtungssperre. Das Rückspulen geschieht klassisch über eine Kurbel auf der Kameraschulter. Der Aufbau des Innenraums ist übersichtlich. Der Filmeinlegevorgang unkompliziert über einen Filmmitnehmer.

Objektiv und Verschluss

Die Beirette VSN ist mit einem fest verbauten Meritar 1:2,8/45 mm ausgestattet – einer klassischen Normalbrennweite für das Kleinbildformat 24 × 36 mm. Die Konstruktion entspricht dem für diese Kameraklasse typischen Dreilinser-Typ (Cooke-Triplet-Prinzip). Das einfache Objektiv liefert bei mittleren Blenden solide Schärfe und ordentliche Kontrastwerte. Die Blendenreihe reicht von der Offenblende 1:2.8 bis zu 1:22. Die Naheinstellgrenze liegt bei 60 cm. Die Entfernungseinstellung erfolgt über einen griffigen Ring mit Entfernungs- und Symbolskala. Die Distanz wird geschätzt bzw. anhand der Symbolmarkierungen gewählt.

Die Tripletlinse „Meritar“ aus Weixdorf sorgte für eine solide Abbildungsleistung mit allen bauartbedingten Stärken und Schwächen.

Die VSN arbeitet mit einem mechanischen Zentralverschluss vom Typ Priomat-S, der neben der Langzeitbelichtung „B“ die Zeiten 1/30, 1/60, 1/125. Die Auswahl der Belichtungszeiten verbirgt sich bei der Beirette VSN unter der Einstellung der Filmentfindlichkeit. Soll bedeuten: Das Bedienkonzept war nicht darauf ausgelegt, dass der Nutzer grundsätzliche Gedanken über die korrekte Belichtungszeit anstellt. Vielmehr sollte diese in Abhängigkeit der Filmempfindlichkeit dauerhaft eingestellt werden und die Belichtungseinstellung über die Blende erfolgen. Hierzu weist der Blendenring verschiedene Piktogramme entsprechend der Lichtsituation auf.

Der helle Leuchtrahmensucher bietet eine einfache, klare Bildbegrenzung. Eine Parallaxmarkierung unterstützt die korrekte Bildgestaltung im Nahbereich.

Nicht nur die einfache Bedienweise, sondern auch der große, helle Sucher erleichterte den Hobbyfotografen die Arbeit.
Die Leuchtrahmenmarkierung ermöglichte trotz fehlenden Parallaxenausgleichs eine Einschätzung des korrekten Bildausschnitts.

Die Beirette VSN verfügt über einen Zubehörschuh mit Mittenkontakt über den die handelsüblichen Blitzgeräte angeschlossen und ausgelöst werden konnten.

Einordnung der Kamera

Die VSN steht für den seit den 1960er Jahren vollzogenen Wandel des VEB Kamerafabrik Freital (vormals Beier) zu einfachen, jedoch in hohen Stückzahlen gefertigten Kameras, die insbesondere für den heimischen Konsumgütermarkt gedacht waren. Gleichwohl wurde die Beirette VSN auch in westliche Länder exportiert. So wurde über den Importeur Beroflex das Modell als Beroquick KB 35 in der BRD angeboten. Die britische Drogeriekette Boots vertrieb die VSN als „Boots Beirette“.

Das hier als Museumsexemplar gezeigte Modell wurde ausweislich der Seriennummer im April 1984 gefertigt. Während die Konstruktion über den 15-jährigen Fertigungszeitraum unverändert blieb, weisen die Kamers durchaus optische Unterschiede aus. Augenscheinlich sind neben den klassischen silbernen Gehäusen seltenere Farbgebungen in schwarz, rot und blau. Auch die Gestaltung und Färbung des Fokusrings variierte.

In einer deutlich einfacheren Ausstattung (Chromar-Objektiv und Einfachverschluss) wurde die VSN als Beirette K100 angeboten.

Für einen Aufpreis von 14 Mark der DDR wurde die Beirette VSN mit einer Bereitschaftstasche aus schwarzem Kunstleder geliefert.

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