
Die hier gezeigte Victrix ist eine kompakte Laufbodenkamera im kleinen Plattenformat 4,5 x 6 cm aus der Fertigung der ICA in Dresden. Produziert wurde die Kamera ab 1912. Nach der Fusion wurde die Fertigung der Victrix bei Zeiss Ikon bis 1931 fortgesetzt. Gemeinsam mit der gleichformatigen Ica Atom stellte die Victrix die kleinste Plattenkamera aus dem Hause ICA dar und wurde gezielt für ihre geringe Größe beworben.
Konstruktion und Mechanik
Charakteristisch ist der klappbare Laufboden: Im geschlossenen Zustand wirkt die Victrix wie ein kompaktes Kästchen mit den Maßen 8 x 2,8 x 6,5 cm. Der Korpus der 290 Gramm leichten Kamera besteht vollständig aus Metall. Nach dem Öffnen klappt die Frontstandarte heraus und wird über einen Zahnstangenantrieb exakt in Aufnahmeposition geführt.
Bauarttypisch erfolgt die Fokussierung durch Verschieben der Frontstandarte. Hierzu besitzt die Kamera eine Feintriebverstellung zur präzisen Scharfeinstellung, welche vor den Handhaben des Kameraauszugs platziert ist. Der Feintrieb mit Rasterung sowie die stabile Metallkonstruktion sorgen für die notwendige Maßhaltigkeit – eine Voraussetzung für exakte Bildschärfe auf dem vergleichsweise kleinen Format von 4,5 × 6 cm. Die Naheinstellmöglichkeiten der Victrix finden ihre Grenzen in der Konstruktion mir einfachem Balgenauszug. Immerhin wird auf diesem Wege aber eine kürzeste Bilddistanz von einem Meter abgedeckt.

Zur Bildgestaltung diente ein optischer Brillantsucher, der sich für Hoch- und Querformat drehen ließ. Für exakte Schärfeeinstellung konnte auf Mattscheibe fokussiert werden, insbesondere bei Verwendung auf dem Stativ.

Objektive
Das Museumsexemplar ist ausgestattet mit dem ICA Novar-Anastigmat 1:6.8 / 6 cm. Zur Markteinführung im Jahr 1912 werden im ICA-Katalog die nachfolgenden Objektive benannt, die ebenfalls in der Victrix zum Einsatz kamen:
- ICA Extrarapid-Aplanat Helios 1:6.8 / 9 cm
- ICA Hekla Doppel-Anastigmat 1:6.8 / 6 cm
In der Folgezeit wurden weitere Objektive verbaut, teilweise auch von Zulieferern (z.B. Zeiss Tessar 1:6.3 / 7.5 cm). Da die beispielsweise bei McKeown und Kadlubek benannten Objektivkombinationen von uns nicht vollständig verifiziert werden können, verzichten wir auf die Benennung an dieser Stelle.
Verschlüsse
Die Victrix wurde in zwei Verschlussvarianten angeboten. Die hier gezeigte Ausführung ist mit dem hauseigenen ICA Automat X ausgestattet. Der selbstspannende Zentralverschluss deckte die Zeiten 1/25, 1/50 und 1/100 ab Zudem standen die beiden üblichen Langzeitmodi Z (T) und B zur Verfügung.
Darüber hinaus wurde die Victrix auch mit dem leistungsfähigerem Compur der Firma F. Deckel angeboten, welcher dem Nutzer eine Zeitenreihe von 1 – 1/300 Sekunden bot.

Einordung des Modells
Die Victrix stellte neben der „Atom“ die zweite Miniaturkamera der ICA dar. Sie wurde nach der Atom, welche von Hüttig weitergeführt wurde, von Ica entwickelt und auf den Markt gebracht. Dies verdeutlicht, dass ICA bewusst zwei Modelle im grundsätzlich überschaubaren Segment der 4,5×6-Kameras platzierte. Die Victrix zeichnete sich durch den verhältnismäßig günstigen Einstiegspreis aus (1912: ab 40 RM), der merklich unter jenem der Atom lag (1912: ab 57 RM bei gleicher Verschluss/Objektiv-Kombination).
Für den britischen Hersteller Butcher & Son lieferte ICA die Victrix zu, welche von diesem als „Watch Pocket Klimax“ angeboten wurde. Auch diese Ausführung findet sich im Bestand des SKM.
Nicht zu verwechseln ist die ICA Victrix übrigens mit dem gleichnamigen Modell des Vorgängerunternehmens Emil Wünsche. Bei der Wünsche Victix handelte es sich um eine Spreizenkamera mit Schlitzverschluss, die kurz nach der Jahrhundertwende gefertigt wurde.