Mit der Belfoca I brachte das Dresdner Belca-Werk 1952 eine einfache und zugleich vielseitige Rollfilmkamera für Amateurfotografen auf den Markt. Die Belfoca I entstand in einer Zeit des Wiederaufbaus der Fotoindustrie in Dresden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das frühere Balda-Werk verstaatlicht und als VEB Belca-Werk Dresden weitergeführt. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich eine Reihe preisgünstiger Kameras für den breiten Amateurmarkt – darunter auch die Belfoca-Modelle.

Konstruktion
Die Kamera gehört zu den klassischen Klapp- beziehungsweise Spreizenkameras jener Zeit: Im zusammengeklappten Zustand ist sie kompakt und geschützt, für die Aufnahme wird die Frontklappe geöffnet und der Balgen entfaltet sich.
Die Belfoca I arbeitet mit 120er Rollfilm und ermöglicht zwei Aufnahmeformate:
- 6 × 9 cm für acht Aufnahmen pro Film
- 6 × 6 cm für zwölf Aufnahmen, wenn eine entsprechende Bildmaske eingesetzt wird.
Damit bot die Kamera eine gewisse Flexibilität, ohne dass der Fotograf auf eine andere Kamera wechseln musste.
Technik und Ausstattung
Die Belfoca I ist schlicht und zweckmäßig konstruiert. Ausgelegt auf das 6×9-Format ist die Kamera mit einem dreilinsigen 105mm-Objektiv versehen. Das hier gezeigte Exemplar ist mit dem Bonotar 105 mm / 1:4.5 des Herstellers Feinmess Dresden ausgestattet. Alternativ kam bei der Belfoca auch das Meritar 105 mm / 1.4.5 der Firma Ernst Ludwig aus Weixdorf bei Dresden zum Einsatz. Auch das lichtschwächere Feinmess Bonar 105 mm / 1:6.3 kam in der Belfoca zum Einsatz.
Das Museumsexemplar verfügt über einen Zentralverschluss „Priomat“ des VEB Zeiss Ikon. Der selbstspannende Verschluss bietet drei Zeiten (1/25, 1/50, 1/100) und die Langzeitbelichtung (B) an. Die Belfoca wurde auch mit weiteren Verschlussmodellen der Baugröße 0 ausgestattet, die sich im Leistungsspektrum ähnelten (i.d.R. Selbstspanner mit 3 Zeiten + B), z.B. Junior oder Binor (beide Gebr. Werner Tharandt). Als höherwertige Ausstattung wurde die Belfoca I auch mit dem Spannverschluss „Tempor“ (VEB Zeiss Ikon) angeboten, der eine erweiterte Zeitenreihe bis 1/250 sec. anbot.

Für die Nutzung eines Stativs besitzt die Kamera ein 3/8-Zoll-Stativgewinde, sodass auch längere Belichtungszeiten möglich waren.
Bedienung
Der Filmtransport der Belfoca I erfolgt über ein Metallrad auf der linken Oberseite des Kameragehäuses. Die Kontrolle erfolgt über zwei Rotfenster entsprechend des gewählten Filmformats 6×6 oder 6×9 auf der Kamerarückseite. Die Fenster werden vor Lichteinfall durch Schiebeklappen gesichert.

Die Motivauswahl erfolgt durch einen einfachen Rahmen-Klappsucher ohne optische Elemente. Der Sucherausschnitt kann durch einen kleinen Hebel am Sucher auf das quadratische 6×6-Format beschränkt werden.

Die Belfoca I verfügt nicht über eine Doppelbelichtungssperre. Der Auslöseknopf mit integriertem Drahtauslöseranschluss ist auf der Gehäuseoberseite (rechts) positioniert. Die Scharfstellung erfolgt durch einen Drehring direkt am Objektiv, ebenso die Auswahl der Blende.

Einordung des Modells
Mit der Belfoca brachte Belca (vormals Balda) 1952 eine einfache Rollfilmkamera auf den Markt, die an die Konstruktionen der Vorkriegsjahre anknüpfte. Mit ähnlichen konstruktiven Merkmalen bot Balda bereits in den 1930er Jahren die Juwella (ebenfalls 6×9 und 6×6), die allerding noch nicht über einen Gehäuseauslöser verfügte.
In den 1950er-Jahren kam den Mittelformat-Faltkameras noch eine erhebliche Marktbedeutung zu, die allerdings in der 2. Hälfte des Jahrzehnts erheblich nachließ – insbesondere zugunsten der Kleinbildfotografie. 1955 legte Belca mit der Belfoca II ein Nachfolgemodell auf, dass sich im Wesentlich durch den in der Gehäusekappe integrierten optischen Sucher von der Belfoca I abhob.